Kritik

Elektromobilität in Niedersachsen: „So wird das nichts mit der Verkehrswende und Klimaschutz“

Die lahmende Elektromobilität soll in Gang kommen: Innenminister Boris Pistorius (rechts) und Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe (vorne links) stellten am Dienstag acht neue E-Motorräder in den Dienst. Niedersachsen hinkt den Zielen hinterher. 
+
Die lahmende Elektromobilität soll in Gang kommen: Innenminister Boris Pistorius (rechts) und Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe (vorne links) stellten am Dienstag acht neue E-Motorräder in den Dienst. Niedersachsen hinkt den Zielen hinterher. 

Niedersachsen hinkt seinen Zielen in Sachen Elektromobilität hinterher. Dies hat Sven-Christian Kindler (Die Grünen) aus Hannover herausgefunden. Es gibt zu wenig Stromtankstellen, auch die Zulassungszahlen für E-Autos lassen zu wünschen übrig. Eine Spurensuche. 

  • Niedersachsen hinkt seinen Zielen in puncto Elektromobilität hinterher
  • Das hat ein Politiker der Grünen in Hannover ans Licht gebracht 
  • Millionenschwerer Förderprogramm sollen helfen 

Hannover/Göttingen - Niedersachsen hinkt beim Thema Elektromobilität hinterher. Das hat eine Anfrage eines Grünen-Bundestagsabgeordneten ans Licht gebracht.

Elektromobilität in Niedersachsen: Politiker möchte in Hannover Vorbild sein 

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) möchte Vorbild sein. Sein neuer Dienstwagen werde eine Elektro-Limousine, kündigt der Ressortchef im Gespräch  an. „Die Ausschreibung läuft.“ Das Problem: Anders als beim bisherigen VW E-Golf des Ministeriums mit einer Reichweite von rund 180 Kilometern sollen die Batterien des neuen Gefährts mindestens 350 bis 400 Kilometer schaffen. Schließlich gilt es, im Flächenland Niedersachsen alle Termine auch in abgelegenen Regionen rechtzeitig zu erreichen. Zwischendurch mal schnell zu laden, ist vielerorts schwierig. „Das ist nicht ohne“, gibt Lies zu.

Hannover: Abgeordneter bringt das Hinterherhinken Niedersachsens ans Licht 

Wie weit das Land bei der Elektromobilität tatsächlich hinterher hinkt, hat nun eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler aus Hannover ans Licht gebracht. 

Danach gab es Anfang des Jahres in ganz Niedersachsen insgesamt nur 1004 öffentliche Strom-Tankstellen mit 1659 Normalladepunkten mit einer maximalen Leistung bis zu 22 Kilowatt sowie 233 Schnellladepunkte mit mehr als 22 kW. 259 Ladestationen wurden 2019 neu in Betrieb genommen. Deren Aufbau wurde vom Bund mit 465 594,54 Euro gefördert, heißt es in der Auskunft des Ministeriums.

Politiker reagiert auf Versäumnisse in Niedersachsen: „So wird das nichts mit der Verkehrswende und Klimaschutz.“

Zwar ist die Anzahl der Säulen und ihrer Ladepunkte in Niedersachsen laut Bundesnetzagentur bis Mai noch einmal um gut 300 gestiegen, doch für den Grünen-Parlamentarier ist das viel zu wenig. „Der Förderbetrag ist ein schlechter Witz“, kritisiert Kindler. „So wird das nichts mit der Verkehrswende und Klimaschutz.“

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und sein niedersächsischer Amtskollege Bernd Althusmann (CDU) müssten den Ausbau der Ladesäulen deutlich beschleunigen. Wichtig seien auch Kaufanreize für Elektrofahrzeuge sowie ein klarer Pfad zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.

Bundesministerium: Wenige Zulassen von Elektroautos in Niedersachsen 

Im vergangenen Jahr wurden laut Bundesministerium im Autoland Niedersachsen lediglich 6347 reine Elektro-Fahrzeuge zugelassen, davon nur 1877 von Privatpersonen. Mit über 2600 neu zugelassenen E-Autos lag immerhin der heimische Hersteller Volkswagen. Dazu kamen 3215 Plug-in-Hybride, deren Akkus sich nicht nur über den Verbrennungsmotor, sondern auch am Stromnetz aufladen lassen.

Nachrichten aus Hannover: Millionenschwere Förderung für Elektroautos 

Althusmann will jetzt mit mehreren millionenschweren Förderprogrammen Tempo machen. „Wir wollen die Grundlage dafür schaffen, dass niemand in Niedersachsen mehr lange suchen muss, bis er die nächste E-Ladesäule gefunden hat.“ Das Land unterstütze Mittelstand und Handwerk bei der Lade-Infrastruktur, damit Unternehmen ihre Fahrzeuge auf E-Mobilität umstellen könnten. Außerdem werde man ein flächendeckendes Netz von Schnellladesäulen mit mindestens 100 KW schaffen, verspricht Althusmann. Das Land will auch bei den eigenen Behörden die Lade-Infrastruktur ausbauen und Fahrzeuge auf emissionsarme Antriebe umstellen.

Von Peter Mlodoch 

Der nordhessische Landkreis Werra-Meißner möchte zur Modellregion in Sachen Elektromobilität werden.  Einen entsprechenden Antrag haben die Kreistagsfraktionen von SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und FDP gemeinsam formuliert.

Der Volkswagen-Konzern wird in den nächsten Jahren deutlich Personal reduzieren. Das machte Vorstandsvorsitzender Herbert Diess bei der Jahrespressekonferenz 2019 in Wolfsburg deutlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.