Göttinger SPD-Größen berichten über ihre Begegnungen

Erinnerungen an Hans-Jochen Vogel, den „Göttinger“

Inge Wettig-Danielmeier, Hans-Jochen Vogel , Herta Däubler-Gmelin und Willy Brandt
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SPD-Parteitag: Hans-Jochen Vogel erhält aus den Händen von Inge Wettig-Danielmeier den Blumenstrauß zur Wahl als Parteivorsitzenden. Zu sehen sind auch Herta Däubler-Gmelin und Willy Brandt.

Wieder ist ein großer Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gegangen – und ein bekanntes Kind der Stadt Göttingen: Hans-Jochen Vogel wurde 94 Jahre alt.

Göttingen – Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte Vogel in einem Seniorenheim in München – die ersten Jahre hatte er in Göttingen gelebt, wo er am 3. Februar 1926 geboren worden war. Sein Vater Hermann war Diplom-Landwirt und hatte sich an der Göttinger Universität habilitiert, wechselte Mitte der 30er-Jahre an die Uni Gießen als Ordinarius für Tierzucht und Milchwirtschaft. Dort machte Hans-Jochen Vogel 1943 das Abitur. In Göttingen hatte er bis 1935 das Max-Planck-Gymnasium (MPG) besucht.

„Den Bezug zu seiner Geburtsstadt hatte Hans-Jochen Vogel nie verloren, er kam gelegentlich zu Besuch“, beschreibt Klaus Wettig (80), ehemaliger Europa-Abgeordneter aus Göttingen. Und wenn Hans-Jochen Vogel in Göttingen war, dann besuchte er gerne auch Klaus Wettig und dessen Ehefrau Inge Wettig-Danielmeier. Die einstige Bundesschatzmeisterin der SPD, Bundestagsabgeordnete (1990 bis 2005) und eine der großen Damen der deutschen Sozialdemokratie verband viel mit dem einstigen SPD-Chef: „Ich konnte Hans-Jochen Vogel ein politisches Wegstück begleiten“, sagt die 83-Jährige. „Wir gehörten beide dem SPD-Parteivorstand ein gutes Jahrzehnt an, für die Bundestagswahl 1983, bei der er als Kanzlerkandidat der SPD antrat, berief er mich in sein Regierungsteam.“

Ministerin wurde die Inge Wettig-Danielmeier aber nicht, denn die SPD fuhr mit 38,2 Prozent ein denkbar schlechtes Ergebnis bei der Bundestagswahl ein. Die Union holte 48,8 Prozent. Für Vogel hieß das: Verantwortung übernehmen als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion – als Nachfolger von Herbert Wehner.

Hans-Jochen Vogel: Er starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren.

Für Inge Wettig-Danielmeier intensivierte sich die Zusammenarbeit mit Vogel ab 1987, als der am 23. März die Institution Willy Brandt als Parteivorsitzender ablöste – weil kein anderer in die großen Fußstapfen treten wollte, tat dies Vogel. Mit ihm brachte Wettig-Danielmeier den Quotenbeschluss für die SPD auf den Weg. So sollte es eine Gleichstellung von Frauen und Männern bei Ämtern und Mandaten geben. Hans-Jochen Vogel und Inge Wettig-Danielmeier bereiteten den Parteitag 1988 vor, auf dem wurde – nach längerer Debatte – das SPD-Statut geändert, das vorsieht: Männer und Frauen müssen gleichmäßig an Ämtern und Mandaten beteiligt werden.

„Die SPD-Vorstände und über unsere Abgeordneten auch die Parlamente haben sich seitdem verändert. Die Parität ist noch nicht erreicht, aber ein großer Schritt dahin vollzogen“, sagt die Göttingerin und ergänzt, dass Vogel mit der Durchsetzung des Quotenbeschlusses eine „herausragende Veränderung der SPD, aber auch der deutschen Parlamente“ bewirkt habe. „Damit wird er in besonderer Erinnerung bleiben.“ Bei Inge Wettig-Danielmeier und Klaus Wettig aber auch, weil sie nie den Kontakt verloren, auch bei Göttingen-Besuchen von Vogel, wo er spät auch auf Spurensuche nach dem Elternhaus und der Kindheit unterwegs war. Auch bei der Göttinger SPD war er wiederholt zu Gast. Klaus Wettig verfasste zudem öffentliche Geburtstag-Grussworte für Vogel. Ein Test über Hans-Jochen Vogel wird auch im neuen Wettig-Buch „Soziale Demokratie und Geschichte“ zu lesen sein. Es erscheint Mitte September, einige Wochen nach Wettigs 80. Geburtstag, den dieser am 15. August feiern wird. (Von Thomas Kopietz)

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