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Eil-Demo vor dem Gänseliesel: Hunderte zeigen Solidarität mit der Ukraine

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Von: Thomas Kopietz, Bernd Schlegel

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Rund 500 Menschen demonstrierten auch mit blau-gelben Fahnen am Donnerstagnachmittag vor dem Gänseliesel-Brunnen in der Göttinger Innenstadt gegen den Krieg in der Ukraine.
Eine Manifestation für den Frieden und Zeichen der Soldarität: Rund 500 Menschen demonstrierten Donnerstagnachmittag vor dem Gänseliesel-Brunnen in der Göttinger Innenstadt gegen den Krieg in der Ukraine. © Per Schröter

Krieg in der Ukraine: Das beschäftige die Menschen am Donnerstag in Südniedersachsens Metropole Göttingen. Dazu gab es Stellungnahmen von Politikern.

Göttingen – Der Angriff Russlands auf die Ukraine sorgt in Göttingen für Bestürzung – und Protest. Um 17 Uhr gab es eine von mehreren Gruppen wie der Grünen Jugend initiierte Demonstration am Gänseliesel unter dem Motto „Auf die Straße für den Frieden!“ Die Demonstrierenden forderten auch das, was sich viele Menschen in Europa und der Welt wünschen: Das sofortige Einstellen jeglicher Kampfhandlungen in der Ukraine. Den Abzug der russischen Truppen aus dem ukrainischen Staatsgebiet sowie der Grenze zu Russland sowie die humanitäre Hilfeleistung – auch durch Deutschland.

Etwas 500 Menschen sammelten sich schon unter Beachtung der Maskenpflicht auf dem Marktplatz. Ukrainer hielten direkt am Gänselieselbrunnen, wo eine Flagge wehte, gelb-blaue Nationalfahnen und Transparente hoch. „Putin“ – Hände weg von der Ukraine!, forderte auch die Gesellschaft für bedrohte Völker Göttingen. Die Stimmung war bedrückt, still standen die Menschen dort, Gespräche wurden leise geführt. Kein Lachen war zu hören. Die Menschen in Göttingen sind sich der überaus gefährlichen Lage bewusst. Und sie zeigen breite Solidarität mit dem Staat Ukraine und den Menschen.

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) sagte zu der aktuellen Entwicklung in der Ukraine: „Heute früh hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Es wurden im wahrsten Sinn des Wortes Grenzen überschritten. Unsere Gedanken und volle Solidarität sind bei den Menschen in der Ukraine.“ Als Mitglied der „Mayors for Peace“-Vereinigung appelliert sie an die Verantwortlichen, dass es trotz „des russischen Vorstoßes gelingt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und einen diplomatischen Weg aus der Krise zu finden. Waffen schaffen keinen Frieden, Menschen schaffen Frieden“.

Die Göttinger Landtagsabgeordnete Marie Kollenrott (Grüne) kommentierte: „Putins Aggressionen und Einmarsch in die Ukraine brechen nicht nur mit den Grundlagen des Völkerrechts, sie bringen insbesondere Millionen von Menschen in akute Gefahr.“ Aus deutscher und europäischer Perspektive müsse alles darangesetzt werden, die Menschen in der Ukraine in Sicherheit zu bringen und „gleichermaßen gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern Putin die volle Härte der Sanktionen spüren“ zu lassen.

Dirk-Claas Ulrich, Kreisvorstandssprecher der Grünen ergänzte: „Die Grenzen dessen, was in Europa vorstellbar ist, wurden in den letzten Tagen komplett eingerissen. Dieser geplante Angriff auf unseren europäischen Nachbar Ukraine ist eine Jahrhundert-Zäsur. Wer von ‚Demilitarisierung‘ der Ukraine spricht und Krieg meint, verliert seinen Platz in der Weltgemeinschaft.“ Gleichzeitig gelte: „Für Frieden ist es nie zu spät!“ Er appellierte, alles dafür zu tun, humanitäre Hilfe schnell und problemlos zu leisten. „Diese Haltung zeichnet uns im Kreis und in der Stadt Göttingen aus.“

Auswirkungen hat der Krieg auch auf die Unternehmen in der Region Südniedersachsen, wie Sartorius und Ottobock. Der weltweit operierende Health-Care-Konzern Ottobock mit Stammsitz in Duderstadt. „Ottobock versorgt Menschen in mehr als 135 Ländern. Dazu gehören Russland und die Ukraine. Beeinträchtigungen durch die aktuelle Situation spüren wir natürlich“, sagt Unternehmenssprecher Mark C. Schneider und präzisiert: „Die ohnehin angespannten Lieferketten geraten weiter unter Druck. Wir suchen deshalb nach Alternativen.“ Auf die Frage, ob der Krieg Auswirkungen auf die strategische unternehmerische Ausrichtung hat, sagte Schneider: „Das ist nicht der Moment für strategische Überlegungen. Unser Auftrag ist es, Menschen überall auf der Welt zu helfen. Dem kommen wir nach, so gut es uns möglich ist.“

Der Dax-Konzern Sartorius ist auch weltweit unterwegs, aber insbesondere in Ländern präsent, die eine starke Biopharma-Industrie haben, wie Sprecherin Petra Kirchhoff sagt. Insofern spielt bei uns die Ukraine geschäftlich fast keine Rolle und auch Russland keine sehr bedeutende. In Zahlen heißt das, dass wir gut 2 Prozent vom Konzernumsatz in diesen beiden Ländern erzielen – hauptsächlich in Russland“, so Kirchhoff. Dabei arbeite man mit verschiedenen privaten und staatlichen Einrichtungen zusammen, so sei das Gamaleya-Forschungszentrum für Epidemiologie genannt, das auch den russischen Covid-Impfstoff herstellt. „Ob mittelfristig Auswirkungen der derzeitigen Krise auf Lieferketten möglich sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt unseres Erachtens noch nicht seriös abschätzbar“, so Kirchhoff.

Birgit Montag, Grünen-Kreisvorstandssprecherin, ruft dazu auf, an einer für diesen Samstag angekündigten Friedensaktion am Neuen Rathaus in der Uni-Stadt teilzunehmen: „Das, was wir jetzt in Göttingen tun können, ist deutlich Flagge zu zeigen. Wir fordern sichtbare Solidarität mit der Ukraine und fordern daher die Oberbürgermeisterin auf, ihr Neutralitätsgebot für die Friedenskundgebung am Samstag zurückzunehmen.”

Die Stadt Göttingen hatte bei ihrem Aufruf für das Friedensgebet zunächst für den Verzicht auf Nationalflaggen gebeten, angesichts der dramatischen Lage aber kündigte Stadt-Sprecher Dominik Kimyon diese Aufforderung am Donnerstagnachmittag wieder auf. (Thomas Kopietz/Bernd Schlegel)

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