Großer Teich und viele Nistkästen geplant

Göttinger Max-Planck-Institut startet Projekt gegen Vogel- und Insektensterben

Auf einem Steg laufen zwei Kinder, auf einer Bank sitzt ein Herr und im Hintergrund ist ein See zu sehen.
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Am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie am Fassberg in Göttingen entsteht ein Biotop, wo sich besonders Vögel und Insekten ansiedeln sollen. Hier ein Bild der Planer.

Das Vogel- und Insektensterben geht weiter. Jedes Projekt dagegen ist wichtig. Das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie baut daher am Fassberg ein vielfältiges Biotop.

Göttingen – An dem Standort am Fassberg oberhalb des Uni-Nordcampus „baut“ das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie seit Freitag und in den nächsten Monaten ein vielfältiges Biotop – das BioDiversum. Es soll bedrohten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten – und helfen Arten zu retten.

Später soll auch Institutskindergarten einbezogen werden

Das dies nötig ist, unterstreichen Statistiken: Der Bestand an Vögeln ist in Deutschland seit 1965 um 65 Prozent eingebrochen. Noch dramatischer ist das Bild bei den Insekten: 80 Prozent weniger Arten gibt es im Vergleich zu 1980. Laut Diversitätsbericht 2019 der Vereinten Nationen sind weltweit rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht.

„Wir wollen dazu beitragen, dieser dramatischen Entwicklung entgegenzuwirken“, berichtet Marina Rodnina, Geschäftsführende Direktorin des MPI. „Wir schaffen ein Biotop, das das gesamte Institutsgelände einschließt.“

Später solle auch der Institutskindergarten einbezogen werden. Über Aktionen sollen die Kinder für die Natur begeistert werden.

Auf einer Weidefläche entsteht ein 900 Quadratmeter-Teich

Koordinator des Projekts ist Frederik Köpper. Er beschreibt das BioDiversum als „Mosaik aus unterschiedlichen Habitaten“, das die Lebensbedingungen insbesondere für Vögel und Insekten sowie für weitere Tiergruppen nachhaltig verbessert“.

Neu sind die Bemühungen im Artenschutz am MPI nicht: Bereits 2020 hat das Institut bis dato intensiv bewirtschaftetes Grünland in Blühwiesen verwandelt und Sträucher sowie weitere Gehölze angepflanzt.

Auf einer bisher verpachteten Weidefläche im Nordosten des Geländes entsteht nun ein 900 Quadratmeter großer Teich, der nachhaltig durch Oberflächenwasser gespeist wird, sagt Ulrich Küneke vom Landschaftsarchitektur-Büro Wette+Küneke, der das Konzept mit dem MPI erarbeitet hat.

100 Nistkästen für mehr Vögel-Brutplätze

Eine Anlage sammelt das Wasser, reinigt es, bevor es in den Teich gepumpt wird, so Reiner Schymura, der das Institut-Baumanagements leitet. Gerade rund um Nikolausberg ist ein Teich von besonderer ökologischer Bedeutung, da es nur wenige offene Wasserflächen gibt.

Deshalb stehen die Chancen gut, dass das BioDiversum den Lebensraum für Arten wesentlich erweitert. Um Vögeln Brutplätze zu bieten werden mehr als 100 Nistkästen aufgehängt. 50 sind bereits vor Beginn der Brutperiode angebracht worden.

Initiiert hat das Biotop Prof. Herbert Jäckle. „Ein solches Biotop-Projekt ist einmalig in der Max-Planck-Gesellschaft“, betont der Emeritus-Direktor. „Wir hoffen, dass andere Institute nachziehen und ihrerseits ein Biotop anlegen werden.“

Externe Experten aus der Region werden das Projekt betreuen

Das für alle frei zugängliche BioDiversum basiert auf Vorschlägen von Peter Berthold. Der Ornithologe war 2019 zur Ideenfindung zu Gast. Auch Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie des Fachbereichs Umwelt der Stadt steuerten ihr Wissen bei.

Apropos Wissen: Neben besagter Beteiligung des MPI-Kindergartens denkt man am Faßberg auch an die Kooperationen mit Schulen.

Und das als „Nobelpreisträger-Schmiede“ bekannte MPI wäre nicht dieses MPI, wenn das neue BioDiversum nicht wissenschaftlich begleitet würde, um den Erfolg messbar zu machen, aber auch um es gegebenenfalls optimieren zu können. Externe Experten aus der Region werden das Projekt betreuen.

Biotop für alle – Experte glaubt an Erfolg des Projekts

Peter Berthold ist ausgewiesener Experte für Renaturierungsmaßnahmen. Unter dem Motto „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ propagiert er seit Jahren ein deutschlandweites Netzwerk: Auf landwirtschaftlich unattraktiven Flächen sollen kleine und größere Biotope entstehen.

Ziel ist es, dass die einzelnen Biotope nicht mehr als zehn Kilometer voneinander entfernt liegen, sodass Arten sich von einem Standort zum nächsten ausbreiten können.

Berthold ist überzeugt, dass sich so die Artenvielfalt in wenigen Jahrzehnten wieder auf den Stand von 1950 anheben lässt. Dass dieser Plan funktionieren kann, hat er bereits gezeigt: Der von ihm seit 2004 mit der Heinz Sielmann Stiftung geschaffene Biotop-Verbund Bodensee übertraf alle Erwartungen: Die Brutbestände gefährdeter Vogelarten erholten sich innerhalb weniger Jahre, selbst stark beeinträchtigte Flächen entwickelten sich zu artenreichen Lebensräumen.

Das BioDiversum wird für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein. Infotafeln vor Ort und eine ausführliche Webseite werden das Projekt erläutern. Die Baumaßnahmen für das BioDiversum finanziert die Max-Planck-Gesellschaft. Die jährlichen Pflegekosten wird das Institut tragen. (Thomas Kopietz)

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