1100 Beschwerden

Göttinger Verbraucherschützer: Kritik an zu hohen Inkassogebühren

Göttingen. Wer eine Rechnung nicht bezahlt, muss damit rechnen, dass irgendwann ein Inkassobüro das Geld eintreibt.

Doch viele Dienstleister verlangen dafür zu hohe Gebühren, kritisiert die Göttinger Verbraucherzentrale.

Bundesweite Auswertung

Nach Darstellung der Verbraucherschützer sind Inkassoschreiben überwiegend standardisiert und bestehen aus vorformulierten Textbausteinen. Dennoch verlangen Inkassodienstleister laut Mitteilung häufig eine unverhältnismäßig hohe Gebühr. In 66 Prozent der Fälle traf dies zu. Das ergab eine bundesweite Auswertung, bei der von März bis Ende Juni mehr als 1100 Beschwerden zu Inkassodiensten erfasst und ausgewertet wurden. Die Verbraucherzentralen sehen nach wie vor Handlungsbedarf, dass Inkassogebühren reguliert werden müssen.

Einfache Schreiben

Bei den Gebühren, die Inkassofirmen geltend machen dürfen, wird in der Regel der Vergleich zur Vergütung von Rechtsanwälten gezogen. Bei einem routinemäßigen Erstschreiben einfacher Art darf jedoch aus Sicht der Verbraucherschützer nur eine geringe Gebühr angesetzt werden. Doch das Gegenteil ist oft genug der Fall. „Statt einer angemessenen Gebühr werden weitaus höhere Gebühren verlangt“, sagt Rechtsexpertin Kathrin Körber. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Bei einer ursprünglichen Forderung von bis zu 500 Euro können ganz schnell Inkassokosten mit Auslagen und Mehrwertsteuer von fast 80 Euro entstehen.

Kostentreiber

Als weitere Kostentreiber kommen neben Phantasiegebühren wie eine „Reaktivierungs- oder Vernunftsappellgebühr“ die Doppelbeauftragungen von Inkassodienstleistern und Rechtsanwälten hinzu: Oft wird neben einem zuvor beauftragten Inkassodienst zusätzlich ein Rechtsanwalt in derselben Angelegenheit aktiv. Beide erheben Gebühren, die auf den Verbraucher abgewälzt werden. Gläubiger sind jedoch dazu verpflichtet, den Schaden so minimal wie möglich zu halten, sagen die Verbraucherschützer.

Ratenzahlungen

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass Verbraucher immer wieder von Inkassounternehmen zum Abschluss von gebührenpflichtigen Ratenzahlungsvereinbarungen gedrängt werden.

Schuldanerkenntnis

Häufig sind diese mit einem vorformulierten Schuldanerkenntnis gekoppelt. „Vielen ist nicht klar, dass die Inkassodienste mit dem Ratenzahlungsangebot Verbraucher austricksen. Mögliche unberechtigte Geldforderungen werden dadurch anerkannt und treiben die Gesamtkosten in die Höhe“, moniert Körber.

Forderung

Die Göttinger Verbraucherschützer haben beim Thema Inkasso eine ganz konkrete Forderung.

Um willkürliche und überhöhte Gebührenforderungen der Inkassounternehmen zu verhindern, ist es notwendig, die Inkassogebühren klarer zu regeln. Die derzeit geforderten Gebührensätze spiegeln in keiner Weise den konkreten Aufwand eines Inkassodienstleisters wider.

Ein Gläubiger kann einen Inkassodienstleister einschalten, um eine Forderung von einem Schuldner einzutreiben. Allerdings dürfe dies für den Schuldner nur dann mit zusätzlichen Kosten verbunden sein, wenn der Gläubiger selbst nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten hat, um die Forderung einzutreiben. Aber auch dann, wenn berechtigterweise Inkassokosten erhoben werden, sind diese häufig überhöht.

„Die Inkassotätigkeit dient so eher dazu, den Gewinn der Inkassounternehmen zu erhöhen, als die Forderung für die Gläubiger einzutreiben“, lautet das Fazit der Göttinger Verbraucherzentrale.

Kontakt: Verbraucherzentrale Göttingen, Jüdenstraße 3, 37073 Göttingen, Tel. 0511/91 19 60.

Download der Informationsbroschüre "Inkassokosten im Visier": 
www.vz-ni.de/ueberhoehte-inkassokosten

Rubriklistenbild: © dpa 

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