Göttinger VHS-Lehrer netto unter Tariflohn

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Hier wachsen die Vergütungen der Lehrkräfte nicht in die Höhe: An der Volkshochschule (VHS) Göttingen verdienen Lehrkräfte teilweise sehr wenig. Sie fordern feste Arbeitsverträge.

Göttingen. Sie ermöglichen Menschen einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg, sind Pädagogen und gleichzeitig Sozialarbeiter. Aber: Die Lehrenden an der Volkshochschule Göttingen  erhalten netto oft nicht einmal den Mindestlohn.

Und sie fühlen sich allein gelassen. Seit Jahren bemühen sich Gewerkschaften und Betroffene darum, diese prekären Arbeitsverhältnisse in reguläre umzuwandeln. Ohne Erfolg.

Im September 2016 gingen Lehrkräfte der VHS deshalb auf die Straße informierten an Ständen – auch in der Göttinger Fußgängerzone. Viele Menschen reagierten mit Betroffenheit, als die VHS-Lehrer erzählten, dass sie auf einen realen Stundenlohn nach Abzug von Renten- und Krankenversicherung von 5,88 Euro kommen. 5,88 – das ist weit weniger als der Mindestlohn.

Die meisten sind nicht fest angestellt, sagt Arne Onken, von der Dozentenvertretung, der wie etwa 25 Kollegen auf Honorarbasis arbeitet, auf die Arbeit und das Geld angewiesen ist. Onken kommt so inklusive Unterrichtsvorbereitung auf 32 bis 36 Stunden Wochenarbeitszeit. Stunden, die er auch benötigt, um genügend Geld zu verdienen, schließlich muss auch noch die Sozial- und Rentenversicherung bezahlt werden.

„Wir arbeiten zum Teil wie andere Lehrer auch, in ähnlichem Umfang, mit ähnlichem Anspruch und Aufgabenspektrum. Wir wollen deshalb sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bekommen – mit angemessener Bezahlung“, betont Jana Baumgarten, die wie Arne Onken an der VHS-Göttingen unterrichtet und Dozentenvertreterin ist.

Das Kuriose: Arbeitgeber wie Bildungsträger und Kommunen, aber auch Politiker wissen um das Problem, aber es passiert nichts. Wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) treffend formuliert, schieben sich Bildungsträger, Kommunen und Land gegenseitig den Schwarzen Peter, beziehungsweise die Zuständigkeit zu.

VHS Göttingen (VHS): Geschäftsführer Rüdiger Rohrig. 

Das bestätigt auch der Geschäftsführer der VHS Göttingen, Rüdiger Rohrig. Er nennt als Grund die Finanzen: „Wir könnten das gar nicht bezahlen, wenn die Lehrkräfte sozialversicherungspflichtig angestellt würden.“ Die Forderung seiner Lehrkräfte hält Rohrig für berechtigt, aber der Finanzrahmen der VHS sei eben eng. Folglich müssten die Kommunen, im Falle der VHS also auch Stadt und Landkreis, tiefer in die Tasche greifen. „Natürlich wäre auch das Land gefragt.“

„Aber es passiert nichts“, sagt Arne Onken. Lange gab es gar keine Reaktionen auf Briefe und Anfragen. Immerhin gibt es positive Zeichen, dass Die Lehrenden schöpfen Hoffnung: Man habe das Gefühl, das Anliegen würde ernstgenommen und darüber gesprochen, sagen Onken und Baumgarten. Die Zeit läut im Moment für sie, denn die Landtagswahl steht 2018 an. „Darauf hoffen wir.“

Die GEW findet klare Worte: „Es ist an der Zeit. In anderen Bereichen der Erwachsenenbildung wie in den Integrationskursen konnten Verbesserungen erreicht werden. Jetzt muss auch im ZBW in Niedersachsen etwas geschehen.“ Die Gewerkschaft geht noch weiter. Letzte Möglichkeit wäre der Klageweg. Aber wer klagt schon gern?, fragen Arne Onken und Jana Baumgarten. Sie hoffen auf eine andere, sanftere Lösung mit einem guten Ende für die Lehrenden – verbunden mit einem fairen Arbeitsvertrag und mehr Geld.

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