Jugendreport

Forschung der Uni Göttingen: Junge Menschen ernähren sich lieber klimafreundlich

Besuch in der Mensa am Turm in Göttingen: Die Studentinnen Katja (links) und Nicola entschieden sich für vegan/vegeratisches Essen, das Min Thi Mong Trinh (im Hintergrund) ausgab.
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Besuch in der Mensa am Turm in Göttingen: Die Studentinnen Katja (links) und Nicola entschieden sich für vegan/vegeratisches Essen, das Min Thi Mong Trinh (im Hintergrund) ausgab.

Knapp 90 Prozent der jungen Erwachsenen interessieren sich für Lebensmittel und Ernährung – es ist also ein Trendthema, zeigt die Studie der Göttinger Forscher.

Göttingen – Der Klimaschutz wird von der großen Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als wichtigste Aufgabe der Politik gesehen. Auch die Ernährung mit klimafreundlichen Lebensmitteln und weniger Fleischkonsum ist für viele wichtig.

Nur fünf Prozent ist es egal, wie Lebensmittel hergestellt werden. Das sind Ergebnisse der Studie „Jugendreport zur Zukunft nachhaltiger Ernährung“ der Uni Göttingen im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Forscher hatten 2020 etwa 1500 Menschen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren (Altersdurchschnitt: 25 Jahre) in einem bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt online befragt.

Göttinger Uni-Forscher finden heraus: Junge Leute fordern mehr Engagement vom Staat

69 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen gesundes Essen wichtig ist. Ebenso viele fordern aber auch, dass der Staat klimafreundliche Ernährung unterstützen soll, indem zum Beispiel der Anbau von Obst und Gemüse subventioniert werden.

Auch eine artgerechte Tierhaltung ist vielen wichtig: 83 Prozent der Befragten wünschen sich eine solche, und sind bereit dafür die Konsequenzen in Form höherer Preise zu tragen.

Belegt wird in dem Jugendreport zur nachhaltigen Ernährung, für den Anke Zühlsdorf, Kristin Jürkenbeck, Maureen Schulze und Achim Spiller verantwortlich zeichnen, dass viele der Befragten auch bereit sind, „gelernte“ oder eingeschliffene Verhaltens- und Konsummuster infrage zu stellen – bestenfalls auch zu ändern.

Göttinger Uni-Forscher bestätigen: Fleischlose Ernährung liegt im Trend unter jungen Leuten

So haben 40 Prozent von ihnen ihren Fleischkonsum hinterfragt. Immerhin 12,3 Prozent haben drastisch reagiert – den Fleischkonsum eingestellt, sind Vegetarier oder gar Veganer geworden. 17 Prozent der jungen Frauen ernähren sich bereits fleischlos, drei Prozent davon wiederum vegan. Aber auch zwei Drittel der Flexitarier planen künftig eine weitere Reduzierung ihres Fleischkonsums. Zum Vergleich: 2005 ernährten sich gerade einmal drei Prozent der Deutschen fleischlos.

Verändert hat sich auch die Wahrnehmung in der Gesellschaft auf die bewusster lebenden Vegetarier und Veganer: Die Göttinger Wissenschaftler konstatieren: Veganer und Vegetarier sind keine gesellschaftlichen Randgruppen mehr. Mehr noch: Sie beeinflussen sogar als „politisierte Esser“ mit ihrer kritischen Haltung zur Fleischindustrie und Tierhaltung sowie zum Umwelt- und Klimaschutz zunehmend den gesellschaftlichen Diskurs – und somit auch die Wahrnehmung vieler Menschen.

Uni Göttingen: Kritisiert wird die geringe Auswahl an fleischlosen Menüs in der Mensa

Interessant ist auch, dass viele der jungen Menschen in den Interviews sagten, sie „fühlen sich durch das Bildungssystem über den Zusammenhang von Fleisch und Klima schlecht informiert“.

Als Problem sehen die Jungen aber, dass für vegetarische und vegane Produkte ein höherer Preis fällig wird: Das Essen wird und ist teurer. Auch gibt es in Kantinen und Menschen „zu wenig Auswahl, wenn auf Fleischmenüs verzichtet wird“. Übrigens: Käseersatz wird von den Befragten der Studie kritisch gesehen.

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In Göttingen hat just die „Mensa am Turm“ des Studentenwerks das Angebot radikal umgestellt, bietet nur vegan/vegetarische Speisen an. Studentenwerk-Geschäftsführer Jörg Magull hat diese Umstellung auch im Rahmen des hauseigenen Klimaschutzpakets umgesetzt. Er und Turmmensa-Küchenchef Markus Lanze werden die Ergebnisse des Jugendreports aufmerksam verfolgen und sich bestätigt sehen, den Kurswechsel frühzeitig zu vollziehen.

Lanze setzt auch auf pflanzliche Ersatzprodukte, die teilweise von den Landwirten aus der Region kommen, die auch Fleischlieferanten sind, also weiter unterstützt werden. (Thomas Kopietz)

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