Gutenberg-Bibel und Gauß´sches Messgerät sind wertvolle Kulturgüter

Georg-Friedrich Gauß und der Vizeheliotrop aus der Göttinger Sammlung seltener Geräte. Wichtiges Kulturgut.

Göttingen. Zwei kostbare Besitztümer der Universität Göttingen sind seit März offiziell als national wertvolles Kulturgut eingestuft: Neben der Göttinger Gutenberg-Bibel von 1454 wurde der „Vizeheliotrop“ in das niedersächsische Verzeichnis aufgenommen.

Das teilte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums in Hannover mit.

Gauß und 10-Mark-Schein

Den Gauß´schen Vizeheliotropen kennen viele Deutsche aus ihrer Geldbörse. Das Instrument war auf der Rückseite des letzten Zehn-Mark-Scheins abgebildet, der zwischen 1991 und der Einführung des Euro 2001 in Umlauf war. Mit dem Gerät hatte der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß (1777 bis 1855) einst das Königreich Hannover vermessen.

Gauß leitete Sternwarte

Gauß war von 1807 bis zu seinem Tod 1855 Leiter der Sternwarte Göttingen gewesen. Er hatte den von der Londoner Firma Throughton hergestellten Sextanten mit der Nummer 420 nach seiner Ankunft in Göttingen von einem Kollegen erhalten.

Vizeheliotrop umgebaut

1818 kam ihm bei einem Aufenthalt in Lüneburg die Idee, wie man das Gerät für die Landvermessung nutzen kann: Er ließ den Sextanten so umbauen, dass er das Sonnenlicht mit Hilfe eines dritten Spiegels in eine definierte Richtung reflektiert. Misst man den Winkel zwischen der Sonne und einem fernen Zielpunkt, reflektiert der dritte Spiegel das Sonnenlicht automatisch in Richtung auf das anvisierte Ziel.

Der Vizeheliotrop wurde eines seiner wichtigsten Hilfsmittel bei der Vermessung des Königsreichs Hannover, die Gauß ab 1821 im Auftrag von König Georg IV. vornahm. Heute befindet sich das Instrument in der Sammlung historischer physikalischer Apparate der Göttinger Physik.

Nur vier Gutenberg-Bibeln

Eine von vier noch erhaltenen Gutenberg-Bibeln wird in Göttingen aufbewahrt. Hier eine Seite des digitalisierten Werkes Gutenberg-Bibel.

Die Gutenberg-Bibel, von der es weltweit nur vier komplett erhaltene Exemplare gibt, ist nicht nur ein Meisterwerk der Buchkunst, sondern auch ein Schwergewicht: Die beiden Bände wiegen insgesamt rund zehn Kilo. Sie werden in einem besonders gesicherten Tresor der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) in Göttingen aufbewahrt.

BiBEl im Internet 

Die SUB hat vor einigen Jahren in einem aufwändigen Projekt sämtliche 1282 Seiten der in lateinischer Sprache verfassten Bibel digitalisiert, so dass man sich im Internet unter der Adresse www.gutenbergdigital.de einen Eindruck von der bibliophilen Kostbarkeit verschaffen kann.

100.000 Typen gegossen

Gutenbergs Bibel war das erste große Werk nach der Erfindung des Buchdrucks. Trotz dieses epochalen technischen Fortschritts war die Herstellung ein aufwändiges Unterfangen. Allein die Gussarbeiten für die Gutenberg-Bibel dauerten ein halbes Jahr, insgesamt wurden etwa 100.000 Typen gegossen. Die Setzarbeiten dauerten etwa drei Jahre.

Jede Bibel war ein Unikat, da sie per Hand rubriziert wurde: Die Satzanfänge wurden durch feine rote Striche hervorgehoben.

Auch die kostbaren Illuminationen, also die Seitenausschmückungen mit Initialen, Rankenwerk und anderen Ornamenten, waren individuelle Handarbeit. (pid)

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