Die Autorin im Interview

Lesung am 24. Mai: Donna Leon kommt wieder nach Göttingen

Frau mit Esprit: Donna Leon, hier bei einem Interview 2012 in Hamburg. Die Erfolgsschriftstellerin ist ein Händel-Fan, war oft in Göttingen bei den Festspielen zu Gast und ist diesmal auch Akteurin bei einer musikalischen Lesung. Foto: dpa

Göttingen. Die in Venedig lebende US-Krimi-Autorin Donna Leon ist häufige Besucherin der Internationalen Göttinger Händel-Festspiele.

In diesem Jahr, passend zum Festspielmotto „Heldinnen!?“, wird sie auch zur Akteurin. Bei einem Abend, der der römischen Kaiserin Agrippina gewidmet ist (Sonntag, 24. Mai), liest sie eigene Texte.

Wir sprachen mit der Autorin der beliebten Brunetti-Romane.

Eigentlich wollte der Autor die Donna Leon aus ihrem Stadtteil Canareggio mit einem alten venezianischen Holzboot zum gemeinsamen Essen und Interview abholen. Signora Leon war zwar sehr erfreut über diese Offerte, aber sie war – wie stets zu Ostern– aus der dann mit noch mehr Touristen als üblich gefüllten Lagunenstadt nach Zürich geflüchtet. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren Ostern nicht in Venedig gewesen“, entschuldigte sie ihre Absage. Das Angebot mit der Bootstour und dem Essen aber bleibt bestehen.

Frau Leon, Ihre Beziehung zu Händel ist so etwas wie eine Liebes-Affäre. Wie kam es dazu?

Donna Leon: Wie es mit den meisten Menschen passiert. Ich entdeckte Händels Musik erstmalig beim Hören des „Messiah“, das ist wohl mehr als 50 Jahre her. Ich war überwältigt von der Schönheit der Musik, und das bin ich noch immer. Aber ich bin kein Musiker. Ich kann, obwohl Autorin, auch keinen Grund für die Liebe zu seiner Musik benennen. Es macht mich einfach überglücklich, Händels Musik zu hören.

Musik ist eine sehr emotionale Angelegenheit, wie schafft es Händel in Ihnen diese Emotionen zu wecken?

Leon: Ich habe keine Ahnung! Tatsache ist, wenn man der Musik aufmerksam zuhört, kann man in die Seelen der Personen, der Sänger sehen.

Welche ist Ihre Lieblingsoper von Händel?

Leon: Das ist „Alcina“, weil die Geschichte so ewiglich, immer wahr ist und weil sie von den menschlichen Emotionen handelt, und nicht nur von der Loyalität zu einem König oder einer Idee. Überhaupt, die Emotionen, vor allem die, die Alcina ausdrückt, spiegeln sich komplett im Text und in der Musik wieder. Und sie ist eine großartige Schöpfung.

Händel und Göttingen - das ist ebenfalls eine besondere Beziehung für Sie. Wann waren sie zum ersten Mal bei den Festspielen in Göttingen?

Leon: Auch das weiß ich nicht genau. Es muss wohl mehr als 20 Jahre her sein. Eine zeitlang kam ich fast in jedem Jahr. Aber dann wurde mein Leben zu geschäftig. turbulent und zu kompliziert. Deshalb konnte ich nicht mehr so regelmäßig nach Göttingen fahren.

Was ist für Sie das Besondere an den Göttinger Händel-Festspielen?

Leon: Ich mag besonders das Publikum, die Händel-Fans. Und ich mag die Möglichkeit, neue, tolle Sänger in Göttingen zu hören.

Donna, Sie sind bei den Festspielen 2015 dabei, eine „Heldin“ im Programm, das den Titel „Heldinnen!?“ trägt. Sie treten bei einer musikalische Lesung auf. Was können wir dort erwarten?

Leon: Ich will gar nicht so viel verraten. Aber: Ich werde ein Gespräch über die historischen Agrippinas führen und Einführungen in die Arien zum Besten geben.

Stimmt es, dass Sie in in Venedig ruhiger leben können, als in Deutschland, wo ihre Bücher übersetzt und verschlungen werden?

Leon: Es gibt kaum Schwierigkeiten damit, bekannt zu sein. Die meisten Menschen sind sehr behutsam und freundlich, wenn sie mir auf der Straße begegnen und sich mir vorstellen. Ich aber bevorzuge es generell anonym zu bleiben, wo immer ich bin – auch in Venedig.

Es nervt Sie also nicht, wenn die Menschen in Göttingen den Kontakt mit Donna Leon, der berühmten Autorin der Brunetti-Romane, suchen?

Leon: Nein, das ist niemals nervend.

Wünschen Sie sich doch einfach einmal eine Oper, die bei den Händel-Festspielen in Göttingen gespielt werden könnte?

Leon: Das sollte die Entscheidung derer sein, die die Spielpläne der vergangenen zehn oder 15 Jahre kennen. Wundervoll aber ist, dass das Göttinger Festival mir und uns die Chance gibt, einige der weniger bekannten Händel-Opern zu sehen und zu hören. Das ist immer wieder überraschend und so sollte es bleiben.

Frau Leon, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Leon: Vielen Dank für das schöne Angebot, per Boot abgeholt zu werden. Schade, dass ich nicht in der Stadt war. Ich behalte es aber im Kopf. Wir sehen uns in Göttingen bei den Händel-Festspielen.

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