Für sein Lebenswerk geehrt: Max Goldt erhielt Satirepreis Göttinger Elch

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Wurde mit dem Göttinger Elch ausgezeichnet: Max Goldt (rechts) erhielt die Auszeichnung von Bürgermeister Rolf Georg Köhler (links).

Göttingen. Vor vollem Haus mit vielen Alt-Elchen ist der Schriftsteller Max Goldt im Deutschen Theater zum neuen Göttinger Elch ernannt worden.

In Form eine Brosche, einer Urkunde und einem Sack Geld nahm er die Auszeichnung von Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) entgegen. Ein Jahr nach dem mörderischen Anschlag auf Charlie Hebdo gelte es „angesichts dumpfbackener Pegida-Horden und nicht zu fassender AFD-Wahlerfolge“ das Erbe der Aufklärung mit der Preisverleihung zu beschwören, stellte Moderator Lars Wätzold gleich zu Anfang heraus. 

Als „Gigant der Wahrnehmung und der adäquaten Umsetzung von zeitgenössischer Realität“, wird Goldt in der Urkunde beschrieben. „Sein literarisches Werk scheint von einem Betrachter aus einer Parallel-Welt geschaffen zu sein, einer Welt, die aufgeklärter, klüger und zukunftsträchtiger kaum sein könnte.“ Seinen „genauen Blick“ gut gemischt mit einem „gerüttelten Maß an Zuneigung“ zeigte Goldt anschließend in seiner Lesung, bei der er immer wieder für begeisterte Lacher im Publikum sorgte. Viele Parallelitäten zwischen Goldt und sich selbst beschrieb Göttingens Oberbürgermeister und fast schien es, als wolle er in dessen Fußstapfen treten. Sie beide würden immer als Göttinger beschrieben, dabei stamme Goldt aus Weende, er selbst sei Groner. Beide hätten in Berlin die weite Welt gesucht. Dort lebt Goldt als freier Schriftsteller bis heute. 1981 gründete Goldt mit Gerd Pasemann das Neue-Deutsche-Welle-Duo „Foyer des Arts“. Einen Namen machte er sich vor allem mit seinen Kolumnen für die Berliner Zeitung und der langjährigen Mitarbeit im Satiremagazin „Titanic“. Arbeiten mit dem Zeichner Stefan Katz wurden nicht nur dort, sondern unter anderem auch im Zeitmagazin veröffentlicht. Der Göttinger Elch ist nicht die erste Auszeichnung für Goldt. Er erhielt auch den „Kasseler Literaturpreis für Grotesken Humor“ (1997) und den „Kleist-Preis“ (2008). 

Max Goldt erhielt Satirepreis Göttinger Elch

Der Frankfurter Journalist Hans Zippert aus der Jury steuerte einen launigen Ausblick zur Übernahme der Welt durch 100-Jährige bei. In seiner Laudatio stellte der Göttinger Literaturwissenschaftler und Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Georgia Augusta, Professor Dr. Dr. Heinrich Detering, Goldt in eine Reihe mit Größen der Komik wie Joachim Ringelnatz, Erich Kästner und Heinz Erhard. Suppencartoons brachte Vorjahres-Elch Rudi Hurzlmeier Goldt als Ersatz für die Elchsuppe mit. Auf die musste der neue Elch verzichten. Erstmals gab es wegen der Insolvenz des Suppenherstellers keine Suppe.

Der Preis

Der Göttinger Elch wird seit 1997 für „ein Lebenswerk satirischer Provenienz und/oder eine satirische Mehrfachbegabung“ vergeben. Er wurde 1997 von dem Göttinger Journalisten, Ausstellungsmacher und Kunsthistoriker Wolf Peter Fahrenberg initiiert, als das Wort Elchtest in aller Munde war. Die Auszeichnung soll an den „Satire-Urvater“ Georg Christoph Lichtenberg erinnern. Der Name des Preises hat seinen Ursprung in F. W. Bernsteins geflügeltem Wort „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“. Die Preisträger werden von einer Jury mit WP Fahrenberg an der Spitze ermittelt und im Deutschen Theater zu Göttingen mit dem Preis ausgezeichnet. Begleitende Ausstellungen finden im Alten Rathaus zu Göttingen statt. Der Satirepreis ist mit 3.333,33 Euro und einer massiv silbernen Elch-Brosche dotiert. Die Preisträger erhalten zudem die Mitgliedschaft in der Lichtenberg-Gesellschaft. Seit 2012 werden alle ELCH-Preisträger von der Hamburger Künstlerin Marion Vina porträtiert.

Die Alt-Elche

Seit 1997 sind Cartoonist Chlodwig Poth, Zeichner und Schriftsteller Robert Gernhardt, Kabarettist Gerhard Polt, Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt, Karikaturistin Marie Marcks, Zeichner und Dichter F.W. Bernstein, Kabarettist Emil Steinberger, Komiker Otto Walkes, Zeichner Hans Traxler, Zeichner und Musiker Ernst Kahl, Volksmusiker und Kabarettisten Biermösl Blosn, Musiker und Filmemacher Helge Schneider, Komödiant Olli Dittrich, Kabarettist Josef Hader, Karikaturistin Franziska Becker, Maler Michael Sowa, Kabarettist Georg Schramm und Zeichner Rudi Hurzlmeier mit dem Elchpreis ausgezeichnet worden. 

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