Konzert in der Stadthalle

Händel-Oratorium "Judas Maccabaeus“ in Göttingen: Zur Feier des Sieges

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Souverän: Der Tenor Kenneth Tarver sang den Part des Judas Maccabaeus. 

Göttingen. Das Oratorium „Judas Maccabaeus“ war bei den Händel-Festspielen in Göttingen zu hören.

Dass zur Feier militärischer Siege Oratorien komponiert werden, mag uns heute befremdlich vorkommen. Im 18. Jahrhundert war dies jedoch üblich, und so verdanken wir eines der bekanntesten Oratorien Georg Friedrich Händels – „Judas Maccabaeus“ – dem militärischen Sieg des Engländers William Duke of Cumberland über die aufständischen schottischen Jakobiten unter Prinz Charles Edward Stuart in der Schlacht bei Culloden im Jahr 1746.

Für Schotten unter den Zuhörern mag die Eröffnung der Göttinger Händel-Festspiele mit „Judas Maccabaeus“ ein bitterer Abend gewesen sein. Beim Publikum in der Stadthalle, das die von Laurence Cummings (einem Engländer!) geleitete Aufführung feierte, war davon natürlich nichts zu spüren. Es ist allerdings kein Zufall, dass dieses Werk zum Festival-Auftakt erklang, denn das Motto lautet in diesem Jahr „Konflikte“ – und wie sie musikalisch ausgetragen werden.

Üblich war bei politisch motivierten Musiken, auf antike oder biblische Stoffe zurückzugreifen. Judas Maccabaeus, ein jüdischer Freiheitskämpfer des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts, schien da bestens geeignet, dem militärischen Erfolg des Duke of Cumberland Ewigkeitsstatus zu verleihen

Im Zentrum steht Rechtfertigung

Doch wie geht Händel musikalisch vor? Auf martialische Schlachtenmusiken verzichtet er komplett, selbst ein Marsch nach der Siegesmeldung kommt ohne Trompeten aus. Sie setzen erst mit dem Auftritt des siegreichen Judas Maccabaeus ein. Im Zentrum steht die Rechtfertigung: Wer auf Gott vertraut, dem verhilft er zum Sieg – auch wenn die Lage aussichtslos scheint.

Selbstvergewisserung – immer wieder auch vorgetragen von einem Israeliten und einer Israelitin – nimmt breiten Raum ein in dem (inklusive Pausen) gut vierstündigen Werk. Nun agierte das Göttinger Festspielorchester unter der Leitung von Laurence Cummings mit großer Souveränität und Sicherheit, der NDR-Chor, der hier als Volkschor auftritt, war eine Wucht, und auch die Solisten setzten vielfach positive Akzente.

Dennoch war es in Teilen eine ermüdende Aufführung, weil der Spannungslevel sich auf ein mittleres Niveau einpendelte und dieses nur selten verließ. Etwa bei der Arie der Israelitin „O Freiheit“, von der Sopranistin Deanna Breiwick mit viel Ausdruck gesungen, und in der irren Koloraturarie des Simon „Der Herr ist gewaltig“ des famosen Bassisten João Fernandes. Auch Kenneth Tarver (Judas) und Sophie Harmsen (Israelit) überzeugten mit viel Stimmpower.

Doch wenn Laurence Cummings sich als Dirigent auf die Einsätze sowie gelegentliches Nachsteuern beschränkt und vorrangig als Cembalist agiert, laufen viele Sätze einfach durch. Man würde sich mehr Tempoflexibilität, agogische Gestaltung und dynamische Differenzierung wünschen. Auch mehr Variationen in den Da-capo-Teilen der Arien. Da gibt es heute interessantere Händel-Ansätze.

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