Ertrag soll gesteigert werden

Göttinger Wissenschaftler forscht nach winzigen Helfern für mehr Kakao

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Kakaoblüte: In Indonesien untersuchen die Forscher mit Experimenten, wie sich die Kakaobestäubung optimieren lässt. Das Foto zeigt eine Kakaoblüte

Göttingen. Die Deutschen lieben den zarten Schmelz auf der Zunge: Rund 10 Kilogramm Schokolade verputzt ein jeder im Schnitt pro Jahr. Ein Göttinger Wissenschaftler will den Ertrag steigern.

Der Kakao dazu stammt vor allem aus Westafrika, Mittelamerika sowie Indonesien und wird zum größten Teil von Kleinbauern produziert. Ob und wie diese den Ertrag durch eine Optimierung der Bestäubung steigern könnten, beschäftigte den Göttinger Agrarökologen Manuel Toledo-Hernández im Rahmen seiner Doktorarbeit.

Aus den vergangenen 70 Jahren hat Toledo-Hernández Studien zur Bestäubung von Kakaopflanzen ausgewertet. Hintergrund: Nur fünf bis zehn Prozent der Kakaoblüten werden auf natürliche Weise bestäubt.

„Es ist derzeit noch unklar, welche Gruppen oder Arten von winzigen Insekten, wie Mücken, Wespen oder Fliegen, die wichtigste Rolle bei der Bestäubung der Kakaopflanze spielen“, sagt Toledo-Hernández. „Außerdem ist nicht klar, wie Ameisen die Bestäubungsleistung fördern können oder wie durch Schatten- und Streumanagement der Ertrag zu fördern ist.“

Die natürliche Bestäubungsleistung könnte möglicherweise auch verbessert werden, indem Waldstreifen in der Nähe erhalten bleiben und Agroforstsysteme im Sinne einer Förderung der Biodiversität gepflegt werden.

Bestäubung in Handarbeit

Frühere Studien von Göttinger Agrarökologen haben zudem gezeigt, dass durch Handbestäubung der Ertrag verdoppelt werden konnte. „Eine solche aufwendige Maßnahme ist zukünftig auch in Betracht zu ziehen“, so Toledo-Hernández. Den genannten Forschungslücken widmet sich der Agrarökologe derzeit mit experimenteller Feldforschung in Indonesien: „Einen Beitrag zur Optimierung der Kakaobestäubung und damit zur Ertragssteigerung bei den Kleinbauern Indonesiens und auch weltweit zu leisten, ist eine große und reizvolle Herausforderung.“

Dr. Thomas Wanger und Prof. Dr. Teja Tscharntke, beide aus der Abteilung Agrarökologie und Betreuer der Arbeit, ergänzen: „Kakao-Bestäubung ist ein Schlüsseleffekt für die Ertragssteigerung und es ist erstaunlich, wie wenig Augenmerk in der Vergangenheit darauf gelegt wurde. Ein umweltfreundliches Management der Kakaoplantagen sollte sowohl biodiversitäts-freundlich wie agronomisch bedeutsam sein.“

Seine Erkenntnisse sowie offene Forschungsfragen hat Toledo-Hernández in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment veröffentlicht.

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