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„Fridays“ fordern Hilfsbereitschaft für alle Geflüchteten

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Von: Michael Caspar

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Aufbruch nach der Kundgebung am Auditorium: Mehr als 1000 Menschen beteiligten sich an der „Fridays For Future“-Demo in Göttingen.
Aufbruch nach der Kundgebung am Auditorium: Mehr als 1000 Menschen beteiligten sich an der „Fridays For Future“-Demo in Göttingen. © Michael Caspar

Auch in Göttingen gingen am Freitag viele, meist junge Menschen auf die Straße um bei „Fridays for Future“ zu demonstrieren.

Deutschland soll Geflüchtete aus aller Welt so herzlich aufnehmen wie derzeit die Menschen aus der Ukraine – das haben am Freitagnachmittag mehr als 1000 „Fridays For Future (FFF)“-Demonstranten in Göttingen gefordert.

„Es ist abscheulich, was seit vier Wochen in der Ukraine passiert“, meinte Philipp (16), der das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) besucht und mit der Regenbogen-Friedensfahne seiner Eltern an der Demo teilnahm. „So nah“ sei dieser Krieg. Ein Teil seiner Vorfahren stamme aus der Ukraine. Er selbst sei allerdings nie weiter nach Osten gereist als Berlin. Umsetzen solle nun die Bundesregierung ihre Klima-Vorschläge, die „nicht schlecht sein“. In Göttingen wünsche er sich eine weitere Verbesserung der Radwege, etwa entlang der Kasseler Landstraße.

Krieg ist Thema im Unterricht

„Wir hatten am Hainberg-Gymnasium einen Ukraine-Projekttag“, erklärte Lilith (14), die von Klassenkameradinnen begleitet wurde. Der Krieg werde immer wieder im Unterricht aufgegriffen. Deutschland solle konsequent auf alternative Energien setzen. Es empöre sie, dass die Europäische Union Erdgas und Atomkraft als grüne Energien eingestuft habe.

Dass die russische Armee den Krieg in der Ukraine fortsetzt, „bis das Land völlig zerstört ist“, fürchtete Antonia (17). Auch sie sprach sich für „größere Investitionen in nachhaltige Energien“ aus. In Göttingen sollte der Öffentliche Personennahverkehr verbessert werden. Die Tickets müssten billiger werden und für Hartz-IV-Empfänger kostenlos sein.

Vertreter des Seebrücke-Bündnisses, die während der Auftakt-Kundgebung am Auditorium sprachen, prangerten den „Rassismus“ beim Umgang mit Geflüchteten an. So sei bei den „blonden, blauäugigen“ Frauen aus der Ukraine sei die Hilfsbereitschaft groß. Ein solches Engagement forderten sie unter großem Applaus auch für Geflüchteten aus nichteuropäischen Ländern ein.

Klimakrise ist auch Folge von kolonialer Ausbeutung

Eine FFF-Rednerin führte die Klimakrise auf „jahrhundertelange koloniale Ausbeutung und Unterdrückung“ zurück. „Mächtige Konzerne“ führten das bis heute weiter. Die Länder des Südens seien „hoch verschuldet“ und hätten aufgrund von fälligen Rückzahlungen „keine Mittel für die Anpassung an Klimaveränderungen“. Unter Applaus forderte sie „Reparationszahlungen“. Diese müssten allerdings so gezahlt werden, dass keine „neuen Abhängigkeiten“ entständen. Der Beitrag wurde synchron in Gebärdensprache sowie anschließend ins Englische übersetzt.

Mit lautem Getrommel begleitete eine in Pink und Silber gekleidete und mit Perücken ausstaffierte Gruppe vom transnationalen Netzwerk Rhythms of Resistance den Demonstrationszug durch die Innenstadt. Auf selbstgemalten Plakaten forderten Demo-Teilnehmer „Tempolimit statt Tankrabatte“ oder „Grünkohl statt Braunkohle“. Andere lehnten den Umstieg auf amerikanisches Fracking-Erdgas ab. (Michael Caspar)

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