Göttinger Weltraummission endete 2016: Rosetta ist nun still

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Rosetta fliegt nicht mehr: Die ESA-Sonde landete am 30. September auf Komet Tschuri.

Göttingen. Ein wichtiges Weltraum-Forschungsprojekt, an dem Göttinger Wissenschaftler maßgeblich beteiligt waren, endete im Jahr 2016.

Göttinger Forscher haben den Blick der Menschheit erweitert: Ihre Kamera an Bord der ESA-Raumsonde Rosetta sendete nie gesehene Fotos vom Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko - kurz und niedlich Tschuri genannt - zur Erde.

Dank der Fotos wissen wir nun, wie ein Komet aussieht, dass er nicht einteilig rund, sondern zusammengesetzt aus zwei Teilen sein kann, porös und leicht, mit Staub bedeckt und mit Kratern und Berggipfeln versehen.

Rosetta wurde zum Ende der zwölfjährigen Mission zum Kamikaze: Die kleinwagengroße Sonde setzte auf dem Kometen auf. Das Ende der einzigartigen Mission am 30. September geriet symbolträchtig. Rosetta fliegt weiter mit jenem eiskalten Kometen durchs All, dem sie ein Aussehen gegeben hat.

Ein Kollege von GEO schrieb, dass Rosetta eine atemberaubende Mission gewesen sei. Das ist nur zum Teil treffend, denn für die Wissenschaftler ergaben sich Pausen während der langen Reise bis zur Annäherung an Tschuri. Rosetta und das Landegerät Philae durften sogar schlafen - im Stand-By-Modus.

Hüpflandung 

Atemberaubend waren für die Wissenschaftler jene Tage, als die Sonde via Weckruf zurückgeholt wurde ins wissenschaftliche Arbeitsleben. Atemberaubend für Millionen von Menschen weltweit waren erst die Tage und Stunden, bevor Philae auf Tschuri landete - Mondlande-Stimmung kam auf. Am 12. November 2014 war es so weit: Der kühlschrankgroße Lander legte im tiefen Staub Tschuris eine Hüpflandung hin.

Bis dahin hatten Fotos für Furore gesorgt. Großen Verdienst daran tragen die Forscher vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) aus Göttingen, vormals Katlenburg-Lindau, und ihr Kamerasystem Osiris.

Nach dem Touch-Down liefen die Experimente nach Plan, die Datenpakete flogen zur Erde. Dann aber waren die Batterien leer. Philae war unter einem Felsvorsprung zum Schattenparker mutiert, keine Chance für die Solarzellen, sich aufzuladen.

Aber die Daten aus den Experimenten vom Kometen und aus dessen Koma, der Schweifwolke, bestätigten Theorien der Forscher: Auf dem Kometen gibt es die Schlüsselmoleküle für irdisches Leben. Im Schweif finden sich Aminosäuren und Stickstoff. Tschuri und seine Kometen-Kollegen sind seit 4,6 Milliarden Jahren Träger der Ur-Masse unseres Planetensystems.

Rosetta ist nun still, sie wird nie wieder Kontakt mit der Erde aufnehmen. Den Forschern der Mission versetzt dieser Gedanke einen Stich. Aber: Viele haben noch lange mit dem Auswerten der Daten zu tun - mindestens zehn Jahre lang. (tko)

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