1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Göttinger Wissenschaftler bekommen Finanzspritze: Hand-Orthese aus dem 3-D-Drucker

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Eine Gruppe aus vier jungen Menschen steht zusammen, einer von ihnen präsentiert eine Hand-Orthese aus dem 3-D-Drucker.
Das ist das Ding: Sie sind 3Digity, ein Start-Up aus Göttingen, das eine Hand-Orthese aus dem 3-D-Drucker produzieren und damit die Rehabilitation deutlich verbessern will - Claudio Garcia (Zweiter von links) zeigt sie. © UMG/M. Hundertmark

In Göttingen ist eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin (UMG) dabei, eine revolutionäre Technik für die Hand-Rehabilitation zu entwickeln.

Göttingen – Nach einer Verletzung die Hand wieder bestmöglich herzustellen, ob als ersetzende Prothese oder unterstützende Orthese: Daran arbeiten weltweit Techniker, Computer-Spezialisten, Therapeuten und Mediziner.

Das Göttinger Start-Up „3Digity“ entwickelt auf einzelne Patienten abgestimmte, also individualisierte, robotische Orthesen zur Handrehabilitation, die Patienten sowie behandelnden Ärzten und Therapeuten neue Möglichkeiten verschaffen sollen.

Dafür wird die Hand digital vermessen, mithilfe dieser Daten werden automatisiert auf den Patienten maßgeschneiderte Orthesen gefertigt. Der 3D-Druck hilft dabei, diese Produkte schnell in den Prozess der Rehabilitation zu bringen.

Vierköpfiges Forschungsteam mit Expertisen aus unterschiedlichen Bereichen

Hinter dem seit 2019 bestehenden Projekt „3Digity“ steht ein vierköpfiges Forschungsteam, das neben praktischer Erfahrung aus der Medizintechnik auch Expertise aus der Physiotherapie und der Betriebswirtschaft mitbringt. Die Basis legten wissenschaftliche Arbeiten einiger der Teammitglieder.

„Unser Ziel ist, die Technologie in den Markt zu bringen und ein Unternehmen auszugründen“, umreißt Projektleiter Claudio Garcia klar die Planung. „Aktuell verfügen wir über funktionsfähige Prototypen, die nun die Markreife erlangen sollen.“

Dabei hilft nun ein unerwarteter Anschub: Für den Start in eine mögliche Unternehmensausgründung erhält ihr Projekt „3Digity“ mehr als eine Million Euro Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Damit sollen die Personal- und Sachausgaben in den kommenden zwei Jahren bezahlt werden.

„Die Förderung ist ein wichtiger Anschub für uns: Sie ermöglicht es uns, nun mit dem notwendigen Zertifizierungsprozess und der Vorbereitung einer klinischen Studie zu starten“, beschreibt Teammitglied Dr. Julie Kux.

In anderthalb Jahren könnte Technologie Patienten zur Verfügung stehen

Nach der Förderphase von zwei Jahren sind klinische Prüfungen an Patienten und danach der Abschluss der notwendigen Zertifizierung geplant, schildert Claudio Garcia auf Anfrage unserer Zeitung. Das werden noch 12 bis 18 Monate in Anspruch nehmen. Und dann könnte die Technologie – die revolutionäre Handorthese aus dem 3-D-Drucker – den Patienten zur Verfügung stehen.

Fachlicher Mentor des Teams ist Prof. Dr. Arndt Schilling, Leiter Forschung und Entwicklung der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie der UMG. Er sagt: „Das Projekt hat großes Potenzial.“ Konkret erwartet Schilling, „dass durch 3Digity Patienten schneller und besser behandelt werden können“.

Eine Zusammenarbeit mit dem größten Medizintechnikversorger weltweit, Ottobock aus Duderstadt, laufe derzeit noch nicht. Laut Garcia ist eine künftige Kooperation „denkbar“. Unterstützt wird „3Digity“ weiter vom „Transfer & Startup Hub“ der Uni Göttingen, der das Projekt während des Antragsverfahrens begleitete, was letztlich eine Kernaufgabe dieser Einrichtung ist: Ausgründungen zu fördern. (Thomas Kopietz)

Auch interessant

Kommentare