Umstrukturierung in der Uni-Klinik

Göttinger Uni-Medizin stellt Lebertransplantationen zum Jahresende ein

Im Fokus: Als Ehrengast hatte die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) bei ihrem Jahresempfang den Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell geladen. Hells Frau Anna ist Professorin im Uni-Klinikum. Links Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, in der Mitte Gastredner Thomas Oppermann. Foto: Kopietz

Göttingen. In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird es ab Januar 2015 keine Lebertransplantationen mehr geben. Das gab Vorstand Prof. Dr. Heyo Kroemer während des Jahresempfangs vor 400 Gästen am Dienstag bekannt.

Aktualisiert um 17.30 Uhr

Zum Jahresstart 2015 soll aber ein neues Leberzentrum öffnen, in dem die Vorsorge von zu transplantierenden Leber-Patienten und die Nachsorge von Lebertransplantierten gewährleistet wird.

Für die Patienten aus der Region ist gesorgt: Die UMG hat klare Absprachen mit anderen Zentren getroffen. Patienten aus der Region können in Frankfurt, Bonn, Jena und Hannover transplantiert werden, sagte Vorstand Dr. Martin Siess auf Anfrage.

Ein Grund für das Ende der Lebertransplantationen ist eine neue strategische Ausrichtung auf onkologische Schwerpunkte in der Uni-Klinik: Die UMG will diesen Schwerpunkt stärken. Dafür stünden mit Prof. Michael Ghadimi und dem neu berufenen Prof. Volker Ellenrieder ausgewiesene Krebs-Experten zur Verfügung. 2015 sollen dann neue interdisziplinäre Zentren für Patienten mit Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Lebererkrankungen entstehen. Das Leberzentrum wird zum 1. Januar öffnen.

Finanzielle Gründe seien für das Ende des Lebertransplantationsprogramm nicht ausschlaggebend: „Wirtschaftlich hat die Abteilung an der UMG keine tragende Rolle gespielt“, sagte Siess. Der Anteil am Umsatz betrug etwa ein Prozent. Maximal wurden 60 Transplantationen pro Jahr getätigt – in der Zeit, als der nun vor dem Landgericht angeklagte Oberarzt Dr. O. in der UMG tätig war. 2013 waren es 16, im laufenden Jahr noch zehn Transplantationen. In 20 Jahren wurden mehr als 440 Lebern transplantiert.

Ein mögliches Negativ-Image nach dem Skandal sei ebenfalls kein Grund. Die Aufklärungsarbeit sei auch in den Medien gewürdigt worden, sagte Siess der HNA.

Positives Klima an der Universitätsmedizin

400 Gäste, darunter Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell, kamen am Dienstag zum Jahresempfang der Uni-Medizin Göttingen (UMG). Gastredner war Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann (SPD). Zuvor gab Vorstandsmitglied Prof. Dr. Heyo Kroemer einen Bericht zu Lage des Klinikums.

Und die war schon schlechter. Kroemer fiel es deshalb nicht schwer, eine „positive Vision der Universitätsmedizin in zehn Jahren zu entwickeln“. Er stützte seine Zuversicht auf Ereignisse: So hat das Land das Geld für den Neubau des Bettenhauses 1 bewilligt und zugleich noch als Bonbon eine Anschubfinanzierung für den Neubau des Operationszentrums. „Wir haben endgültige Gewissheit und können so bald wie möglich beginnen“, sagte Kroemer, der für die Planung seinen Vorstandskollegen Sebastian Freytag ausdrücklich lobte.

Dem Land ist Kroemer auch dankbar, dass die Landesregierung 80 Millionen Euro zusätzliche in die UMG gibt - für die Eigenbeteiligung an den Neubauten und Sanierungen im Altbestand. So werde die Bau-Zukunft aus einem Zweiklang von Erhalt und Renovierung bestehen.

Positiv stimmt den Vorstand die Entwicklung in der Krankenversorgung. 2013 haben 7400 Mitarbeiter 60 000 stationäre und 173 000 ambulante Patienten versorgt. Die UMG erwirtschaftete 570 Millionen Euro Betriebserträge, 130 Millionen flossen als Landeszuschuss, 53 Millionen waren eingeworbene Drittmittel. Zahlen, die die UMG zum größten Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb in Südniedersachsen machen.

„Die UMG gehört zu den wenigen Universitätsklinika in Deutschland, die noch keine roten Zahlen schreiben. Wir werden alles daran setzen, dass es so bleibt“, sagte Kroemer. Das werde aber nur gelingen, wenn sich die finanziellen Rahmenbedingungen für Uni-Kliniken verbessern würden. Dass diesbezüglich auf höchster politischer Ebene etwas passiere könne, deutete Festredner Thomas Oppermann (SPD) an. Er spannt sich - wie auch Kroemer in Kommissionen - vor den Karren, will die Uni-Finanzierung auf stärkere Füße stellen. „Zwei Drittel der Uni-Kliniken schreiben rote Zahlen, da muss im System etwas falsch sein.“

Das - auch von Kroemer favorisierte - Modell Systemzuschlag finde keine Mehrheit in der Koalition bedauerte Oppermann, der glaubt, dass andere Finanzierungsmodelle wie für die Notfallmedizin und Hochleistungsfälle oder in als Qualitätszuschläge kommen werden. Oppermann und Kroemer lobten auch die Top-Forschungsleistungen in der UMG. In Zukunft sei es wichtig, Forschungsleistungen schnell in einen Nutzen für den Patienten umzuwandeln.

In dieses Bild passte der Ehrengast, Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell. Seine Entdeckung und die Entwicklung neuer Mikroskopietechniken wird in der Medizin eingesetzt. So war Hell der bescheidene Star des Abends, der neben den Gastgebern die meiste Hände schütteln durfte.

Von Thomas Kopietz

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