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Händel-Festspiele: Starke Frauen als Brücke zwischen Oper und Jazz

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Von: Ute Lawrenz

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Jazz-Konzert in einem Logistikzentrum: Für diesen besonderen musikalischen Abend in Göttingen gab es viel Applaus von den Zuschauern.
Jazz-Konzert in einem Logistikzentrum: Für diesen besonderen musikalischen Abend in Göttingen gab es viel Applaus von den Zuschauern. © Ute Lawrenz

Die Göttinger Händelfestspiele haben erneut einen ungewöhnlichen Ort für ein Konzert gefunden - in einem Logistikzentrum.

Göttingen – Wenn der musikalische Leiter der Händelfestspiele George Petrou einen Spritzer Jazz in die Oper eingemischt hat, so hielt es Anette von Eichel mit ihrer Band genau andersherum. Sie mischte Oper in ihr Programm „Händel jazzt! Peel me a grape“ im Distribo Logistikzentrum.

Ungewöhnlich an diesem Abend war nicht nur die Verbindung von Oper und Jazz, sondern auch der Veranstaltungsort. Mitten zwischen vollgestellten Regalen in der riesigen Halle des Logistikzentrums waren die Bühne und die Stühle für 200 Zuschauer aufgebaut. Fast so viele hatten sich aufgemacht, um diesen besonderen Abend zu erleben.

Nach dem Standard „Peel me a grape“, im Original von Diana Krall gesungen, sang Anette von Eichel die Vorstellung der Crew. Eine Verbindung zwischen Händels Opern und Jazz sieht sie in den „starken Frauen von Cleopatra bis Diana Krall“, die das eine wie das andere prägten. So hatte sie als zweite Nummer Cleopatras Arie „Piangero la sorte mia“ aus der diesjährigen Festspieloper „Giulio Cesare in Egitto“ ausgewählt und ließ Ägyptens Königin ihre Arie in ungewohnter Weise singen.

Bemerkenswert an dem Konzert überhaupt war der Ausdruck von Anette von Eichel, die sich mit ihrem Gesang mit weichem Timbre in den Klangkörper der Instrumente einreihte, in der Arie der Cleopatra gar mit dem Saxophon in Dialog trat. Wer die Oper gesehen hat, muss unvermittelt an den Dialog von Yuriy Mynenko als Cesare mit Milos Valent mit der Violine denken.

Und nicht nur Anette von Eichel brillierte, alle Musiker glänzten mit starken Soli, angefangen vom Pianisten Sebastian Sternal mit glasklaren bis ungewöhnlichen Tönen über Henning Sieverts sehr geläufig am Bass, Jonas Burgwinkel artistisch am Schlagzeug und Special Guest Marko Lackner am Saxophon, der die Opernarien für das Programm arrangiert hatte.

Die Zuschauer gaben viel Zwischenapplaus. Ohne Zugabe kamen die Musiker nach zwei Stunden mit Pause nicht von der Bühne. Dank sprach von Eichel im Schlussgesang unter anderem technischen Crew aus. Zurecht. Denn es scheint wie ein wahres Meisterwerk, in einer riesigen Logistikhalle eine Akustik fast wie im Konzertsaal zu schaffen. (Ute Lawrenz)

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