Bluttat in Grone

Lebenslang für Doppelmord in Göttingen: Verteidigung legt Revision gegen das Urteil ein

Prozess um den gewaltsamen Tod von zwei Frauen in Göttingen: Der 53-jährige Frank N., der wegen Doppelmordes angeklagt ist, wird von Rechtsanwalt Holger Nitz verteidigt.
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Prozess um den gewaltsamen Tod von zwei Frauen in Göttingen: Der 53-jährige Frank N., der wegen Doppelmordes angeklagt ist, wurde von Rechtsanwalt Holger Nitz verteidigt.

Wegen Doppelmords in Göttingen verurteilte das Landgericht einen 53-jährigen Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Verteidigung legte jetzt Revision gegen das Urteil ein.

  • Der Prozess um den Doppelmord im Göttinger Stadtteil Grone ist abgeschlossen.
  • Angeklagt war ein 53-Jähriger. Frank N. wurde für den gewaltsamen Tod von zwei Frauen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Opfer ist seine Ex-Freundin.
  • Das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Sicherungsverwahrung ordnete das Gericht nicht an.
  • Die Verteidigung legte unterdessen Revision gegen das Urteil ein.

Update vom Donnerstag, 20.08.2020, 17.05 Uhr: Der Doppelmord im Göttinger Stadtteil Grone wird voraussichtlich auch noch den Bundesgerichtshof beschäftigen. Die Verteidigung habe gegen das am Freitag verkündete Urteil des Landgerichts Göttingen Revision eingelegt, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Schwurgerichtskammer hatte den 53-jährigen Frank N. wegen Mordes in zwei Fällen sowie zweifacher gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Außerdem stellten die Richter die besondere Schwere der Schuld fest.

Landgericht Göttingen: Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert

Die Verteidigung hatte dafür plädiert, die Tötungsdelikte nicht als Mord, sondern als Totschlag in besonders schwerem Fall beziehungsweise Totschlag zu werten. Das Gericht sah dies anders. Bei der Tötung der 44-Jährigen sei das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe erfüllt, urteilte die Kammer. Der Angeklagte habe seine Ex-Partnerin nicht nur töten, sondern sie leiden sehen wollen. Im Fall der getöteten Kollegin lag nach Ansicht der Richter das Mordmerkmal der „Ermöglichungsabsicht“ vor. Der Angeklagte habe auf die 57-Jährige eingestochen, um seine Ex-Freundin töten zu können.

Landgericht Göttingen: Besondere Schwere der Schuld

Nach Ansicht der Kammer lag zudem eine besondere Schwere der Schuld vor, weil N. öffentlich und mit einer unglaublichen Brutalität zwei Menschen getötet habe. Damit kann er nach 15 Jahren nicht auf Bewährung frei kommen. Nach Ablauf von dieser Zeit wird entschieden, wie lange der heute 53-Jährige noch in Haft bleiben muss.

Landgericht Göttingen: Enorme Brutalität

Update vom Freitag, 14.08.2020, 16.55 Uhr: Aus Sicht des Schwurgerichts sticht die enorme Brutalität bei diesem Verbrechen heraus. „Das ist schlimmer als das, was die Kammer sonst zu verhandeln hat“, betonte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte hat nach Überzeugung des Gerichts seine Ex-Freundin mit 25 Messerstichen umgebracht.

Landgericht Göttingen: Zweimal angezündet

Außerdem habe er sie zweimal angezündet. Weiterhin stach er laut Gericht dreimal auf eine 57-Jährige ein, die später im Krankenhaus starb. Sie wollte der 44-Jährigen helfen.

Landgericht Göttingen: Mordmerkmal erfüllt

„Das Gericht sah beim gewaltsamen Tod der 44-Jährigen das Mordmerkmal der niederen Bewegunggründe als erfüllt an. „Das war keine Spontantat“, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz in der Urteilsbegründung. „Es war relativ gut vorbereitet.“ Mit Blick auf den Mord an der 44-Jährigen, der Ex-Freundin des Verurteilten, sagte Jakubetz: „Sie wollten sie leiden lassen.“ Während der Tat habe Frank N. seine vermeintlichen Besitzansprüche formuliert: „Mich betrügt man nicht.“

Landgericht Göttingen: Zweiter Mord

Auch den gewaltsamen Tod der 57-Jährigen wertete die Kammer als Mord, weil die Messerstiche dazu dienten, das andere Tötungsdelikt zu ermöglichen.

Landgericht Göttingen: Kammer spricht von „unglaublicher Brutalität“

Die besondere Schwere der Schuld ist laut Gericht gegeben, weil Frank N. mit einer „unglaublichen Brutalität“ vorgegangen sei. So habe der Rechtsmediziner in seinem Gutachten von einem Maß der Gewalt gesprochen, die er in seinem Berufsleben noch nicht erlebt habe. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, so kann die Freiheitsstrafe von N. nicht bereits nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Stattdessen wird nach Ablauf der 15 Jahre entschieden, wie lange der heute 53-Jährige noch in Haft bleiben muss.

Landgericht Göttingen: Keine Sicherungsverwahrung

Sicherungsverwahrung verhängte die Kammer nicht, weil bei dem Angeklagten „keine Hang“ zu Rechtsbrüchen festzustellen sei, hieß es.

Landgericht Göttingen: Aufarbeitung dauert lange

Mit dem Urteil vom Freitag ist der Doppelmord in der Uni-Stadt zwar juristisch abgeschlossen, aber Tobias Jakubetz, Vorsitzender Richter der Schwurgerichtskammer am Göttinger Landgericht, ist davon überzeugt, das die Aufarbeitung noch lange Zeit in Anspruch nehmen wird.

Landgericht Göttingen: Verletzte Zeugen

So gravierend sind aus seiner Sicht die Folgen der Gewalttat für die Angehörigen der beiden Opfer, zwei verletzte Zeugen sowie die vielen Augenzeugen, die den „Gewaltexzess“ mit ansehen mussten. Die Stadt Göttingen habe nach der Tat für anderthalb Tage „den Atem angehalten“ – aus Furcht, Angst und Trauer.

Landgericht Göttingen: N. war voll schuldfähig

Die Kammer ging bei ihrem Urteil davon aus, dass Frank N. voll schulfähig war und in Tötungsabsicht gehandelt habe. Gleichzeitig kritisierte Jakubetz die Einlassung des Angeklagten. Es falle auf, dass er sich an den Vorlauf aber nicht mehr an die eigentliche Tat erinnern könne. Aus Sicht von Jakubetz habe der Angeklagte eine „nicht bestreitende Einlassung“, aber kein Geständnis gemacht. „Vieles bleibt im Unklaren.“ Deshalb stützte sich das Gericht bei seiner Beweisführung auf die Zeugenaussagen – und unter anderem auf ein Video, das den Tatablauf zeigt, wenn auch in schlechter Bildqualität. Es wurde den Beteiligten im Prozess vorgeführt.

Landgericht Göttingen: Doppelmord in aller Öffentlichkeit

Der Doppelmord geschah in aller Öffentlichkeit am Donnerstag, 26. September vergangenen Jahres – mitten im Stadtteil Grone. Das Opfer wurde vom Angeklagten gleich mehrfach attackiert. Die 44-Jährige erlitt mehrere bis zu 15 Zentimeter tiefe Verletzungen mit einem Messer. Das Herz wurde gleich viermal durchstochen. Außerdem zündete er seine Ex-Freundin zweimal mit Benzin an. Das zweite Opfer (57), das der 44-Jährigen zu Hilfe eilte, erlitt drei Stichverletzungen im Bauch, eine davon war tödlich.

Landgericht Göttingen: Anderthalb Tage Flucht

Der Angeklagte flüchtete mit dem Fahrrad. Er wurde erst anderthalb Tage später von Zeugen erkannt und schließlich von zwei Beamten im Bereich der Weender Straße auf der sogenannten „Döner-Meile“ in Göttingen festgenommen. Zuvor war er mit dem Zug Richtung Hannover gefahren und aus einem Metronom geflüchtet. Dort war er von Zugbegleitern erkannt worden. Außerdem meldete er sich telefonisch bei der Polizei und wollte wissen, wie es dem Opfer geht.

Landgericht Göttingen: „Das war kontrollierte Wut“

Direkt zu Frank N. und mit Blick auf dessen Verbrechen sagte Jakubetz: „Sie haben ein Programm abgearbeitet. Das war kontrollierte Wut.“ Deshalb sei der Doppelmord auch keine Affekttat.

Landgericht Göttingen: Abschließende Bemerkung

Zum Urteil sagte der Vorsitzende Richter abschließend: „Es kann nur eine lebenslange Freiheitsstrafe sein. Alles andere würde keiner verstehen.“

Landgericht Göttingen: Lebenslange Haft gefordert

Update vom Mittwoch, 12.08.2020, 15.59 Uhr:  Im Mordprozess um die tödliche Attacke auf zwei Frauen in Göttingen hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert Der 53-Jährige, der wegen Mordes an zwei Frauen vor Gericht steht, sei in Sicherungsverwahrung unterzubringen und eine besondere Schwere der Schuld festzustellen, sagte der Staatsanwalt am Mittwoch (12.08.2020). Der Mann habe es nicht ertragen können, dass seine Ex-Freundin sich von ihm getrennt habe. „Er hat sie getötet aus Wut“, sagte der Staatsanwaltschaft.

Landgericht Göttingen: Verbrechen auf offener Straße

Erstmeldung: Der Angeklagte soll die 44-Jährige vergangenen September in Göttingen auf offener Straße mit Benzin übergossen, angezündet und erstochen haben. Eine zu Hilfe eilende Arbeitskollegin der Frau erstach er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit der Absicht, die Tötung seiner Ex-Freundin zu vollenden.

Landgericht Göttingen: Beide Taten sind laut Staatsanwalt als Mord zu werten

Beide Taten seien als Mord zu werten, so der Staatsanwalt. Zwei Helfer habe der Angeklagte zudem verletzt. Hier liege gefährliche Körperverletzung vor.

Landgericht Göttingen: Verteidigung plädiert auf Totschlag

Die Verteidigung sah die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen Mordes nicht als erfüllt an. Sie plädierte auf Totschlag in besonders schwerem Fall und auf Totschlag – was den Anwälten zufolge ebenfalls eine lebenslange Haft bedeuten könnte. (Az.: 6 Ks 1/20).

Landgericht Göttingen: Opfer wollte fliehen

Am 26. September habe der gelernte Tischler dann seine Ex-Freundin vor deren Arbeitsplatz abgepasst, sie mit Benzin besprüht und angezündet. Die 44-Jährige habe versucht zu fliehen, doch der Angeklagte sei ihr nach, so der Staatsanwalt. Zeugen versuchten demnach, die brennende Frau zu löschen. Der Angeklagte zündete sie wieder an und stach mit einem Messer auf sie ein.

Landgericht Göttingen: 57-Jährige starb im Krankenhaus

Dabei soll er gerufen haben: „Ich habe dich gewarnt, mich verlässt man nicht.“ Eine zu Hilfe eilende 57 Jahre alte deutsche Arbeitskollegin habe der Angeklagte mit drei Stichen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus starb.

Landgericht Göttingen: Gutachter sprach von „Overkill“

Zwei weitere Helfer seien schwer verletzt worden. Die Ex-Freundin des Mannes starb noch auf der Straße. Allein ihr Herz sei vier Mal durchstochen worden. Der medizinische Gutachter habe im Prozess von einem „Overkill“ gesprochen. Derart viele Verletzungen seien ihm in seinem Berufsleben noch nicht untergekommen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte die Tat „geplant und gut vorbereitet. Er hat sie getötet aus Wut.“

Landgericht Göttingen: Prozessbeginn war im März

Seit März muss sich der 53-jährige Frank N. vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Ihm wird der Mord an zwei Frauen vorgeworfen. Ende der Woche soll das Urteil fallen. Bevor zum Ende dieser Woche das Urteil im Doppelmord-Verfahren von Grone fallen soll, stehen am Mittwoch die Plädoyers von Staatsanwalt, Nebenklage und Verteidigung auf dem Prozessplan. Hier Fragen und Antworten zu dem Verfahren.

Landgericht Göttingen: Beziehung war „von Eifersucht und Besitzdenken“ geprägt

Schon die Beziehung sei „von Eifersucht und Besitzdenken geprägt“ gewesen, führte der Anwalt der Familie der Ex-Freundin aus. Bis heute seien die Folgen der Tat für die Familie groß: „Das sind leere Gesichter.“

Landgericht Göttingen: Unbeschreibliche Angst

Die zehnjährige Tochter des Opfers gehe nicht mehr zur Schule, habe aufgehört zu reiten, sei in Therapie und leide unter unbeschreiblicher Angst. Sie habe ihren Vater gebeten, nicht zum Prozess zu gehen – aus Angst, dass der Angeklagte auch ihn umbringe. Der Vater erschien nicht vor Gericht.

Landgericht Göttingen: Urteil wird für Freitag erwartet

Der Angeklagte hatte die Taten nach anfänglichem Schweigen gestanden. Erinnern könne er sich aber nicht mehr und sprach von einem „Filmriss“. Während der gesamten Sitzung saß der 53-Jährige unbeteiligt und nahezu regungslos da. Das Urteil wird für diesen Freitag erwartet.

Landgericht Göttingen: Wie hat sich der Vorfall abgespielt?

Das Tötungsdelikt geschah in aller Öffentlichkeit am Donnerstag, 26. September vergangenen Jahres. Zur Mittagszeit soll N. seine 44-jährige Ex-Partnerin umgebracht haben. Eine 57-jährige Kollegin, die ihr zur Hilfe eilen wollte, wurde dabei so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb. Mehrere andere Helfer wurden zum Teil schwer verletzt.

Landgericht Göttingen: Was ist konkret passiert?

Das Opfer wurde vom Angeklagten gleich mehrfach attackiert. Die 44-Jährige erlitt mehrere bis zu 15 Zentimeter tiefe Verletzungen mit einem Messer. Das Herz wurde gleich viermal durchstochen. Außerdem zündete er sein Opfer an. Das zweite Opfer, das der 44-Jährigen zu Hilfe eilte, erlitt drei Stichverletzungen im Bauch, eine davon war tödlich.

Landgericht Göttingen: Bekamen viele Zeugen von der Tat etwas mit?

Ja, die Situation war für die eingesetzten Beamten anfangs sehr unübersichtlich. Schaulustige behinderten die Arbeit der Polizisten. Ein 15-Jähriger war so aufdringlich, dass er trotz Aufforderung nicht mit dem Filmen aufhörte. Schließlich beleidigte er die Beamten und erhielt dafür jüngst eine gerichtliche Verwarnung.

Landgericht Göttingen: Was passierte nach dem Verbrechen?

Der Angeklagte flüchtete mit dem Fahrrad. Er wurde erst anderthalb Tage später von Zeugen erkannt und schließlich von zwei Beamten im Bereich der Weender Straße auf der sogenannten „Döner-Meile“ in Göttingen festgenommen. Zuvor war er mit dem Zug Richtung Hannover gefahren und aus einem Metronom geflüchtet, als er dort von Zugbegleitern erkannt worden war. Außerdem meldete er sich telefonisch bei der Polizei und wollte wissen, wie es dem Opfer geht.

Landgericht Göttingen: Was ging der Groner Bluttat voraus?

Das 44-jährige Opfer hatte sich von dem mutmaßlichen Täter getrennt. Das geht aus Handy-Chat-Verläufen eindeutig hervor, die im Prozess verlesen wurden. So schrieb die Frau beispielsweise: „Gute Nacht, mein Single-Mann“. Daraufhin hatte der Angeklagte noch versucht, die Beziehung zu retten.

Landgericht Göttingen: Was sagt der Angeklagte zu den Vorwürfen?

Er hat bislang geschwiegen und sich nur über seine Verteidiger eingelassen. Er ließ im April von Rechtsanwalt Holger Nitz eine Erklärung verlesen. Darin heißt es, dass er die „Verantwortung für die von mir angerichtete unvorstellbare Katastrophe“ übernehmen wolle. An das eigentliche Tatgeschehen könne er sich allerdings nicht erinnern.

Landgericht Göttingen: Wie verhält sich der Angeklagte während der Prozesstage?

Während der Verhandlungstage sitzt er zumeist scheinbar teilnahmslos da. Dabei kann der Zuschauer keine Regung bei dem 52-Jährigen erkennen

Landgericht Göttingen: Hat der Angeklagte Vorstrafen?

Ja, Vorsitzender Richter Tobias Jakubetz verlas ein langes Vorstrafenregister. Vom Land- beziehungsweise vom Amtsgericht Göttingen wurde Frank N. dreimal wegen Vergewaltigung sowie wegen versuchter Vergewaltigung in insgesamt fünf Fällen verurteilt. Dabei erhielt er Freiheitsstrafen von zwei Jahren und neun Monaten, fünf Jahren sowie sechs Jahren. Hinzu kommen kleinere Vorstrafen.

Landgericht Göttingen: Wie läuft der Göttinger Prozess im Landgericht Göttingen ab?

Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte wird durch eine besondere Tür aus dem Keller des Gerichtsgebäudes direkt auf die Anklagebank im Schwurgerichtssaal geführt. Erst dort werden ihm die Handschellen abgenommen. Außerdem wird er ständig von mehreren Justizbeamten bewacht. Die strengen Maßnahmen haben Gründe: N. türmte in den 1990er-Jahren aus dem Gericht, als sich ihm dafür die Gelegenheit bot. Erst drei Wochen später wurde er wieder gefasst. Ein Polizist musste seinerzeit bei der Festnahme seine Schusswaffe einsetzen.

Landgericht Göttingen: Was sagt der psychiatrische Gutachter über den Angeklagten?

Helge Laubinger, Kasseler Facharzt für Psychiatrie, bejahte bei seinen Ausführungen eine Wiederholungsgefahr bei dem Angeklagten. N. sei bei der Tat planvoll vorgegangen. So habe er vor dem tödlichen Angriff in Göttingen etwa eine Stunde auf das spätere Opfer gewartet und „eine günstige Gelegenheit“ abgewartet.

Landgericht Göttingen: Was sagt der Gutachter zum Tatablauf?

Während der Tat sei der Angeklagte noch zweimal weggegangen, um eine weitere Flasche mit brennbarer Flüssigkeit zu holen und attackierte Menschen, die dem Opfer helfen wollten. Zudem habe er nach der Tat bei einem Händler für den Verkauf seiner Fahrräder gesorgt. Außerdem borgte sich N. fremde Handys für die Kontakte zur Polizei – damit er nicht geortet werden konnte. Der Angeklagte habe gewusst, was die Tat für seine Zukunft bedeutet.

Landgericht Göttingen: Was für konkrete Störungen sieht der Gutachter bei dem Angeklagten?

Bei dem Angeklagten diagnostizierte der Facharzt eine leichte Persönlichkeitsstörung. Außerdem habe dieser eine narzisstische Störung. Auf Zurückweisungen und Enttäuschungen reagiere er mit aggressivem Verhalten. So soll N. zum 44-jährigen Opfer gesagt haben: „Ich habe dir gesagt, ich bring dich um, wenn du mich betrügst.“

Landgericht Göttingen: Welche Strafe droht dem Angeklagten in dem Prozess?

Die Staatsanwaltschaft hat N. wegen Doppelmords angeklagt. Dazu müssen aber ein oder mehrere Mord-Merkmale erfüllt sein. Denkbar ist dabei mit Blick auf die Umstände der Tat das Mordmerkmal der Grausamkeit. Für Mord sieht das Strafgesetzbuch eine „lebenslängliche Freiheitsstrafe“ vor.

Blumen, Kerzen und Briefe: Am Tatort in Grone wurde im September vergangenen Jahres der beiden Gewaltopfer gedacht.

Landgericht Göttingen: Was ist mit der „besonderen Schwere der Schuld“?

Eine „besondere Schwere der Schuld“ liegt vor, wenn gegenüber vergleichbaren Delikten eine deutlich höhere Schuld des Täters besteht. Die Gerichte orientieren sich meistens an Urteilsbegründungen des Bundesgerichtshofs. Sollte das Gericht die „besondere Schwere der Schuld“ feststellen, so legt die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren fest, wie lange der Verurteilte noch im Gefängnis bleiben muss, bis er auf Bewährung entlassen werden kann.

Landgericht Göttingen: Was ist mit dem Thema Sicherungsverwahrung?

Es ist davon auszugehen, dass zumindest die Nebenklage auf die Verhängung der Sicherungsverwahrung plädieren wird. Sie wird verhängt, um die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen, ist aber an hohe Auflagen gebunden. Im psychiatrischen Gutachten bejahte der Arzt zwar die Wiederholungsgefahr des Angeklagten, sah aber bei Frank N. „keinen Hang zu Straftaten“. Auch andere Kriterien für eine Sicherungsverwahrung sah der Experte nicht erfüllt. Nun hat ein Mann eine 42-Jährige Frau aus Bad Pyrmont auf offener Straße getötet.

Nun hat ein Mann eine Frau aus Bad Pyrmont auf offener Straße getötet. (Bernd Schlegel und Heidi Niemann, mit dpa)

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