Ein Jahr und zehn Monate

Griff in Sterbekasse: Bewährungsstrafe für früheren Feuerwehr-Manager

Göttingen/Osterode. Das Landgericht Göttingen hat den Ex-Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode, der jahrelang Geld aus der Sterbekasse abgezweigt hatte, zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Nach Ansicht der Kammer hat sich der 65-jährige Rentner der Untreue in 34 Fällen schuldig gemacht. Der Angeklagte habe zwischen 2011 und 2014 durchschnittlich jedes Jahr 20.000 Euro aus der Sterbekasse für eigene Zwecke verwendet, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Die einzelnen abgezweigten Beträge beliefen sich zwischen 250 und 25.000 Euro.

Viele Feuerwehrleute dabei

Wie schon am ersten Prozesstag waren auch zur Urteilsverkündung wieder zahlreiche Feuerwehrangehörige ins Landgericht gekommen. Die Richter blieben mit ihrem Urteil knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren zur Bewährung gefordert hatte.

Die Verteidigung hatte dagegen auf eine 20-monatige Bewährungsstrafe plädiert. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und monatlich 50 Euro an die Sterbekasse zahlen. Nach Ansicht der Kammer hat der Angeklagte gewerbsmäßig gehandelt. Er habe seine Feuerwehrkameraden hinter‘s Licht geführt und damit einer Institution geschadet, auf die die Gesellschaft in hohem Maße angewiesen sei.

Strafmilderung

Der 65-Jährige, der seit den 1990er-Jahren mit der Kassenführung des Kreisfeuerwehrverbandes betraut gewesen war, hatte die Taten gestanden. Dies habe sich erheblich strafmildernd ausgewirkt, sagte der Vorsitzende Richter. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass sowohl die Feuerwehren als auch die staatlichen Aufsichtsbehörden eine gewisse Mitverantwortung trügen. Bei „halbwegs verlässlicher Kontrolle“ hätte auffallen müssen, dass jedes Jahr mehrere tausend Euro in der Kasse fehlten. Tatsächlich hätten jedoch weder die vereinsinterne noch die staatliche Aufsicht funktioniert. Damit seien dem Angeklagten die Taten sehr einfach gemacht worden. Weder bei den Kassenprüfungen der Feuerwehr noch bei den behördlichen Überprüfungen durch den Landkreis Osterode hatte es jemals Beanstandungen gegeben.

Aufgedeckt hatte die Unregelmäßigkeiten das Finanzamt: Dort war aufgefallen, dass der Geschäftsführer Geld von dem Konto des Kreisfeuerwehrverbandes für die Begleichung privater Steuerschulden verwendet hatte. Der Angeklagte hatte angegeben, dass er das veruntreute Geld vor allem zur Begleichung von Steuerschulden und für Kreditzahlungen benötigt habe. Viele Taten sind bereits verjährt. Insgesamt sollen auf den Feuerwehrkonten 275.000 Euro fehlen. (pid)

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Rubriklistenbild: © dpa

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