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Häusliche Gewalt nimmt zu – Polizei Göttingen startet Kampagne

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Von: Melanie Zimmermann

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Fälle von Häuslicher Gewalt nehmen immer mehr zu. Die Polizei Göttingen startet nun eine Plakat-Kampagne, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Göttingen – In den vergangenen zwei Jahren haben die Fälle häuslicher Gewalt „erheblich zugenommen“. Das berichtet Kriminalhauptkommissarin Corinna Klaus-Rosenthal von der Polizeiinspektion Göttingen. Mit ihrer aktuellen Kampagne will die Polizei in der Uni-Stadt nun einen neuen Weg gehen, Betroffenen Hilfe anzubieten, aber auch nicht direkt betroffene Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Eine Frau mit einem mehr als auffälligen Veilchen im Gesicht, die Augen zusammengekniffen, ihr Mund mit Klebeband zum Schweigen gezwungen: Mit diesem eindringlichen Plakatmotiv macht die Polizeiinspektion Göttingen nun in ihrer neuen Kampagne auf häusliche Gewalt aufmerksam. „Was tun?“ steht in mehreren Sprachen auf dem Plakat. Die Antwort liefert der QR-Code unten rechts in der Ecke.

Fälle von Häuslicher Gewalt nehmen immer mehr zu

„Wer diesen mit seinem Smartphone scannt, wird direkt auf unsere Präventionsseite im Internet geleitet. Dort finden sich dann zahlreiche Verlinkungen zu unterschiedlichen Anlaufstellen und Einrichtungen, um sich selber oder auch anderen zu helfen“, erklärt Klaus-Rosenthal. Auch „Täter“ könnten sich auf der Seite informieren und sich so Hilfe zu holen, betont die Polizeibeamtin.

Hilfe bei Häuslicher Gewalt: Im Salon Lange von Inhaberin Sophia Philipp (Mitte) werden ab sofort die Plakate zu sehen sein. Hier steht sie gemeinsam mit Janne Wand vom Frauen-Notruf Göttingen (links) und Kriminalhauptkommissarin Corinna Klaus-Rosenthal vor ihrem Salon in Weende.
Hilfe bei Häuslicher Gewalt: Im Salon Lange von Inhaberin Sophia Philipp (Mitte) werden ab sofort die Plakate zu sehen sein. Hier steht sie gemeinsam mit Janne Wand vom Frauen-Notruf Göttingen (links) und Kriminalhauptkommissarin Corinna Klaus-Rosenthal vor ihrem Salon in Weende. © Melanie ZImmermann

Die Beiträge auf der Internetseite werden aktuell in Deutsch, Russisch, Englisch, Rumänisch, Türkisch und Ukrainisch angeboten. „Auch Polnisch wird demnächst ergänzt, weitere Sprachen werden dazukommen“, so Klaus-Rosenthal. Wie wichtig auch Mehrsprachigkeit in dieser Kampagne ist, verdeutlich Janne Wand vom Frauen-Notruf Göttingen.

„Rund 30 Prozent der bei uns eingehenden Fälle haben einen Migrationsanteil.“ Der Verein kümmert sich in Göttingen und der Umgebung um Frauen sowie um Kinder und Jugendliche mit dem Verein Phoenix, die Opfer sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt, aber auch von Stalking und digitalisierter Gewalt werden.

Polizei Göttingen startet Plakat-Kampagne gemeinsam mit Frauen-Notruf

Allein im vergangenen Jahr betreute der Frauen-Notruf 981 Fälle, in denen Gewalt an erwachsenen Frauen oder in der Kindheit eine Rolle spielte. Hinzu kamen 314 Fälle von Gewalt an Kindern und Jugendlichen. „Allein 600 der Fälle kamen aus Stadt und Landkreis Göttingen“, ergänzte Wand. Im Schnitt betreue der Frauen-Notruf gemeinsam mit Phoenix 1200 Fälle pro Jahr.

Dabei arbeite der Verein eng mit der Polizeiinspektion zusammen. Als sogenanntes Beratungs- und Informationszentrum (BIZ) nimmt der Frauen-Notruf mit Betroffenen Kontakt auf, die sich bei der Polizei melden.

Der Bedarf ist derart hoch, dass es in dem Umfang für uns eigentlich nicht mehr zu schaffen ist. Wir sind am Limit.

Janne Wand, Frauen-Notruf Göttingen

„Wir bekommen die Informationen von der Polizei und setzen uns umgehend mit den betroffenen Personen in Verbindung“, erklärt Wand, die auch ganz deutlich machte, dass das Limit des Frauen-Notrufs bei der Bearbeitung von weiteren Fällen personell längst erreicht sei. „Der Bedarf ist derart hoch, dass es in dem Umfang für uns eigentlich nicht mehr zu schaffen ist. Wir sind am Limit.“

Plakat-Kampagne zum Thema Häusliche Gewalt: Frauen über Hilfsmöglichkeiten informieren

Aber natürlich könne sich trotzdem jede betroffene Person, die Hilfe braucht, nach wie vor an den Frauen-Notruf wenden. Sophia Philipp, Inhaberin des Friseursalons Lange in Göttingen-Weende, glaubt, dass ihr Salon ein guter Ort ist, um mit den Plakaten auf die neue Kampagne aufmerksam zu machen.

„In der Regel geht man eher alleine zu einem Friseurtermin. Wenn nun eine Kundin oder auch ein Kunde dabei ist, der sich vielleicht in einer solchen Situation befindet oder jemanden in einer derartigen Lage kennt, können sie sich hier ganz unbemerkt darüber informieren, wo sie Hilfe bekommen können“, ist sie sich sicher.

Tatsächlich zielt die Plakat-Kampagne genau auf solche Orte ab. Orte, die eventuell Betroffene auch mal alleine aufsuchen, wie Arztpraxen, Supermärkte, Krankenhäuser. „Deswegen hoffen wir, dass so viele Einrichtungen wie möglich bei der Aktion mitmachen“, so Corinna Klaus-Rosenthal. 500 Plakate seien zunächst gedruckt. Je mehr am Ende aufgehängt werden, desto besser. Mehr Informationen finden Sie hier. (Melanie Zimmermann)

Laut einer Auswertung des Bundeskriminalamtes werden zunehmend mehr Frauen in Deutschland Opfer von Partnerschaftsgewalt. Der Frauen-Notruf Göttingen hat eine Spende von 4000 Euro erhalten.

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