Wissenschaftler suchen Alternativen

Göttinger Tierfutter-Forschung: Schweine fressen Algen und Insekten

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Ersatz für Soja gesucht: Mit Insekten- und Algenmehl fütterten Wissenschaftler der Uni Göttingen Schweine auf der Suche nach Ersatz für Soja als Proteinquelle. Im Versuch nahmen die Tiere das neue Futter gut an.

Göttingen. Ob Mehl aus Insektenlarven oder Algen – im Praxisversuch nahmen Schweine und Masthähnchen das neue Futter gut an.

Erste Ergebnisse von Göttinger Agrarwissenschaftlern weisen auch darauf hin, dass die Tiere das Futter gut verwerten können.

Um gesund aufzuwachsen, brauchen Schweine und Hähnchen eine optimale Ernährung. Dabei spiele die Proteinversorgung eine herausragende Rolle, so die Tierernährungsphysiologen. In Deutschland stammt bislang ein Großteil des Futterproteins aus Soja-Importen. Die Göttinger Forscher suchen nach Alternativen und wollen wissen, ob und wie Soja durch Insekten- oder Algenmehle ersetzt werden kann.

Test im Stall

In der Versuchsanlage der Fakultät für Agrarwissenschaften kam zu diesem Zweck statt Sojaextraktionsschrot teilentfettetes Larvenmehl der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) oder das Mehl der blau-grünen Mikroalge (Spirulina platensis) in den Futtertrog. Mit 280 Masthähnchen und 40 Schweinen wurden Versuche unternommen und immer mehr Larven- beziehungsweise Mikroalgenmehl gefüttert. „Die Tiere haben das Futter gut angenommen“, sagt Susanne Velten, die die Versuche zusammen mit Carmen Neumann von der Abteilung Tierernährungsphysiologie durchgeführt hat.

Grundlagenforschung: Ein Großteil des Futterproteins in Deutschland stammt aus Soja-Importen. Insekten- oder Algenmehle könnten eine Alternative sein.

„Beide alternativen Proteinquellen sind aus ernährungsphysiologischer Sicht grundsätzlich geeignet, um einen großen Teil des Import-Sojas im Futter für Masthähnchen und Schweine zu ersetzen.“ Im nächsten Schritt werden Velten und Neumann, die beide an ihrer Dissertation zu dem Thema schreiben, weitere Daten auswerten. „Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie die Tiere die Nährstoffe verdauen und verwerten“, sagt Velten.

Darüber hinaus wollen die Forscher überprüfen, wie weit sich die Proteinqualität durch die Ergänzung einzelner Futteraminosäuren noch verbessern lässt. Die Versuche sind Teil des Projekts „Sustainability Transitions in der Lebensmittelproduktion: alternative Proteinquellen in soziotechnischer Perspektive“.

Weitere Infos gibt es im Internet.

Hintergrund: Woher kommen Algen und Larven?

Die Algen als mögliches Futterprotein können in offenen Seen wachsen und dann abgefischt werden oder sie werden in durchsichtigen Rohrleitungen produziert.

In beiden Fällen sei der Grundpreis noch hoch, berichtet Susanne Velten. Insekten haben keine hohen Ansprüche und könnten auf Abfällen wachsen. Allerdings lässt dies die Gesetzgebung noch nicht zu. Während Algenproteine bereits seit 2001 als Futtermittel für Tiere einsetzbar sind, hat die Europäische Union Insektenproteine bislang nur im Fischfutter zugelassen.

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