Göttingen: Harte Riffs und zarte Stimmen im Stadion

Entspannte Atmosphäre beim „Picknick im Kreidekreis“ in Göttingen

Endlich wieder auf der Bühne: Kyles Tolone aus Göttingen rockten das Picknick im Kreidekreis im Jahnstadion mit harten Riffs, melancholischen Texten und solidarischen Aktionen.
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Endlich wieder auf der Bühne: Kyles Tolone aus Göttingen rockten das Picknick im Kreidekreis im Jahnstadion mit harten Riffs, melancholischen Texten und solidarischen Aktionen.

Das „Picknick im Kreidekreis“ war ein Festival der etwas anderen Art. Die Göttinger Sport- und Freizeit (GöSF) hat es am Wochenende im Jahnstadion organisiert. Es zog etwa 450 Menschen in seinen Bann.

Göttingen – Inspiriert von den New Yorker Kreidekreisen hatten die Veranstalter auf dem Rasen des Göttinger Jahnstadions 184 Kreidekreise für jeweils bis zu fünf Personen gezogen. Im Schneidersitz sitzend, liegend oder schunkelnd konnte das Publikum so in entspannter Atmosphäre den Bands auf der Bühne lauschen. Ein „cooles Konzept“, fanden die meisten Anwesenden. „Das hat auf jeden Fall mehr Potenzial als diese ‘Auto-Kino-Festivals’“, sagt ein Zuschauer.

Bei schönstem Sonnenschein am Samstag-Nachmittag und -Abend ist es vor allem die relaxte Stimmung, die Lust auf weitere Veranstaltungen dieser Art macht. Friedlich und gut gelaunt zelebriert jeder dieses Festival, wie er oder sie es mag – ob mit Camping-Stuhl oder Decke, ob mit Sonnenhut oder barfuß. Das Praktische: Um etwas zu essen und zu trinken, muss ich nicht einmal meinen Kreis verlassen. Entweder verzehre ich mein selbst mitgebrachtes Picknick oder ich bestelle per QR-Code mit dem Smartphone und bekomme Burger und Limonade direkt an den Platz gebracht.

Zarte Stimme und sonniges Gemüt: Die 21-jährige Marisabelle begeisterte mit ihrer Ukulele.

Bei hochsommerlichem Flair sind die meisten Leute gekommen, um einfach mal wieder ein Live-Konzert erleben zu können. „Nach so einer langen Durststrecke ist das echt mal wieder etwas Nettes“, sagt ein Zuschauer – und spricht den meisten anderen damit wohl aus der Seele. Ein anderer empfindet die Veranstaltung eher als „betreutes Ausgehen“, doch sein Freund insistiert sofort: „Das ist eine Einzelmeinung.“ Beide schauen sich an, lachen und haben weiter ihren Spaß.

Den haben auch die Protagonisten auf der Bühne. Sie bieten handgemachte und abwechslungsreiche Musik aus der Region. Project John – eigentlich Finn MacCormac – ist eine Ein-Mann-Band (mit Loopstation versteht sich) aus Kassel. In englischen Texten und mit selbst gebastelten Bass- und Schlagzeuglinien singt er über die Probleme des studentischen Alltags.

Mit zarter Stimmer, Ukulele und sonnigem Gemüt zieht Marisabelle das Publikum in ihren Bann. Erst seit einem Jahr macht sie so richtig Musik – kaum zu glauben, wenn man sieht und vor allem hört, wie sie Lieder aus den 1960er, 2000ern und ihre eigenen Songs performt.

Der Abschluss bleibt den Alternative-Rockern von Kyles Tolone aus Göttingen vorbehalten. Nach technischen Startschwierigkeiten, die Sänger Eric mit einer Solo-Nummer überspielt, legen sich die jungen Männer aus Südniedersachsen richtig ins Zeug. Für sie ist es „ein Befreiungsschlag, endlich wieder auf der Bühne zu stehen“, erklärt der Sänger. Er weist auch auf die Aktion #GöTeilt hin, mit der Göttinger Clubs unterstützt werden sollen.

Picknick in Kreidekreisen: Genügend Abstand und entspannte Stimmung auf dem grünen Rasen waren garantiert.

Und dann zeigen die vier Jungs, die in diesem Jahr eigentlich so richtig durchstarten wollten, einen gewohnt schwungvollen Auftritt: Harte Gitarren-Riffs, aber auch melancholische Texte erklingen. Die Vorbilder – Biffy Clyro oder Kings Of Lion – sind leicht auszumachen. Neben bekannten Songs spielen Kyles Tolone auch ein paar neue Sachen. Und natürlich verlangt das Publikum nach einer Zugabe.

Die darf es gerne auch für das Picknick im Kreidekreis geben. Schade nur, dass solche Events auch immer vom Wetter abhängig sind. Denn – wie sagte einer der Zuschauer?! – dieses Format hat auf jeden Fall Potenzial. (Andreas Arens)

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