Happy End für Pinselohren

Verwaiste Luchse im Harz: Experten retten drei Tiere vor dem Tod

Zwei Frauen nehmen einem Luchs Blut ab.
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Tierärztin Karolin Schütte nimmt bei einem Jungluchs Blut ab: Der verwaiste Luchs wurde im Herbst in Stiege im Ostharz eingefangen.

2020 war für die Mitarbeiter des Harzer Luchsprojekts ein ungewöhnliches Jahr. Doch am Ende nahm es ein glückliches Ende: Verwaiste Jungtiere wurden gerettet.

Rhüden/Göttingen - Dreimal mussten sie ausrücken, weil irgendwo ein junger Luchs gesichtet worden war, der offenbar seine Mutter verloren hatte. „So viele verwaiste Jungluchse wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, sagt der Leiter des Luchsprojekts, Ole Anders.

Da junge Pinselohren erst nach einem Jahr allein lebensfähig sind und bis dahin ohne die Fürsorge der Mutter verhungern oder an Krankheiten sterben würden, war es wichtig, die Tiere möglichst schnell zu finden und einzufangen. Die Rettungsaktion gelang: Alle drei Luchswaisen wurden gerettet und erfolgreich aufgepäppelt. Derzeit befinden sie sich in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen bei Hannover. Dort werden sie versorgt, bis sie im kommenden Frühjahr zur Auswilderung in den Harz zurückgebracht werden.

Der erste verwaiste Luchs wurde im Juli in der Feldmark bei Rhüden bei Goslar entdeckt. Spaziergänger hatten dort einen winzigen Luchs am Wegesrand sitzen sehen, berichtet Anders. Am nächsten Tag saß das erst wenige Wochen alte Luchsbaby immer noch mutterseelenallein dort. In diesem Fall war das Einfangen kein Problem: Das Tier ließ sich einfach am Nacken packen und in eine Kiste verfrachten. Sein Fell sei bereits stark verfilzt gewesen, berichtet Anders.

Entkräftetes Luchsbaby: Es wurde in Rhüden im Landkreis Goslar gefunden. Dr. Florian Brandes, Leiter der Wildtierstation in Sachsenhagen bei Schaumburg, kümmert sich um Waisen.

Das zweite Jungtier tauchte zunächst in der Goslarer Innenstadt auf. Es wurde schließlich mit einem Trick gefangen: Eine Grundstücksbesitzerin hatte die Harzer Luchsexperten darüber informiert, dass ein Luchs bei ihr im Garten das Futter für die Katzen gefressen habe. „Als der Luchs erneut dort auftauchte, haben wir ihm ein Rindersteak hingeworfen“, erzählt Anders. Der Luchs sei dann so beschäftigt mit diesem Leckerbissen gewesen, dass sie ihn mit einem Narkosepfeil betäuben und abtransportieren konnten.

Die dritte Rettungsaktion fand im Ostharz statt. Dort war ein verwaister Jungluchs zunächst an der Rappbodetalsperre gesehen worden. Später erhielten die Luchsexperten die Nachricht, dass sich das Tier im Ort Stiege aufhalte. Dort wurde das Tier nach mehreren erfolglosen Versuchen mit einem Narkosegewehr betäubt. „Das Tier war eigentlich nur noch Haut und Knochen.“

Der völlig entkräftete Luchs sei zunächst in ein Quarantänegehege gekommen. Inzwischen sind die drei Luchswaisen in einem gemeinsamen Gehege untergebracht. Die Dreier-WG funktioniert offenbar gut: Schon wenige Tage nach der Zusammenführung hätten die Luchse gemeinsam auf ihren Schlafplätzen gelegen, erläutert Dr. Florian Brandes, Leiter der Wildtierstation Sachsenhagen. Ein spielerisches Training sei eine gute Vorbereitung auf ihre Auswilderung, die im Frühjahr stattfinden soll. (Heidi Niemann)

Hintergrund: Luchsprojekt startete vor gut 20 Jahren

Vor knapp 200 Jahren wurde der letzte frei lebende Luchs im Harz geschossen. Mit dem Luchsprojekt Harz wurde Anfang des Jahres 2000 erstmals in Deutschland ein Wiederansiedlungsversuch für die größte europäische Katze gestartet. Inzwischen durchstreifen die Luchse wieder den gesamten Harz und verbreiten sich auch in angrenzenden Naturräumen. Das wird vom Luchsprojekt analysiert. luchsprojekt-harz.de
(Bernd Schlegel)

Thomas Haase sind seltene Aufnahmen gelungen. Der Jäger entdeckt mit einer Wärmebildkamera einen Luchs. Dann wird er Zeuge einer Jagdszene.

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