Alternative zu herkömmlichen Eiweißquellen

Wissenschaftler machen Currywurst und Burger aus Algen

+
Markt in Thailand: Fritierte Insekten sind in Thailand beliebte Snacks. Göttinger Wissenschaftler untersuchen alternative Eiweißquellen auf Insektenbasis allerdings im Bereich der Tierernährung und wollen wissen, ob sich damit der Anteil von importiertem Soja im Futter reduzieren lässt. 

Göttingen. Exotisch oder ekelig? Beim Anblick fritierter Heuschrecken läuft den meisten Europäern nicht gerade das Wasser im Mund zusammen. 

Weniger ans Dschungelcamp denken lässt da schon eher Currywurst aus Braunalgen oder ein Burger, den eine niederländische Algen-Farm aus dem Meeresgemüse zubereitet.

Als in Afrika oder Asien durchaus übliche Nahrungsmittel haben Insekten und Algen eines gemeinsam: Sie sind als Eiweißquelle ein möglicher Ersatz für Fleisch und Soja und eben darum interessieren sie Wissenschaftler der Universität Göttingen.

Die Entwicklung alternativer Proteinquellen für die Lebensmittelproduktion oder als Tierfutter steht im Mittelpunkt eines fächerübergreifenden Promotionsprogramms, das in den nächsten drei Jahren vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium mit 1,9 Millionen Euro gefördert wird.

„Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt eine Ernährung ohne Fleisch und tierische Produkte ab“, erläutert Prof. Dr. Ludwig Theuvsen vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Uni Göttingen.

Nachhaltige Landwirtschaft

Currywurst aus Meeresalgen: Nicht wiederzuerkennen sind die Braunalgen in der Currywurst eines Herstellers aus Norddeutschland, der seine Produkte nicht nur online, sonder auch bereits in Supermärkten vertreibt.

„Deshalb wollen und müssen wir klären, ob und wie ein anderer nachhaltigerer Konsum von Lebensmitteln möglich ist“, so Theuvsen. „Ziel des Promotionsprogramms ist, abzuschätzen, welches Potenzial die Erschließungalternativer Eiweißquellen für eine entscheidende Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und Ernährung bietet.“

Zehn Promovierende werden in den kommenden drei Jahren verschiedene Aspekte behandeln. Im Bereich der Lebensmittel untersuchen sie beispielsweise, inwiefern alternative Eiweißquellen auf Algenbasis direkt in der menschlichen Ernährung eingesetzt werden können.

Blick auf Konsumenten

Im Bereich der Tierernährung könnten alternative Eiweißquellen auf Algen- oder Insektenbasis den - meist gentechnisch veränderten - Anteil von importiertem Soja im Tierfutter erheblich reduzieren. Ein weiterer Augenmerk der Wissenschaftler gilt der Frage, inwieweit Konsumenten und die Hersteller von Lebensmitteln alternative Proteinquellen akzeptieren.

Langfristiges Ziel der Forschungsarbeit sind Produkte, die von allen Beteiligten der Wertschöpfungskette als eine Alternative zu herkömmlichen Eiweißquellen betrachtet werden. (zsh/nh)

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.