Uni soll mit Hannover zusammenarbeiten

Göttinger Universitätsmedizin will lieber selbst bauen

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Zum Teil desolate Bausubstanz: Die Landesregierung geht davon aus, dass bis zum Abschluss der Sanierungs- und Neubauprojekte der Universitätsmedizin Göttingen insgesamt 22 Jahre vergehen werden.

Göttingen/Hannover. Der Landesrechnungshof spricht sich dafür aus, dass die Uni-Kliniken Göttingen und Hannover eine gemeinsame Bau- und Betriebsgesellschaft gründen. Dieses Modell wird in Göttingen skeptisch gesehen.

Die obersten Finanzprüfer des Landes verweisen in einem Positionspapier auf große Probleme bei Bauten, die an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) realisiert worden waren. Dort sei es zu „Reibungsverlusten, Fehlinformationen und Missverständnissen“ mit dem Staatlichen Baumanagement und dem Ministerium gekommen. Deshalb empfiehlt der Landesrechnungshof die Gründung einer Gesellschaft, die später auch den Betrieb der beiden Uni-Kliniken übernehmen könne.

Die Gesamt-Investition beläuft sich in beiden Einrichtungen auf insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro, die Hälfte davon in Göttingen. Deshalb müssten auch einheitliche Standards entwickelt werden.

Dr. Sebastian Freytag, Vorstand Wirtschaftsführung und Administration der UMG, begrüßt grundsätzlich das Interesse des Landesrechnungshofes an einer schnellen Verwirklichung der Sanierungs- und Neubauprojekte an beiden Kliniken. Allerdings gibt es einen fundamentalen Unterschied: Da Göttingen eine Stiftungsuniversität ist, tritt sie selbst als Bauherr auf.

Dr. Sebastian Freytag: „Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren sind dabei durchweg positiv.“

So wurden bei der Universitätsmedizin mehrere Projekte umgesetzt: Dazu gehören beispielsweise der komplexe Entwässerungskanal und der Neubau des Gebäudes für MRT-Forschung. Alle Bauprojekte sind laut Freytag im Kosten- und Zeitrahmen geblieben.

Mit Blick auf Projekte für den Gebäudeerhalt ist aus Sicht der Universitätsmedizin Göttingen die „eigene Bauherreneigenschaft“ unabdingbar.

Zwei Jahrzehnte Bauarbeiten

Der Niedersächsische Landesrechnungshof bestätigt den von der Landesregierung erkannten „dringend Handlungsbedarf“ bei der Sanierung und Erneuerung der Gebäude der Uni-Kliniken Göttingen und Hannover.

Die Regierung geht von einer Dauer von 22 Jahren für das Projekt aus. „Der Landesrechnungshof hält diesen Zeitraum aufgrund der desolaten Bausubstanz und der damit verbundenen kostenintensiven Notmaßnahmen für deutlich zu lang“, heißt es in einem Positionspapier der Kassenprüfer. Sie fordern den Abschluss der Planungs- und Baumaßnahmen innerhalb von zehn Jahren.

Wenn es wirtschaftlich ist, sollten aus Sicht des Landesrechnungshof auch private Partner bei dem Projekt beteiligt und beauftragt werden - bei Planung, Bau und auch bei der Finanzierung.

Die Universitätsmedizin verwiest darauf, dass sich die Abläufe bei den Bauvorhaben auf Grundlage des Stiftungsmodells über Jahre hinweg bestätigt haben. Der Baubetrieb müsse strukturell und inhaltlich hoch flexibel organisiert sein.

„Einen Betrieb der Kliniken durch Dritte hinterfragen wir als UMG“, heißt aus Göttingen. Dafür gebe es in der Bundesrepublik bisher keine überzeugenden Beispiele. UMG-Vorstand Dr. Sebastian Freytag: „Diskussionen in dieser Frage dürfen zu keinen weiteren Zeitverzögerungen führen. Für bereits laufende Vorhaben sollten die bisherigen Abwicklungsformen bestehen bleiben.“

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