Produktion aus der Region

Gospical „Es war ein Mahl”: Zugabe zur Bibelgeschichte

Große Versöhnung im Gospical „Es war ein Mahl“: Das Brüderpaar heute und früher mit Rachel (hinten, Mitte) und ihrem Vater (rechts).
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Große Versöhnung im Gospical „Es war ein Mahl“: Das Brüderpaar heute und früher mit Rachel (hinten, Mitte) und ihrem Vater (rechts).

Mit dem Gospical „Es war ein Mahl” hat ein Team aus Sängern und Musikern – Frauen und Männern aus der Region – sehenswertes Musiktheater gestaltet. Die vielbeklatschte Doppelpremiere wurde am Wochenende in der Göttinger Kreuzkirche gefeiert.

Göttingen – Ethan ist der Ältere der Brüder. Doch das Urteil von Mutter und Belegschaft ist klar: Der jüngere Jack wird der bessere Chef sein. Geschickt fädeln die Mutter und Jack es so ein, dass der blinde Vater Jack den Laden überschreibt.

Doch das lässt Ethan sich nicht gefallen. Er verjagt Jack mit Vaters Pistole. Die biblische Geschichte von Jakob und Esau: Hans Dinant und Guntram Pauli erzählen sie anders. Mit den jungen Brüdern Jack und Ethan (Leon Tandecki, Setrak Pogosjan) lassen sie die Story wie ein Spiel beginnen.

Für ihre Version hat das Team um Guntram Pauli (musikalische Leitung, Liedertexte), Hans Dinant (Liedertexte), Wolfgang Gütinger (Arrangements, Einstudierung) und Antonina Nagle (Regie, Projektleitung) eine starke Mannschaft versammelt. Zwar bleibt Dinant als Erzähler zunächst etwas farblos und ist anfangs auch nicht immer klar zu verstehen. Als blinder Vater dagegen kann er punkten.

Der Brüderzwist zwischen Jack (Gregor Wunderlich) und Ethan (Baris Ozbuk) zieht die Zuschauer in ihren Bann. Aus dem Chor kommen die, die die Brüder begleiten, so auch Lars und Lene (Stephan und Lene Hillebrand), die mit der Mutter (Saskia Soete) eine Online-Konferenz zur Rettung des Geschäfts abhalten. Die weißen Schals der Sänger in Schwarz werden zum Zelt, schaffen die Stimmung einer Mondnacht.

Beim verjagten Jack lässt die Maske Wünsche offen. Zu „sauber“ sind die Dreckflecken, die seine Wangen auf der Flucht vor dem wütenden Bruder zieren. Stimmlich ist Wunderlich ebenso wie seine etwas zu jung geratene Mutter auf der Höhe.

Gesangliche Qualität teilt der junge Sänger mit Antonina Nagle – zusätzlich zur Regie hat diese die Rolle von Jacks Freundin Rachel übernommen. Ins Trio tritt erfolgreich Mario Becker, er spielt den Schwiegervater Larry, der Jack anfangs eifersüchtig mustert.

Musikalischer Rückhalt: Engagiert kommentiert der Chor die Handlung auf der Bühne.

Insgesamt ist die Geschichte nach biblischem Vorbild inhaltlich sehr melodramatisch. Musikalisch haben die Macher einen guten Draht von Gospelmusik zu anderen Stilrichtungen gezogen. Über zu viel Kitsch lässt das hinwegsehen.

Auf jeden Fall hat das bunte Team in der Regie von Antonina Nagle und Tatjana Navrotskaya (Dramaturgie, Co-Regie) 90 unterhaltsame Minuten zum Schluss sogar zum Mitklatschen geboten. Eine Zugabe ist beim Publikum willkommen.

Weitere Aufführungen gibt es am Freitag, 3. September, um 20 Uhr in der Kreuzkirche in Göttingen sowie am Sonntag, 5. September, um 17 Uhr in der Neustädter Kirche in Einbeck. Wer mag, kann nach der Aufführung eine CD mit den Songs aus dem Gospical bekommen. Denn das Team hat die pandemie-bestimmte Zeit bis zur ersehnten Premiere genutzt, um die Lieder aufzunehmen. (Ute Lawrenz)

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