Vergnüglich, spannend und informativ

Großes Treffen der Fantasy-Autoren Heitz, Hennen und Meyer im Deutschen Theater Göttingen

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Humor war Trumpf: Die Fantasy-Autoren Kai Meyer (links) sowie Bernhard Hennen und Markus Heitz (rechts) sowie Moderator Hannes Riffel (Zweiter von links) sorgten für einen unterhaltsamen Abend im Deutschen Theater.

Göttingen. Vergnüglich, spannend und informativ war das Gipfeltreffen der Fantasy-Giganten Markus Heitz, Bernhard Hennen und Kai Meyer im ausverkauften Großen Haus des Deutschen Theaters (DT) am letzten Tag des Göttinger Literaturherbstes.

Zunächst machten die Schriftsteller neugierig auf ihre neuesten Werke: Heitz las eine eigens für die Lesung verfasste Kurzgeschichte, die zeitlich vor seinen neuen „Doors“-Romanen lag, und auch die nur bis zum spannendsten Punkt. Bernhard Hennen berichtete aus „Die Chroniken von Azuhr II – Die weiße Königin“, in denen die Märchen- und Sagengestalten an Macht gewinnen. Kai Meyer las den Anfang seines Romans „Der Pakt der Bücher“ über das geheime Leben von Büchern und Bibliomantik.

Sagen als Inspiration

Hannes Riffel vom S. Fischer-Verlag moderierte. Die drei erfolgreichen Autoren beantworteten seine und die Zuhörerfragen, im lockeren und foppenden Umgangston. „Das sind Profis, sie kennen sich, und sie wissen, wie so eine Veranstaltung funktioniert“, sagte Riffel später.

Markus Heitz nannte Musik, Geschichte, Sagen und Legenden sowie die „Weltraumpartisanen“ von Mark Brandis als prägend. Bernhard Hennen verriet, dass sein Vater Altphilologe war. Griechische Helden und Götter begleiten ihn seit der frühesten Kindheit. Erst mit 15 Jahren las er Fantasy, weil sein Sportlehrer ihm Tolkiens „Herr der Ringe“ empfohlen hatte. Inspiration für sein heutiges Schreiben seien Fake News.

Aufgewachsen auf dem Lande hatte Kai Meyer keine Buchhandlung in der Nähe, nur einen Zeitschriftenladen. Daher las er Heftromane und schrieb zu Beginn sogar selbst welche. Auch er nannte Märchen und Sagen als prägend.

„Und warum Fantasy?“, fragte Riffel. Hier war sich das Dreigestirn einig: Weil in der Fantastik alles möglich ist, nichts sei ausgeschlossen. Auch in der Ablehnung der scharfen Trennung von Kulturjournalisten zwischen „hoher“ Literatur und Fantasy herrschte Einigkeit. Meyer wies darauf hin, dass es in der Literatur und Kunst des 19. Jahrhunderts von fantastischen Elementen nur so gewimmelt habe.

Kein Holzhammer

Die Frage nach einer bewussten Vermittlung von Werten verneinten alle drei Autoren. Keine Holzhammermethoden hier. Hennen meinte, dass sein Weltbild einfließe, aber Gut und Böse seien bei ihm nicht immer einfach zu trennen. Meyer und Heitz finden es spannend, ein anderes Weltbild als das eigene zu zeigen. Meyer: „Ich finde die Antagonisten meist interessanter als die Protagonisten.“

Ob sie Angst hätten, ihnen könnten die Ideen für neue Bücher ausgehen, wollte eine Dame wissen. Alle drei verneinten vehement. Es sei aber wichtig, neue Ideen sofort zu notieren, egal wo man sei. Man sollte beispielsweise einen Block oder eine anderes Medium neben dem Bett haben, auch für den Fall, dass einem ein guter Satz einfiele. „Vielleicht ist er am nächsten Morgen nicht mehr so toll, aber es wäre bitter, den besten Satz seines Lebens zu verlieren, weil man sich nicht mehr genau an ihn erinnern kann“, so Hennen.

Notfalls Internet

Für angehende Literaten gab es Ratschläge von den erfolgreichen Autoren: Langer Atem, nicht einen ganzen Roman, sondern nur den Anfang an die Verlage senden und gleichzeitig alle in Frage kommenden Verlage anschreiben. Dabei sei es hilfreich, den Brief zu personalisieren, also den Namen des zuständigen Lektors herausfinden.

„Das nützt aber alles nichts, wenn man nicht auch Glück hat“, betont Heitz. „Ohne die „Herr der Ringe“-Filme hätte sich niemand für meine Bücher interessiert. Die Zeit und die Umstände müssen günstig sein.“ Hennen nannte die vielen Selbstpublikationsmöglichkeiten im Internet als letzten Ausweg, wenn sich kein Verlag findet.

Buchhandlungen stützen

Nach der fast zweistündigen Veranstaltung gab es lang anhaltenden, herzlichen Applaus. „Kaufen Sie Ihre Bücher in der Buchhandlung in Ihrer Nähe“, ermahnte S. Fischer-Vertreter Hannes Riffel das Auditorium und bekam begeisterte Zustimmung. So bildete sich eine lange Schlange am Büchertisch. Die drei Autoren signierten über eine halbe Stunde lang freundlich und unermüdlich.

Schreibgewohnheiten der Autoren

Eine Zuhörerin wollte wissen, wie der Alltag der Erfolgsautoren aussehe. Es stellte sich heraus, dass Markus Heitz versuche, um 9 Uhr am Rechner zu sitzen, und dass er zwei Liter schwarzen Tee am Tag trinkt. Kai Meyer steht schon vor 6 Uhr auf und sitzt um 8 am PC. Bernhard Hennen dagegen beginnt den Arbeitstag um 10 Uhr, arbeitet erst Anrufe und Mails ab, trinkt dann Kaffee und fängt irgendwann am Nachmittag an zu schreiben. „Dafür arbeite ich meist bis 2 oder 3 Uhr in der Nacht.“ 

Heitz berichtete, er sei ein „Plotschreiber“. Bevor er zu schreiben beginne, habe er ein drei- bis vierseitiges Exposé seiner Idee verfasst, das alle wesentlichen Elemente enthalte. Meyer erzählte, seine Exposés hätten stolze 30 bis 40 Seiten, was Hannes Riffel gespielt genervt bestätigte. Hennen verriet, er kenne vom Werk zunächst nur Anfang und Ende. Vom Rest lasse er sich überraschen. Seine Bücher hätten daher eine Tendenz, anzuwachsen, sodass er die Abgabetermine meist nicht einhalten könne. Riffel bestätigte seufzend.

Internetauftritte und Ehrungen

Die Internetauftritte der drei Autoren www.mahet.de (Markus Heitz), www.bernhardhennen.de und www.kai-meyer.de weisen verschiedene Grade von Verspieltheit und interaktiven Möglichkeiten auf. Meyer hat sogar eigene Seiten für seine Romanserien eingerichtet. Der Gadget-Liebhaber postet offenbar postwendend auf Facebook, zum Beispiel die Verleihung des Deutschen Phantastikpreises für seinen Roman „Krone der Sterne“ am Tag vor der Veranstaltung im Deutschen Theater Göttingen. Der zweite Podiumsgast Bernhard Hennen gewann in der Kategorie deutschsprachige Serie mit „Die Phileasson-Saga“, die er zusammen mit Robert Corvus geschrieben hat. Markus Heitz ging 2018 leer aus, hat aber in den Vorjahren etliche Phantastik-Preise abgeräumt.

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