Kaputte Brücken in Südniedersachsen

Grüne fordern: Vorrang für die Autobahn-Sanierung

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Blick auf die Brücke am Autobahn-Dreieck Drammetal nahe der Ortschaft Dramfeld im Landkreis Göttingen: Sie ist zwar in Betrieb, aber offenbar so marode, dass sie vollständig ersetzt werden muss.

Während der Corona-Krise fordern die Grünen einen Planungs- und Baustopp für alle neuen Autobahnen und Straßen in Niedersachsen.

Vordringlich sei die Sanierung. „Gerade jetzt muss gelten: Erhalt vor Neubau. Immer neue Straßen bringen nichts, wenn die bestehenden Straßen nicht nutzbar sind, weil Brücken unbefahrbar werden oder die Schlaglöcher immer größer werden“, schreiben der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler und sein Landtagskollege Detlev Schulz-Hendel in einem Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt.

„In der aktuellen Lage, in der weniger Fahrzeuge die Straßeninfrastrukturen nutzen, ist der richtige Zeitpunkt, Brücken zu sanieren, maroden Lärmschutz auszutauschen und Schlaglöcher auszubessern“, betonen die Verkehrspolitiker. Darum müssten sich die Beschäftigten in der Straßenverwaltung jetzt hauptsächlich kümmern. Die Grünen schlagen für 2020 ein Moratorium für Neubauten und eine „erweiterte Bedarfsplanüberprüfung aller Bundesfernstraßenprojekte in Niedersachsen unter Einbeziehung der Klimaschutzziele“ vor.

Ins Visier nehmen die Parlamentarier die Küstenautobahn A 20 von Westerstede (Kreis Ammerland) bis Drochtersen an der Elbe, die A 39 von Lüneburg nach Wolfsburg und den Lückenschluss der A 33 zur A 1 nördlich von Osnabrück sowie den Ausbau mehrerer Bundesstraßen. „Die hierfür geplanten Milliardenausgaben binden erhebliche Kapazitäten der Straßenbauverwaltungen und laufen den Klimaschutzzielen, denen sich Deutschland im Zuge des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet hat, zuwider“, kritisieren Kinder und Schulz-Hendel.

Vor der Corona-Krise hatte die Bundesregierung entschieden, von 2019 bis 2023 über 3,7 Milliarden Euro für Straßenbauprojekte in Niedersachsen auszugeben – fünf Mal mehr, als sie im gleichen Zeitraum in die Schieneninfrastruktur investieren will. Die drei Autobahn-Maßnahmen sind jedoch noch nicht über den Planungsstand hinausgekommen. Die dafür benötigten Mitarbeiter könne man besser einsetzen, so die Grünen: „Während der Corona-Pandemie sollten die personell ohnehin seit Jahren ausgedünnten Straßenbauverwaltungen notwendige Erhaltungsmaßnahmen an Straßen und Brücken in Niedersachsen vorziehen und vor allem den Betriebsdienst aufrechterhalten.“

Nach Auskunft der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sind von den 6839 Brücken in ihrem Geschäftsbereich 200 derart marode, dass sie komplett durch Ersatzneubauten ausgetauscht werden müssen. Darunter befinden sich die Weser-Brücke der B 3/B 80 in Hann. Münden, die Drammetal-Brücke der A 38 und das Brückenbauwerk der B 27 im Göttingen Norden.

Die Planungen und Vorbereitungen für diese Überführungen liefen parallel zu den großen Autobahn-Projekten, heißt es bei der Behörde. Allerdings habe man mittlerweile ein „Ressourcen-Problem“ bei der Bau-Industrie. Wegen der vollen Auftragsbücher bei den Unternehmen sei bei Ausschreibungen die Zahl der Angebote deutlich rückläufig.

VON PETER MLODOCH

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