Land moniert Antrag auf Geldfreigabe

Göttinger Uni-Medizin: Kein Start für Klinik-Neubau in Sicht

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Das Bettenhaus I der Uni-Medizin Göttingen wartet auf einen Neubau und den Abriss. Das Land moniert die Anträge der UMG und gibt kein Geld frei. Ein Baustart, der längst vollzogen sein sollte, steht in den Sternen.

Geht es mit dem Neubau der Uni-Klinik bald los – oder nicht? Diese Frage beschäftigte in der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) am Dienstag die Gemüter.

Auslöser war eine Schlagzeile in der jüngsten Ausgabe des Online-Politikmagazins „Rundblick“: „Thümler stoppt Neubau von Bettenhaus und OP der Uniklinik Göttingen“. Der UMG-Vorstand und das Ministerium für Wissenschaft und Kunst (MWK) beeilten sich danach mit einem Dementi per abgestimmter Pressemitteilung.

Tenor: Zwar habe die von der Landesregierung geschaffene Dachgesellschaft Bauvorhaben Hochschulmedizin Niedersachsen (DBHN) dem im Oktober 2019 gestellten Antrag der UMG auf Bereitstellung des Geldes für die Planungen der Baustufe I in Göttingen vor zwei Wochen nicht entsprochen, aber grundsätzlich bliebe für „alle Beteiligten, das MWK, die DBHN und die UMG unstrittig, möglichst zeitnah die erste Baustufe des Uni-Klinik-Neubaus zu beginnen“. Das sei im Sinne einer modernen und sicheren Patientenversorgung dringend notwendig. UMG werde die nächsten Schritte mit dem MWK und der Dachgesellschaft „intensiv vorantreiben“.

Woher das Zitat Thümlers und der Wirkungstreffer für die UMG-Spitze, die lieber heute als morgen mit dem Neubau von Bettenhaus I und OP-Zentrum beginnen würde, kommt, bleibt im Nebel: „Das Zitat sei so nicht gefallen“, hieß es aus dem MWK.

Blieben die Gründe für die Ablehnung des Antrages durch den DBHN-Aufsichtsrat für die Geldfreigabe zur Planung von Bauabschnitt I: Laut MWK mangele es an der „Wirtschaftlichkeit“, und der Rundblick schreibt von einer Kostensteigerung von mehr als 100 Millionen Euro. Thümler wird mit Aussagen aus dem Wissenschaftsausschuss des Landtages zitiert, das sei „nicht akzeptabel, die UMG müsse nachbessern“.

Die Dachgesellschaft, die die Neubauten von Uni-Klinik Göttingen und Medizinischer Hochschule Hannover (MHH) koordinieren und prüfen soll, monierte – nach einer Prüfung erst im Februar 2020 – auch die rechtliche Angreifbarkeit des Antrages. Die UMG nahm dazu keine Stellung. Dort heißt es salomonisch: Man wolle „die angesprochene Kritik prüfen und konkrete Schlüsse für das weitere Vergabeverfahren und eigene Vorgehen ableiten“.

Ein Knackpunkt, der bei der DBHN nicht auf Gegenliebe stößt, ist, dass die UMG den für 150 Millionen Euro seit Jahren genehmigten Bettenhaus-Neubau mit dem Bau des OP-Zentrums zu verknüpfen – was vom Vorgehen logisch und generell sinnvoll wäre. Kritik kommt laut Berichten auch an den Preisangeboten der Baufirmen. Thümler wird zitiert: Die UMG müsse nun die Fehler im Vergabeverfahren heilen. Bliebe die Frage nach einer weiteren Verzögerung für den Baustart: Sie beantwortet das MWK nicht, auch die UMG hält sich bedeckt. Dort im offiziellen Sprachgebrauch: Startschuss Ende 2020 – mit Fragezeichen.

VON THOMAS KOPIETZ

Kommentar zur Verzögerung des Klinik-Neubaus

Zur Verzögerung des Klinik-Neubaus hier ein Kommentar von HNA-Redakteur Thomas Kopietz: Wieder Verzögerungen beim Start zum Uni-Klinik-Neubau: Mitarbeiter – und auch Patienten – können diese Nachrichten nicht mehr lesen und hören: Viele haben den Glauben verloren in die Politik, die immer wieder Gründe findet, die das Verfahren verzögern. Aber auch in die eigene Leitung. Dabei ist der Altbau abgängig, das zwar stetig sanierte OP-Zentrum zu klein und die Mitarbeiter fangen Unzulänglichkeiten auf. Deshalb sind Meldungen wie „Neubau gestoppt“ für viele von demotivierender Wirkung. Illusionen hat ohnehin kaum einer mehr im Uni-Klinikum, in das die Menschen von weit her kommen. Negativwirkung hinterlässt auch der Eindruck, dass die Chemie zwischen der neuen Kontrollinstanz Dachgesellschaft und UMG-Spitze nicht zu stimmen scheint.

Ebenso, dass kritische Äußerungen von Minister Thümler durchsickern, der öffentlich beschwichtigende Worte für das Vorhaben sagt: Man wolle keinen zweiten Flughafen-Berlin erleben, sondern langsam, sorgfältig planen. Von Schneckentempo hört in Göttingen niemand gerne. Deshalb sollte auch die UMG mögliche eigene Fehler fix ausbügeln und in Hannover Dampf machen. Denn es ist höchste Zeit für den Neubau – sagen Mitarbeiter und Patienten.

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