Konservierter Leichnam aus Hildesheim in Göttingen

Guanchen-Mumie gibt nach Untersuchung Geheimnisse preis

Mumie aus Göttinger Beständen: Restaurateur Jens Klocke bereitet die Guanchen-Mumie aus dem Zoologischen und Antrophologischen Institut für den Transport nach Hildesheim vor. Foto: Leissa

Göttingen/Hildesheim. Die computertomografische (CT) Untersuchung von Mumien hat nach Angaben des Roemer- und Pelizaeus-Museums teilweise neue Erkenntnisse erbracht. So konnte bei der Guanchen-Mumie von den kanarischen Inseln auch das erreichte Lebensalter bestimmt werden.

Die Guanchen-Mumie habe besonders spannende Geheimnisse preisgegeben, sagte eine Museums-Sprecherin. Die Guanchen lebten vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 16. Jahrhundert auf den Kanarischen Inseln. Die Angehörigen dieses Volkes wurden aufgrund ihrer Ernährung im Durchschnitt nur 30 bis 40 Jahre alt. Das CT ergab nun, dass es sich bei der Mumie um eine Frau im Alter von 50 bis 60 Jahren handelte.

Weil zudem meist nur die Leichen wohlhabender Guanchen durch Mumifizierung konserviert wurden, scheint es den Museumsmitarbeitern zufolge „sicher, dass es sich bei dieser Mumie um eine Frau aus der Oberschicht handelt.“

In dieser Woche waren vier Mumien aus Beständen der Universität Göttingen und aus Hildesheimer Sammlungen mit einem Computertomografen untersucht worden. Außer der Guanchen-Mumie wurden zwei Mumien aus Peru sowie der Kopf einer ägyptischen Mumie untersucht.

Zuvor waren die beiden Mumien im Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen aus den Vitrinen genommen und aufwändig für den Transport nach Hildesheim vorbereitet worden. Betraut damit war der Diplomrestaurator Jens Klocke aus Hildesheim.

Die Untersuchung von Mumien mittels CT wird intensiv in Deutschland seit mehr als 20 Jahren betrieben. Aufschluss gaben und geben die Bilder vor allem über Krankheiten, die Art der Konservierung und Grabbeigaben sowie auch über kulturellen Eigenheiten von einst.

Bei der vom 12. Februar bis 28. August 2016 geplanten Sonderausstellung „Mumien der Welt“ im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim handelt es sich um die größte jemals in Deutschland gezeigte Mumienausstellung. Sie gibt nach Museumsangaben einen Einblick in die weltweite Praxis der Konservierung Verstorbener – vom Totenkult der alten Ägypter über Moorleichen und südamerikanische Mumienbündel bis hin zum asiatischen Phänomen der Selbstmumifizierung. (epd/tko)

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