Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten

Harmlose Politik-Debatte in der Alten Mensa

Tagungszentrum: In der Alten Mensa am Wilhelmsplatz in Göttingen finden auch Kultur- und Wissenschaftsveranstaltungen statt – wie jetzt die Podiumsdiskussion mit Bundestagskandidaten im Wahlkreis. Archivfoto: nh

Göttingen. Die IHK Südniedersachsen und das Göttinger Tageblatt luden Dienstag zur „Elefantenrunde“. Die Kandidaten von fünf Parteien trafen aufeinander.

Der HNA-Schnellcheck zur Podiumsdiskussion im Tagungszentrum Alte Mensa.

? Welche Kandidaten waren da?

!Thomas Oppermann (SPD), der drei Mal den Wahlkreis gewonnen hat, Fritz Güntzler (CDU), Jürgen Trittin (Grüne), Konstantin Kuhle (FDP) und Konrad Kelm (Linke). Sie wurden zu Beginn mit Statements zu ihren politischen Zielen in kurzen Einspielfilmen vorgestellt.

?Wie viele Gäste kamen in den Saal in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz?

!Nur etwa 100 Menschen wollten die Kandidaten sehen und hören, die meisten waren Unternehmer und Selbstständige.

?Wer moderierte das Podiumsgespräch?

!IHK-Südniedersachsen-Geschäftsführer Martin Rudolph und Uwe Graells, Geschäftsführer/ChefredakteurGöttinger Tageblatt. Beide waren zwar gut präparierte, aber (zu) brave Fragesteller. So konnten sie die Medienprofis Oppermann und Trittin nicht aus der Reserve locken. Für Esprit sorgten die Fragen aus dem Publikum zu Strompreisen, Bürokratieabbau und Schul- und Bildungspolitik.

?Wie war die Stimmung über die gut zwei Stunden Dauer?

!Friedlich und von Respekt geprägt – bei Kandidaten und im Publikum. Es gab keine Zwischenrufe, dafür vereinzelt Applaus. Teilweise wurde gewitzelt und es gab auch gelegentlich Selbstkritik.

?Welche Themen wurden abgefragt?

!Die Steuerpolitik und die IHK-Liste dazu, Fachkräftemangel/Bildung/Einwanderung, Digitalisierung.

?Gab es Attacken der Kandidaten gegeneinander?

!Alles blieb im Rahmen, verteilt wurden nur Spitzen – Güntzler gegen Oppermann, Oppermann gegen Güntzler und Trittin gegen alle.

?Wie schlugen sich die einzelnen Politiker?

!Hier eine knappe Zusammenfasstung:

Thomas Oppermann – der Titelverteidiger: Gewohnt souverän und geschliffen in seinen Aussagen. Der Medienerfahrene wirkte gut vorbereitet, hat zudem ein großes Repertoire, das er abruft.

Fritz Güntzler – der Herausforderer: Die Wirtschaftlastigkeit der Themen kamen dem Steuerberater und Finanzpolitiker entgegen. Dabei natürlich topinformiert. Nach anfänglicher leichter Unsicherheit später souveräner, mutiger, locker und witzig.

Jürgen Trittin – der alte grüne Hase: Fundierte Beiträge, da blitzte die alte Kampfeslust auf, humorvoll und locker vertrat er altgrüne politische Ziele. Vielleicht der Punktsieger, weil er sogar bei dem eher Grünen-kritischen Publikum gut ankam.

Konstantin Kuhle – der Unverbrauchte: Positive Überraschung, nach anfänglicher Unsicherheit fand er zu seinem Spiel: gute, kämpferische und strukturierte Wortbeiträge mit alten liberalen Gedanken – mit klaren Forderungen für eine digitale Zukunft und bessere Ausbildung.

Konrad Kelm – der Underdog: Er hat die geringste politische Erfahrung – auch auf Podien. Der in der Flüchtlingsarbeit engagierte Göttinger glänzte aber, als er emotional über die Probleme der Flüchtlinge sprach, auch darüber, wie schwer es ist, in Arbeit und Ausbildung zu kommen. Geringste Redezeit.

?Wer erntete den Lacher des Abends?

!Das Duo Oppermann/Güntzler: Oppermann gab Ratschläge, wie man bei Anträgen im Wahlkreis helfen könnte, „in Deinem Wahlkreis“, sagte er zu Güntzler. Der konterte: „Das ist noch Dein Wahlkreis!“ Und Jürgen Trittin für die Aussage: Im kleinen, abgesteckten Territorium Schleswig-Holstein könnten sie die Jamaika-Koalition ausprobieren. Gleichwohl habe er Probleme im engen Miteinander mit der „ökologieunfreundlichsten“ Partei FDP.

?Wer bekam den meisten Beifall?

!Konstantin Kuhle für seine Schilderung des kundenunfreundlichen und rückständigen Göttinger Finanzamt – mit dem er nur per Brief oder Fax kommunzieren sollte. Forderung: „Auch beim Staat müssen wir viel ändern.“

?Was forderten die anderen?

!Oppermann schloss sich Kuhle an und forderte ein stärkeres Dienstleistungsbewusstseins im öffentlichen Dienst, in den Behörden. Alle wollen Steuererleichterungen und mehr Ausgaben für die Bildung – und dabei einen stärkeren Einfluss des Bundes sowie eine Aufhebung des Kooperationsverbotes. Auch soll der Soli weg – SPD und CDU sind uneins, wann und wie. Ein Einwanderungsgesetz halten alle für nötig, auch, weil Deutschland Einwanderung braucht – siehe Fachkräftemangel.

?Was fiel sonst noch besonders auf?

!Es war eher ein Miteinander – große Differenzen blieben Mangelware. Auffällig: Politische Ziele in den Programmen sind teilweise identisch. Eine Profilierung fällt daher schwer.

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