Ehre für Satire über Kuschelwelt

Göttinger Theaterstück „Homo Empathicus“ für Dramatikerpreis nominiert

Göttingen. Ehre für das Deutsche Theater in Göttingen: Das Stück „Homo Empathicus“ von Rebekka Kricheldorf, das das Haus im Oktober 2014 als Uraufführung herausbrachte, gehört zu den sieben besten neuen deutschsprachigen Theaterstücken.

Das ergibt sich aus der gestrigen Entscheidung einer Jury des Festivals „Stücke“ in Mülheim an der Ruhr. Am 6. Juni wird beim Festival der Dramatikerpreis vergeben.

Mit dem witzigen und hintergründigen Stück stellte sich in Göttingen der neue Intendant Erich Sidler dem Publikum vor. Kricheldorf, 40-jährige Berlinerin mit Freiburger Wurzeln, gehört zu den produktivsten und erfolgreichsten deutschen Theaterautoren. Nach ihrem Romanistikstudium studierte sie in Berlin szenisches Schreiben. 2003 erhielt sie den Kleist-Förderpreis, 2010 den Förderpreis Komische Literatur der Stadt Kassel.

Sidler und Kricheldorf kennen sich schon lang, ebenso wie der Kasseler Intendant Thomas Bockelmann, der mit der Autorin schon für sechs Stücke zusammenarbeitete. Aktuell läuft am Staatstheater „Die Kunst der Selbstabschaffung“, das von der Mülheimer Jury ebenfalls begutachtet worden war.

Rebekka Kricheldorf

Kricheldorf entwirft in „Homo Empathicus“ eine Welt, in der die politische Korrektheit regiert, eine Wellnesswelt, in der alle sanft und liebevoll sprechen, böse Wörter eliminiert sind (Jemand fühlt sich nicht hässlich, sondern leidet an einer „Attraktivitäts-Differenz-Chimäre“) und man unentwegt klares Wasser trinkt. Wie hinter der Kuschelfassade die Abgründe von Gehirnwäsche lauern, arbeitet sie subtil und mit erschreckend hohem Wiedererkennungfaktor heraus.

Typisch für Kricheldorf ist die Verwendung einer Kunstsprache, die ganz nah an der Alltagssprache ist, aber doch leicht abweicht. Auch in anderen Stücken griff sie Zeitströmungen auf, da ging es etwa um Selbstinszenierungen von Backpackern und das Leben in gesicherten Wohnanlagen.

Kricheldorf freute sich in einer ersten Reaktion gestern besonders darüber, dass „das Saisoneröffnungsstück ausgewählt wurde, weil da alle 26 Schauspieler des Ensembles mitwirken“. Und Erich Sidler ergänzt: „So ein riesiges Ensemble zum Festival einzuladen, ist eine mutige Entscheidung.“ Er empfindet die Nominierung als „Bestätigung für unsere Arbeit“. Jetzt müsse nur noch geplant werden, wie die Spielplanlücke zu füllen ist, wenn alle Schauspieler des Hauses zum Festival reisen.

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