Aufführung mit Universitätschor und Barockorchester

Händels Messias in Johanniskirche: Höchstgenuss bei den Festspielen

Göttingen. Bei den Händel-Festspielen in Göttingen stand am Donnerstag Händels Oratorium „Messias“ auf dem Programm.

Der Autor war dabei und berichtet aus der Ich-Perspektive, da er selbst den „Messias“ schon mehrmals im Chor gesungen hat.

Vor vier Jahren sang ich dieses Oratorium in der Berliner Philharmonie mit über 1000 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung des langjährigen Chefs des Berliner Rundfunkchors, Simon Halsey. Ein Jahr später wurde der „Messias“ in Salzburg aufgeführt. Ich war mit 150 Sängerinnen und Sängern dabei. Und vor einem Jahr und in diesem Jahr war ich einer der Sänger von 400 beim „Messias“ in Halle an der Saale.

Nun aber wollte ich dieses dreistündige Oratorium aus der Perspektive des Zuhörers erleben. Da passte es sehr gut, dass der „Messias“ in der St. Johanniskirche dargeboten wurde. Einstudiert wurde das Oratorium vom Universitätschor unter der Leitung des Akademischen Musikdirektors Ingolf Helm, begleitet vom Göttinger Barockorchester. Die Solisten waren Theresa Sommer (Sopran), Anna Bineta Diouf (Alt), Manul König (Tenor) und Yannick Spanier (Bass).

Eines vorweg: Es war für mich ein Höchstgenuss, ich neigte aber dazu, mitzusingen, was sich meine Nachbarn zur Linken und zur Rechten verständlicherweise verbeten hätten.

Ein kleines, aber überaus feines Barockorchester, das erst gar nicht versuchte, sich in den Vordergrund zu spielen. Eine Altistin, die unglaublich pointiert, sehr ausdrucksstark und sich mit einer exzellenten Aussprache der Konsonanten in die Herzen der Zuhörer sang. Auch der Tenor war ein Ohrenschmaus. Manuel König setzte gleich zu Anfang mit dem gesanglichen Eingangsstück „Comfort ye my people“ die Latte für die anderen Solisten sehr hoch. An diese reichte neben Anna Biuneta Diouf auch die Sopranistin Theresa Sommer, die allerdings etwas hektisch begann, als wolle sie das von Ingolf Helm durchaus eher gemäßigte Tempo vorgeben, heran. Nicht ganz so der Bassist Yannick Spanier, der gleich in seiner zweiten Solopartie einen Hänger hatte, sich dann aber steigerte.

Im Gegensatz zu meinen Auftritten mit über 100 Basssängern in Berlin und 40 in Halle, wo sich der eine oder andere schon einmal einen Gesangsfehler erlauben konnte, ohne dass er in der Masse auffiel, wurde in St. Johannis von jeder Sängerin und jedem Sänger absolute Präzision verlangt. Denn lediglich 14 Sopranstimmen, 19 Altstimmen und je zehn Tenöre und Bässe standen auf der Bühne.

Leise Töne

Während in der Berliner Philharmonie ein bombastischer Klangkörper herrschte, auch in Halle das Voluminöse im Vordergrund stand, ging es Ingolf Helm eher um die leisere, jedoch präzisere und getragene Variante. Dass auch diese Art, Händels „Messias“ eben mit leisen Tönen vorzutragen, ankommt, zeigte der nicht enden wollende Applaus in der sehr gut besuchten St. Johanniskirche.

Von Walter Gleitze

Rubriklistenbild: © Gleitze

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