Gelernt wird auf dem Acker

Team in Grone will Solidarische Landwirtschaft und Bildungsarbeit verbinden

Vier Menschen stehen auf einem Acker: (von links) Franziska Näther, Simon Walch, Wibke Hansen und Niklas Richelshagen.
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Holen die landwirtschaftliche Produktion nach Grone in die Nachbarschaft: (von links) Franziska Näther, Simon Walch, Wibke Hansen und Niklas Richelshagen vom Team Stadtsolawi Göttingen.

Gemüse in Bioland-Qualität – nicht weit draußen, sondern mitten in der Stadt. Das will die Stadtsolawi Göttingen bald in die Tat umsetzen.

Göttingen – Die Protagonisten des Projekts sind die Gärtner Niklas Richelshagen und Simon Walch. Als zweite Säule neben dem Verkauf des Gemüses soll die Bildungsarbeit mit Groner Kindern stehen. Die ersten Kisten mit Obst und Gemüse gibt es im April 2022.

Einen halben Hektar bestes Ackerland (80 Bodenpunkte) hat das fünfköpfige Solawi-Team um Richelshagen und Walch am Siekweg von der Stadt gepachtet. Sie wollen es nach dem Market-Gardening-Konzept von Curtis Stone und Jean Martin Fortier bewirtschaften – intensiv, aber fast ohne Maschineneinsatz. Die Beete sind jeweils nur 80 Zentimeter breit. Gearbeitet wird von den 40 Zentimeter breiten, begrünten Wegen dazwischen.

Solawi: Das Team will Kenntnisse über Pflanzen weitergeben

Umgesetzt wird das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft. 50 bis 100 Haushalte verpflichten sich, ein Jahr lang einen festen Monatsbeitrag zu zahlen. Die Ernte teilen sie sich. Mitgliedshaushalte, aber auch andere Interessierte dürfen mitarbeiten. Das Solawi-Team möchte seine Kenntnisse über Pflanzen, den Anbau, aber auch über die Verarbeitung teilen.

Kontakt zu Groner Kindertagesstätten und Schulen sucht derzeit Wibke Hansen, die das Waldorfkinderhaus Michael in Göttingen-Weende leitet. Kinder- und Jugendgruppen sollen eigene Beete erhalten, die sie bei wöchentlichen Treffen pflegen. Walch will mit den jungen Menschen mikroskopieren, ihnen die vielen winzigen Bodenbewohner und ihre Bedeutung im Naturkreislauf nahebringen – etwa die Amöben und Springschwänze, die Fadenwürmer und Geißeltierchen. Für das gesellige Miteinander sind eine Jurte und eine Feuerstelle geplant.

Fläche am Siekweg soll mit Kunst („Land Art“) aufgehübscht werden

Künstlerische Akzent setzt Diplom-Biologin Franziska Näther, die seit 2019 die Musikschule Klangbunt an der Göttinger Nikolaistraße 1 leitet. Mit Kindern will sie die Fläche am Siekweg schön gestalten. Land Art nennt sich dieser Ansatz. Gemeinsam soll gesungen werden. Fördergelder für die Bildungsarbeit, die ein noch zu gründender Verein übernimmt, wirbt Ethnologin Anika Machura ein.

Die Idee zu einer solchen Stadtsolawi hatte Richelshagen, der bereits in Witzenhausen und in Sudheim Obst und Gemüse anbaut und es auf Märkten vermarktet. Kunden die Produktion transparent machen, möchte er. Mit seinem Konzept bewarb er sich beim Wettbewerb Klimaplan Göttingen 2030 und schaffte es unter die ersten zehn.

Richelshagen gewann Walch für das Projekt. Der Gärtner arbeitet bisher über einen Betrieb, der für den Biogroßhandel produziert. „Gemüse, das nicht der vorgegebenen Normgröße entspricht, können wir nicht verkaufen“, berichtet Walch. Diese Nahrungsmittelverschwendung stört ihn. Seine Hoffnung: Wenn Kunden ihr Gemüse selbst wachsen sehen, essen sie es auch, wenn es etwas anders aussieht. (Michael Caspar)

Die Stadtsolawi Göttingen stellt sich am Mittwoch, 17. November, um 19 Uhr im Bürgerhaus Grone, Martin-Luther-Straße 10, vor.

Weitere Informationen: www.stadtsolawi.de

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