37-Jähriger soll einer Studentin nachgestellt haben

Hallenser steht wegen Stalking-Verdachts vor dem Amtsgericht Göttingen

Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen
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Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier begann der Prozess gegen den 37-Jährigen.

Wegen andauernden beharrlichen Stalkings muss sich seit Dienstag ein 37-jähriger Mann aus Halle vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten.

Göttingen – Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen in Göttingen lebenden Angeklagten vor, seit Dezember 2018 einer 29-jährigen Studentin nachgestellt und sich wiederholt über gerichtliche Anordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz hinweggesetzt zu haben.

Die 29-Jährige sei durch diese Nachstellungen in ihrer Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, so dass ihr keine Tagesroutine mehr möglich sei. Wegen der gravierenden psychischen Folgen befinde sie sich in therapeutischer Behandlung, unter anderem leide sie an Angststörungen und Panikattacken.

Laut Anklage hatte die aus Göttingen stammende 29-Jährige den 37-Jährigen im Oktober 2014 zu Beginn ihres Studiums in einer Bar in Halle kennengelernt. Nach einem halben Jahr sei die Verbindung im Sande verlaufen. Der Angeklagte habe später wieder Kontakt gesucht und ihren Wunsch nach Distanz nicht akzeptiert. Er habe ihr unbefugt nachgestellt und einen zweiten Wohnsitz in der Nähe ihres Göttinger Elternhauses genommen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte ihm bereits im Oktober 2018 das Amtsgericht Halle untersagt, für einen Zeitraum von sechs Monaten Verbindung zu ihr aufzunehmen. Später folgten weitere Anordnungen des Amtsgerichts Göttingen, die ihm untersagten, sich der Studentin weniger als 100 Meter zu nähern. Der 37-Jährige soll sich jedoch zwischen Dezember 2018 und Mai 2020 immer wieder über diese Verbote hinweggesetzt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ihr bei Aufenthalten in der Göttinger Innenstadt nachgestellt zu haben. Er habe sich außerdem in der Nähe des Wohnhauses ihrer Eltern aufgehalten, wenn sie sich dort aufhielt. Im Juli vergangenen Jahres sei er auf die Garage eines Nachbarhauses geklettert und habe von dort aus die Hochzeitsfeier ihres Bruders im Garten beobachtet. Er sei ihr wiederholt mit dem Auto gefolgt und sei vor dem Haus der Eltern auf- und abgefahren. Bei einem anderen Vorfall habe er ihr nachgestellt, als sie sich mit ihrem Lebensgefährten in einem Lokal aufhielt. Er habe sie von außen beobachtet und gegen die Scheibe gehämmert. Außerdem soll er am Auto ihres Freundes unter einem Vorderreifen Schrauben platziert haben. Da der Freund die Schrauben noch zufällig entdeckt habe, bevor er losfuhr, sei kein Schaden entstanden.

Der Angeklagte - heller Anzug, blütenweißes Hemd und dunkle Krawatte - forderte zu Beginn der Verhandlung, die Öffentlichkeit auszuschließen. Das Gericht sah dazu allerdings keinen Anlass. Der 37-Jährige stritt alle Vorwürfe vehement ab und stellte sich als Opfer einer Verleumdungskampagne dar. Die 29-Jährige sei „durchtrieben“ und spinne in „machiavellistischer“ Manier ein beispielloses Netz von Intrigen. Der Prozess wird Mitte Oktober fortgesetzt. (Heidi Niemann)

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