Gründung von Atomkraft-Gegnern

Vor 25 Jahren wurde Firma Salinas gegründet – Das Salz kommt aus Göttingen

Das Foto zeigt eine Papppackung mit der Aufschrift Salinas.
+
Stammt aus Göttingen und nicht aus Gorleben: das Salz der Firma Salinas.

Vor 25 Jahren gründeten Atomkraftgegner die Firma Salinas. Mit einer Salzförderung im Gorlebener Salzstock sollte verhindert werden, dass dort ein Endlager gebaut wird.

Gorleben/Göttingen – Vor 25 Jahren gründeten Atomkraftgegner die Firma Salinas. Mit einer Salzförderung im Gorlebener Salzstock sollte verhindert werden, dass dort ein Endlager gebaut wird. Das wesentliche Ziel sehen die Gesellschafter nun erreicht. Noch heute wird Salz verkauft – es kommt aber aus Göttingen.

Mal blockierte eine Schafherde die Castor-Strecke, mal stoppten Landwirte mit quergestellten Traktoren eine Atommüllfuhre, mal demonstrierten die AKW-Gegner als Karnevalisten verkleidet. Der Widerstand gegen die Atomanlagen im Wendland war meistens witzig und phantasievoll.

Plan: Salzstock sinnvoll nutzen und Unsinniges verhindern

Auch im Jahr 1996 hatten Aktivisten eine originelle Idee: Sie gründeten eine Firma, die Salz im Gorlebener Salzstock abbauen und vermarkten und so dessen weitere Erkundung zum Endlager stoppen wollte. „Besser Salz fördern als Atommüll lagern“, lautete das Motto der Salinas Salzgut GmbH.

Nach knapp 25 Jahren sehen die Gesellschafter das primäre Ziel des Unternehmens erreicht. Denn der Salzstock Gorleben schon in der ersten Runde des neu gestarteten Suchverfahrens wegen geologischer Mängel aus der Liste potenzieller Endlagerstandorte gestrichen.

Damals, bei Gründung der Salinas Salzgut GmbH, firmierte Gorleben offiziell noch als Forschungsbergwerk. Wirtschaftliche Tätigkeiten wie eben die Salzförderung hätten eigentlich Vorrang vor einer wissenschaftlichen Erkundung des Salzstocks gehabt. Zumal das Grundstück mit Andreas Graf von Bernstorff einem entschiedenen Gegner der geplanten Atomanlagen gehörte.

„Wir wollten den Salzstock Gorleben-Rambow für etwas Sinnvolles nutzen und damit gleichzeitig den unsinnigen Plan der Atomindustrie verhindern, dort hochradioaktive Abfälle zu lagern,“ beschreibt Christian Schön, Geschäftsführer der Salinas Salzgut GmbH, das zentrale Anliegen des Projekts. Doch die Behörden behinderten das Vorhaben des jungen Unternehmens.

Weg ist jetzt frei für Förderung und Verkauf von Salz

Zunächst durch Verbote. Dann – als Gerichte den Weg für eine Salzförderung freimachten – durch eine eigens für diesen Fall neu geschaffene Rechtsverordnung, die sogenannte „Lex Salinas“: 2004 wurde in das novellierte Atomgesetz ein Passus eingefügt, um Dritte zu hindern, in Gorleben Salz abzubauen.

Salinas habe der Atomindustrie Stolpersteine in den Weg gelegt und das Endlagerprojekt deutlich verzögert, ist Geschäftsführer Schön gleichwohl überzeugt.

„So hat unser Unternehmen daran mitgewirkt, dass eine gravierende politische Fehlentscheidung letztlich zurückgenommen werden musste.“ Jetzt, nach dem Ausschluss von Gorleben aus dem Suchverfahren, wäre der Weg im Prinzip frei für Geschäftsziel Nummer 2, die Förderung und den Verkauf von Salz.

Restbestände werden über Unternehmen weiter verkauft

Ein Unternehmen aufrechtzuerhalten, das so gut wie keine Umsätze macht, hielten die Salinas-Gesellschafter für nicht machbar. Ohnehin wurde der Betrieb jahrzehntelang hauptsächlich durch Spenden und Eigeneinlagen aufrecht gehalten. Jetzt war eine finanzielle Untergrenze erreicht, so dass die Liquidierung der GmbH beschlossen wurde.

Salz verkauft hat Salinas im Übrigen trotzdem. Es stammt allerdings nicht aus Gorleben, sondern aus der Saline Luisenhall in Göttingen. Die Solequelle liegt in fast 500 Metern Tiefe. Gewonnen wird das Salz im schonenden Pfannensiedeverfahren, das sonst nirgendwo in Europa mehr angewendet wird.

Ein Teil dieses Salzes wurde an die Salinas Salzgut GmbH geliefert und von dieser weiter vertrieben. Die Liebhaber des Produktes müssen nicht sofort auf den Stoff verzichten. Die Restbestände werden über das Unternehmen „Bio im Wendland“ noch eine ganze Weile verkauft. (Reimar Paul/yrp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.