Schmierereien und Attacken

Häufung von rechten Übergriffen in Göttingen?

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Die sogenannte Lebensrune Elhaz an einer Säule der Uni-Bibliothek: Sie spielt in der nationalsozialistischen und rechtsextremen Symbolik eine wichtige Rolle.

Durchtrennte Bremsschläuche von Fahrrädern und nationalsozialistische Schmierereien an der Universität: Die Wohnrauminitiative Göttingen und der Stadtverband der Grünen beklagen eine Häufung von mutmaßlich rechtsradikalen Übergriffen in Göttingen.

Durchtrennte Bremsschläuche von Fahrrädern und nationalsozialistische Schmierereien an der Universität: Die Wohnrauminitiative Göttingen und der Stadtverband der Grünen beklagen eine Häufung von mutmaßlich rechtsradikalen Übergriffen in Göttingen.

In der Nacht zu Montag wurden nach Angaben der Wohnrauminitiative mehrere Fahrrad-Bremsschläuche vor den Häusern am Kreuzbergring und in der Goßlerstraße durchschnitten. „Der Vorfall reiht sich in eine Kontinuität rechter Gewalt in Göttingen ein. Wenn Leute unbemerkt mit gekappten Bremsschläuchen fahren, werden schwerste Verletzungen oder gar Schlimmeres mindestens billigend in Kauf genommen“, erklärte Marianne Albers, Sprecherin der Initiative.

Bei der Polizei angezeigt wurden die Fälle aber offenbar nicht. „Das 4. Fachkommissariat hat aufgrund der nun vorliegenden Informationen von Amts wegen Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (Hakenkreuze) gegen Unbekannt eingeleitet“, teilte die Göttinger Polizei auf Anfrage mit.

Der Stadtverband der Grünen fordert eine rasche Aufklärung und kritisiert eine Zunahme rechtsgerichteter Schmierereien und Angriffe. „Die Taten nehmen in ihrer Häufigkeit zu. Ziel sind religiöse Minderheiten und Menschen, die sich gegen Rechts positionieren“, erklärte Marie Kollenrott vom Grünen-Stadtvorstand.

Ein Haus der Wohnrauminitiative Göttingen am Kreuzbergring: Hier wurden offenbar Bremsschläuche von Fahrrädern durchtrennt.

Als konkrete Beispiele nenen die Grünen rechte Schmierereien am Platz der Synagoge im August, die Schändung der Gräber des muslimischen Friedhofs in Northeim und einen gewalttätigen Angriff mit Körperverletzung am Theaterplatz, bei dem ein rechter Hintergrund nicht ausgeschlossen werden könne.

Damals waren zwei Göttinger von zwei unbekannten Männern und einer Frau zunächst angepöbelt und dann mit Eisenstangen angegriffen worden. Eines der Opfer erlitt dabei schwere Gesichtsverletzungen, unter anderem einen Kieferbruch. Aufgeklärt wurde diese Tat bislang nicht.

„Wir gehen aufgrund der bislang gewonnenen Erkenntnisse auch hier von einer politisch motivierten Straftat aus. Die Ermittlungen dazu dauern an, wozu auch die Motiverforschung gehört“, teilte die Polizei dazu mit.

Die Wohnrauminitiative beklagt zudem rechtsradikale Graffitis an ihren Häuserwänden und einen Angriff mit Pyrotechnik in der Roten Straße im Oktober. Albers hält angesichts der Vielzahl von Taten, insbesondere in Bezug auf die durchtrennten Bremsschläuche, fest: „Es ist bei solchen Übergriffen auch die Stadtgesellschaft gefragt. Dies ist nicht nur ein Angriff auf die selbstverwalteten Wohnprojekte, sondern ein Angriff auf alle, die nicht in das Weltbild der Rechten passen.“

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