Medinetz bangt um Zuschuss

Göttinger Verein betreut Migranten ohne Versicherung

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Ärztliche Untersuchung: Zahlreiche Migranten sind auf das Göttinger Medinetz angewiesen.

Göttingen. Um Migranten, die in keiner Krankenkasse sind, kümmert sich das Göttinger Netzwerk Medinetz. Es wird befürchtet, dass die Arbeit wegen mangelnder Zuschüsse eingestellt werden muss.


?Welche Menschen finden bei dem Netzwerk Unterstützung?

!Derzeit kommen pro Jahr etwa 200 Migranten in die wöchentlichen Sprechstunden, die jeweils donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr im Migrationszentrum an der Weender Straße stattfinden, berichtet Rainer Neef, ein Mitglied des Netzwerkes.

?Welche Personengruppe nutzt das Medinetz?

!Inzwischen sind es mehrheitlich EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien, die keine eigene Krankenversicherung mehr haben.

?Warum ist diese Personengruppe betroffen?

!Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden wird in der Regel vom Sozialamt über das Asylbewerberleistungsgesetz bezahlt. EU-Bürger fallen aber durch dieses Raster, wenn sie keine Krankenversicherung haben. Eine Behandlung kann oft nur als Notfall vom Sozialamt finanziert werden.


?Gibt es auch Hilfe für Flüchtlinge vom Medinetz?

!Ja, bei komplizierten Fällen. Der Grund: Die Finanzierung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz deckt in der Regel nur die Akutbehandlung ab. Manche Krankheiten, zum Beispiel Diabetes, müssen dauerhaft behandelt werden. Das wird über das Medinetz organisiert.

?Welche Gefahr droht dem Medinetz?

!Bis Ende 2016 unterstützte die Stadt Göttingen das Netzwerk mit 7000 Euro jährlich. Dieser Zuschuss soll im Zuge der Haushaltsberatungen ab 2017 gestrichen werden.

?Gibt es noch weitere öffentliche Unterstützung?

!Ja, der Landkreis gibt weiter 3500 Euro pro Jahr als Zuschuss. Das allein reicht allerdings nicht aus, um den Finanzbedarf von jährlich etwa 20.000 Euro zu decken.

?Was passiert, wenn die Unterstützung der Stadt ausbleibt?

!Die Arbeit von Medinetz wird deutlich schwieriger. Der Verein will versuchen, mit Ärzten auf Spendenbasis zusammenzuarbeiten. Dabei sollen die Ärzte kostenlos behandeln und bekommen vom Verein in Höhe ihres Honorars eine Spendenbescheinigung.

?Wie kann der Verein unterstützt werden?

!Der Verein Medinetz mit seinen rund ein Dutzend aktiven Mitgliedern ist immer mehr auf privaten Spenden angewiesen und freut sich über jede Unterstützung. 

Kontakt: Verein Medinetz, Weender Straße 42, 37073 Göttingen, E-Mail: medinetz_goettingen@posteo.de

www.mfh-goe.org

Das sagt die Göttinger Stadtverwaltung

Für medizinische Versorgung ist ausreichend gesorgt

Aus Sicht der Göttinger Stadtverwaltung ist ausreichend für die medizinische Versorgung Geflüchteter beziehungsweise von Asylbewerbern gesorgt: „Da haben wir eine Vereinbarung mit der Kassenärztliche Vereinigung. Das macht der Landkreis ebenso“, heißt es aus dem Neuen Rathaus. 

Für die medizinische Versorgung von Migranten, die sich nicht bei staatlichen Stellen melden, sei ebenfalls vorgesorgt – durch ein Modellprojekt des Landes. „Hannover und Göttingen teilen sich hier insgesamt 500.000 Euro. Da besteht nun wirklich keine Notwendigkeit, dass die Stadt noch draufsattelt“, so die Göttinger Verwaltung. Der Sozialausschuss habe sich für die Streichung des Zuschusses für das Netzwerk entschieden. 

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