Sprecher der Wohnrauminitiative mutmaßliches Opfer

Göttinger Verbindungsstudent wegen Angriffs vor Gericht

Großes Interesse an dem Prozess: Deshalb kam es am Eingang zum Gerichtsgebäude zu kurzen Wartezeiten. Foto: Schlegel

Göttingen. Ein Verbindungsstudent muss sich seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. Er soll den Sprecher der Wohnrauminitiative angegriffen und verletzt haben.

Aktualisiert um: 17.22 Uhr

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fahrlässige Körperverletzung vor. Laut Anklage soll er sich im Juli vergangenen Jahres vor dem Haus seiner damaligen Studentenverbindung einem Radfahrer in den Weg gestellt und diesen an der Weiterfahrt gehindert haben. Beim Versuch, dieser Situation zu entkommen, war der Radfahrer gestürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen.

Der Radfahrer, ein ebenfalls 26 Jahre alter Student, erlitt unter anderem einen Kreuzband- und einen Meniskusriss und einen Knorpelschaden. Er tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Zu der Verhandlung waren zahlreiche Angehörige der linken Szene erschienen. Da der Platz im Gerichtssaal für diesen großen Andrang nicht ausreichte, mussten zahlreiche Besucher vor der Tür bleiben.

Der Angeklagte, der bereits eine Vorstrafe wegen Beleidigung hat, bestreitet die Vorwürfe. Er hatte nach dem Vorfall zunächst einen Strafbefehl erhalten. Dieser beinhaltete eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Dies ist gewissermaßen eine Geldstrafe auf Bewährung: Sollte er innerhalb der Bewährungszeit strafrechtlich in Erscheinung treten, müsste er eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen. Da der 26-Jährige den Strafbefehl nicht akzeptierte, wird der Fall öffentlich vor Gericht verhandelt.

Ein zweiter Verbindungsstudent, der auch an dem Vorfall beteiligt gewesen war und einen gleich lautenden Strafbefehl erhalten hatte, zog seinen Einspruch später wieder zurück. Er tritt nun in dem Prozess als Zeuge auf. Zu dem Vorfall war es gekommen, als die beiden Verbindungsstudenten gemeinsam mit dem Hausmeister Farbschmierereien von der Fassade des Verbindungshauses zu entfernen versuchten.

Der Nebenkläger, ein Sprecher der als politisch links geltenden Wohnrauminitiative, sah dies vom Fahrrad aus, stieg ab und fotografierte die Aktivitäten mit seinem Smartphone. Als der Angeklagte dies bemerkte, lief er auf die Straße und stellte sich dem Radfahrer in den Weg. Sein Bundesbruder folgte wenig später. Beide sollen dann den 26-Jährigen aufgefordert haben, die Bilder zu löschen. Über den weiteren Verlauf machten die Zeugen unterschiedliche Angaben.

Der Nebenkläger gab an, dass der Angeklagte sehr aggressiv aufgetreten sei und ihn am Arm gepackt habe, um ihn festzuhalten. Er habe dann sein Fahrrad gedreht, um über den Bürgersteig zu flüchten. In dem Moment habe er einen Schlag gegen die linke Schulter gespürt, gleichzeitig habe jemand am Fahrrad gezogen, so dass er zu Boden stürzte. Bei der Drehung sei die Kniescheibe herausgesprungen. Der 26-Jährige kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, wo er sich einer dreistündigen Operation unterziehen musste.

Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.

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