Nach Schließung des Café Kreuzberg

Verein "Kreuzberg on KulTour" seit zehn Jahren mit Musik auf Achse

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Vor zehn Jahren: Klaus Wißmann vor dem ehemaligen Café Kreuzberg. Die Schließung 2009 war der Startschuss für die Gründung von „Kreuzberg on KulTour“. 

Die Schließung des Cafés war nicht das Ende, sondern der Anfang einer ganz besonderen Bühne für Musiker: „Kreuzberg on KulTour“, die mobile Spielstätte.

Der Verein ist seit August 2009 in Südniedersachsen aktiv, organisierte auf ehrenamtlicher Basis hunderte Konzerte, Offene Bühnen und Folksessions.

„Da sich der Verein als Nachfolge des Café Kreuzberg gründete, das Anfang Mai 2009 seine Türen nach rund 20 Jahren Bühnenbetrieb schloss, sind wir ohne eigene Lokalität. Wir empfinden uns aber nicht als heimatlos, sondern haben daraus ein eigenes Konzept entwickelt“, erklärt der Vorsitzende Klaus Wißmann.

Das Konzept bietet insbesondere jungen Künstlern aus der Region tolle Möglichkeiten. Durch das „Selbstverständnis als mobile Spielstätte“ könne Kreuzberg on KulTour den Musikern eine für sie passende Lokalität bieten, sagt Wißmann. „Dadurch können gleichzeitig auch neue Publikumskreise erschlossen werden.“ Das Café Kreuzberg war nicht das einzige Musiklokal in Göttingen, das in den vergangenen zehn Jahren die Türen schließen musste. Der Verein bedauert insbesondere sie Schließung des legendären „Blue Note“ vor fünf Jahren und der „Tangente“ 2018.

„Trotz des Spielstättensterbens war für uns an Aufhören nie zu denken“, bekräftigt Wißmann. „Es hat uns eher angespornt noch mehr für den Erhalt einer vielfältigen Rock-/Pop-Szene zu tun, sodass wir uns immer wieder auf die Suche nach neuen Spielstätten begeben haben.“

Etwa 800 Konzerte seit 2009

Die Offene Bühne zog seit der Schließung des Café Kreuzberg acht Mal um, so gastierte sie im Blue Note und der Tangente. „Mit der ‘Diva Lounge’ haben wir nun eine schöne neunte Lokalität gefunden und hoffen dort lange bleiben zu können“, sagt Wißmann, der auf eine jahrzehntelange Bühnenerfahrung zurückblicken kann.

Etwa 800 Konzerte hat der Verein Kreuzberg on KulTour seit 2009 veranstaltet. Hilfreich waren dabei auch Wißmanns unerschöpfliche Kontakte zu Musikern, Agenturen und Musikinitiativen weltweit. So übernimmt der Verein vom Booking, der Veranstaltungsbewerbung bis zur Technik alles.

Heraus kommen kleine wie große, außergewöhnliche Veranstaltungen, wie das Herberhausen Open Air Festival im amphitheaterähnlichen Garten der Dorfschenke oder Liesels Clubnacht, das Indoor Altstadtfest oder SoundBase/SoundInvasion zum NDR 2-Soundcheck-Festival.

„Ohne unsere engagierten Mitglieder, allesamt Idealisten, könnten wir solche großen Veranstaltungen gar nicht durchführen – genauso wenig wie die kleineren. Dann gäbe es nicht mehr die Gewölbeklänge im kleinen Ratskeller oder den x-mas Rock, The Toxic Shock Show, den Songwriterabend und anderes.“

So gelingt immer wieder, was Wißmann als Ziel nennt: Die Musikszene bereichern, sowohl für Musiker als auch für das Publikum.

„Darüber hinaus bieten wir auch ‘SüdniedersachsenTouren’ an. Die sind besonders bei überregionalen Musikern beliebt, weil wir ihnen ein mehrtägiges Konzertpaket in unserer Region anbieten können. Nur dadurch lohnt sich für viele überhaupt erst der Weg nach Göttingen“, ergänzt der Musik-Überzeugungstäter Klaus Wißmann.

Mangel an Proberäumen bleibt ein Problem

Deshalb kümmere sich der Verein besonders um die Förderung von Nachwuchsmusikern. Dazu gehört die Organisation von Auftritten und die Vermittlung von Proberäumen. Freie Proberäume seien in Göttingen Mangelware. 

Das Selbsthilfeportal musikerfuermusiker.de, das der Verein 2013 gegründet hat, soll Musikern bei der Suche nach einem Proberaum helfen. Dort erhält der Verein nach eigenen Angaben „sowohl Anfragen, als auch leider viel zu wenig Angebote“. Anhand von dabei gewonnen Daten habe es 2013 erstmals die Möglichkeit einer Bedarfsschätzung gegeben. „Am dramatischen Raummangel hat sich aber leider bis heute fast nichts verändert“, sagt Klaus Wißmann, vom Verein „Kreuzberg on KulTour“.

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