Kohlenstofffreisetzung durch Tropenwaldrodung

Göttinger Wissenschaftler belegen: Abholzung ist Klima-Killer

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Klimakiller Tropenwaldrodung: Abenddämmerung in einer abgeholzten Landschaft in der Provinz Jambi auf Sumatra, Indonesien. Durch veränderte Landnutzung wird mehr Kohlenstoff freigesetzt als bisher angenommen.

Göttingen. Bei der Abholzung von Tropenwäldern und der Umwandlung des Landes in Plantagen werden Massen von Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Wissenschaftler der Uni Göttingen haben nachgewiesen, dass die Kohlenstoffvorräte im Boden bei einer derart veränderten Landnutzung um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Nach einer Mitteilung der Georg-August-Universität Göttingen fordern die Wissenschaftler deshalb eine Anpassung der Kohlenstoff-Bilanzierungsrichtlinien des Weltklimarates sowie der Landnutzungsrichtlinien in den betroffenen tropischen Ländern. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift PNAS erschienen.

Die Böden der sogenannten feuchten Tropen speichern in einer Tiefe von bis zu drei Metern etwa 30 Prozent des weltweiten Bodenkohlenstoffs. Außerdem ist die Zersetzungsrate von organischem Material dort sehr hoch. Aus diesem Grund sind diese enormen Kohlenstoffspeicher bei einer Änderung der Landnutzung besonders gefährdet.

Die Göttinger Forstwissenschaftler untersuchten 86 Standorte in Indonesien, Kamerun und Peru und verglichen die Vorräte natürlicher Tropenwaldböden mit denen angrenzender Plantagen, die von Kleinbauern bewirtschaftet werden.

"Bislang war man davon ausgegangen, dass solche Plantagen zu keinem Verlust der Bodenkohlenstoffvorräte führen", erklärten die Forscher. "Unsere Studie hat jedoch gezeigt, dass die Abholzung und Umwandlung zu einem Verlust der natürlichen Bodenkohlenstoffvorräte von bis zu 50 Prozent führt." Kohlenstoff wird unter anderem dadurch freigesetzt, dass während der Rodung Biomasse verbrannt und beim Anlegen der Plantagen organisches Material zersetzt und ausgewaschen wird. Außerdem ist der Zuwachs an organischem Kohlenstoff in Form von Biomasse in Plantagenböden niedriger als in den Waldböden.

Die ausschlaggebende Variable, auf deren Grundlage sich der Kohlenstoffverlust am besten voraussagen lässt, ist die ursprünglich im Waldboden vorhandene Kohlenstoffmenge. "Je höher der anfängliche Bodenkohlenstoffvorrat", so die Wissenschaftler, "desto höher sind die späteren Verluste."

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