Erste Impfaktion in Schule

Uni-Mediziner aus Göttingen betonen: Corona-Impfung bei Kindern „sind wichtig“

Immunisierung: Dr. Dagmar Weise impfte Pauline gegen das Corona-Virus.
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Immunisierung: Dr. Dagmar Weise impfte Pauline gegen das Corona-Virus.

In Göttingen laufen die Corona-Kinderimpfungen gut an. Viele Eltern haben aber auch mit Vorwürfen zu kämpfen. Mediziner sprechen sich jedoch klar für die Impfung aus.

Göttingen – Das ist ein Zeichen: 600 Termine für die Impfaktion der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) für Kinder in der Adolf-Reichwein-Schule am Wochenende waren ruckzuck innerhalb von 20 Minuten vergeben. Das Impfen der Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren lief reibungslos.

„Wir freuen uns sehr über diese große Nachfrage“, sagte Prof. Jutta Gärtner am Samstagvormittag (18.12.2021). Die Direktorin der UMG-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zeigt sich begeistert auch über das Engagement von 24 Ärzten aus ihrer Klinik, dazu Kinderkrankenschwestern und PTA‘s aus der UMG-Apotheke, die an drei Tagen in der Schule im Einsatz waren – und ohnehin schon seit Wochen unter extremer Belastung in der Klinik stehen, auch durch die RSV-Viruserkrankungen.

Corona-Kinderimpfungen in Göttingen: Impfgegner attackieren Eltern

Dazu kamen laut UMG-Vorstand Krankenversorgung Prof. Lorenz Trümper auch noch Medizinstudenten, die mithalfen. Ein Engagement, dass die höhe Bereitschaft der UMG-Studierenden für den Dienst am Staat und besonders Patienten zeige – schon von Beginn der Corona-Pandemie an. „Das macht Hoffnung für die Medizin an der UMG und in der Stadt.

Dass mittlerweile sogar öffentlich – so auch in sozialen Medien – Eltern, die ihre Kinder impfen lassen, von Impfgegnern als „verantwortungslos“ und „fahrlässig“ bezeichnet werden, stößt bei den Medizinern, aber auch bei anderen Eltern, auf Unverständnis und sei letztlich nicht tragbar, wie Eltern von zwei Kindern am Samstag am Rande des Impftermins sagten. Ihre Namen wollten sie nicht nennen. Die Folgen wären zu erahnen.

Jutta Gärtner betonte aus medizinischer Sicht, dass das Impfen von 5- bis 11-Jährigen notwendig ist. „Das Impfen ist ganz wichtig.“ So gäbe es mittlerweile auch Auto-Immun-Erkrankungen als Spätfolge von Covid-19-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, die die akute Infektion sogar symptomfrei erlebt hätten. „Bei diesen Erkrankungen richten sich die gebildeten Antikörper gegen Organe des eigenen Körpers. Diese Kinder erkranken schwer. Betroffen sind fünf von 10.000 Kindern“, schildert Gärtner, die zu den Top-Kinder- und Jugendmedizinern in Deutschland gehört.

Uni-Mediziner aus Göttingen verweisen aus Corona-Kinderimpfungen in den USA

„Dagegen steht, dass mehr als zwei Millionen Kinder in den USA geimpft sind und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind. Wäre das passiert, dann würden wir das erfahren. Mein Fazit: Auch Kinder können einen schwerwiegenden Verlauf von Covid-19 haben.“

Dass diese bei seinem Sohn Cedric eben nicht passieren wird, darauf hofft dessen Vater. Die Motivation zur Impfung kam besonders von dem Sechsjährigen, der zu Hause gesagt hatte: „Ich möchte geimpft werden“, schildert der Vater. „Sie hatten in der Schule auch untereinander gesprochen.“ Zwar mit Zurückhaltung, aber dennoch ohne Angst ließ sich Cedric die Spritze geben.

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Göttingen: Corona-Impfungen sollen Kinder vor „schweren gesundheitlichen Folgen“ schützen

Eine weitere Hoffnung verbinden viele Eltern mit der Impfung für die Kinder, die weitere soziale Teilhabe bei Aktionen, in Sport und Musik sowie natürlich den Besuch in Kitas und Schulen. „Der Nutzen besteht auch darin, dass man Schulen und Kitas nicht schließen muss“, sagt Jutta Gärtner. Denn auch dass habe Folgen gehabt, wie in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zu sehen war: Bewegungsmangel, Übergewicht, aber auch psychische Probleme seien die „schweren gesundheitlichen Folgen“.

„Man bedenke auch, dass es für Kinder eine große Belastung sein kann, wenn sie zu Hause Eltern und Großeltern anstecken“, ergänzte Gärtner, die auch noch eine klare Forderung in Richtung Ständige Impfkommission adressiert: „Wir als Leopoldina haben eine klare Empfehlung für die Kinderimpfungen gegeben, jetzt hoffe ich, dass diesbezüglich bald nachbessert. Bisher gibt es nur die Empfehlung für Risikopatienten.“

Nächste Corona-Impfaktion für Kinder in Göttingen ist bereits in Planung

In Göttingen soll mit weiteren Impfaktionen für Kinder nachgelegt werden. Lorenz Trümper kündigte eine Kooperation der UMG mit Apotheken und niedergelassenen Kinderärzten an. „Wir wissen jetzt, wie es geht“, auch dank der Unterstützung bei der Logistik durch Jens Windwehe von der Berufsfeuerwehr.“

Advents-Kinderimpfaktion von UMG, Stadt und Landkreis Göttingen: (von links) Prof. Dr. Lorenz Trümper (Vorstand Krankenversorgung UMG), Prof. Dr. Wolfgang Brück (Vorstand Forschung und Lehre UMG), Prof. Dr. Jutta Gärtner (Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der UMG) und Oberbürgermeisterin Petra Broistedt.

Im Januar wird zunächst die Zweitimpfung für die jetzt Erstgeimpften angeboten, versprach Trümper. Die Stadt würde sich auch wieder beteiligen, sagte Oberbürgermeisterin Petra Broistedt. Cedric jedenfalls impfte hinterher auch noch sein mitgebrachtes Kuscheltier in der „Teddybärklinik“, eine Initiative von Studierenden. Für den Mini-Mediziner Cedric gab es dann noch eine Tüte Gummibären, überreicht vom Weihnachtsmann (UMG-Vorstandssprecher Wolfgang Brück).

Derart inspiriert von der „tollen Teddybärklinik-Aktion“ holte sich auch die Professorin Jutta Gärtner noch einen Kuscheltierimpfpass. Auf dem ist noch Platz für die Folgeimpfungen – wie auch in Cedrics Impfausweis. (Thomas Kopietz)

Auch in Northeim haben die Corona-Impfungen für Kinder gestartet, man rechne nicht mit großen Nebenwirkungen. Erst vor kurzem hat sich eine Kinder-Medizinerin aus Göttingen zur Corona-Impfung geäußert.

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