Vorwürfe gegen 50-Jährigen

Von Heiratsschwindel bis Fahrkartenbetrug: Göttinger für 160 Straftaten angeklagt

Das Gebäude für Amtsgericht und Landgericht Göttingen: Ein Schild an der Stirnseite am Maschmühlenweg weist Besucher in Richtung Himmel.
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Amtsgericht und Landgericht Göttingen: Schild am Gebäude im Maschmühlenweg weist Besucher gen Himmel.

Ein 50 Jahre alter Mann, der in Untersuchungshaft sitzt und vorher in Göttingen wohnte, soll mehr als 160 Straftaten begangen haben und steht nur vor dem Landgericht Göttingen.

Göttingen - Die meisten angeklagten Fälle sind Betrugsdelikte, in 145 dieser Fälle geht es um Betrügereien mit Bahnfahrkarten. Die Palette der Delikte reicht von Heiratsschwindelei über Urkundenfälschung bis hin zu Einmietebetrügerei.

So ist der 50-Jährige auch wegen Diebstahl angeklagt, da er bei seinen „Gratis-Hotelaufenthalten“ laut Anklage stets auch die Fernsehgeräte und andere Gegenstände aus den Zimmern mitgehen ließ. Hinzu kommen Fahren ohne Führerschein, Verstoß gegen das Waffengesetz sowie grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Verhalten. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge erstreckt sich die Serie der Straftaten über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren bis zum Sommer vergangenen Jahres.

Die Verlesung der Anklage dauerte etwa eine Stunde. So wurde geschildert, dass sich der Angeklagte auch in mehreren Hotels in Göttingen sowie in Ebergötzen eingemietet habe, dort nicht nur den Mietpreis schuldig geblieben sei, sondern habe auch überall den Flachbildfernseher aus den Zimmern mitgenommen. In Gieboldehausen soll er in ein Hotel eingebrochen sein und dort zwei Fernseher sowie ein Badehandtuch entwendet haben.

Die größte Betrugsserie ging zu Lasten der Deutschen Bahn. Der Angeklagte soll in 145 Fällen in Fernverkehrszügen mithilfe von Kreditkarten Fahrkarten im Offline-Verfahren gekauft haben. Er habe die Fahrten dann jeweils zeitnah abgebrochen und sich im nächstgelegenen Reisezentrum den Restfahrpreis zurückerstatten lassen, obwohl er darauf keinen Anspruch hatte.

Tatsächlich hätten die Kreditkartenkonten nicht die nötige Deckung aufgewiesen, weshalb der Fahrpreis auch nicht abgebucht werden konnte. Insgesamt sei ein Schaden von knapp 20 000 Euro entstanden.

Unterwegs war der 50-Jährige laut Anklage auch mit dem Auto, ohne Fahrerlaubnis. Im Dezember 2018 soll er auf der Flucht vor der Polizei mit bis zu 200 km/h durch Esplingerode und andere Orte im Raum Duderstadt gerast sein. Später sei er auf die A 38 gefahren, wo er ebenfalls andere Verkehrsteilnehmer erheblich gefährdet habe.

Außerdem soll der Angeklagte zwei Frauen um Geld betrogen haben.

Das Verfahren ist nicht nur wegen vielen Tatvorwürfe ungewöhnlich. Der Angeklagte hat vor Beginn der Hauptverhandlung mehr als ein halbes Dutzend Befangenheitsanträge gegen die Richter gestellt. Auch lehnte er den vom Gericht bestellten psychiatrischen Sachverständigen ab – alles ohne Erfolg: Ferner stellte der Angeklagte einen Antrag auf Entpflichtung der beiden Pflichtverteidiger sowie auf Aussetzung des Verfahrens, dem jeweils nicht entsprochen wurde.

Der Prozess wird fortgesetzt. Heidi Niemann

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