Neuer Hausbesitzer an der Untere-Masch-Straße 

Haus-Sanierung in Göttingen: Weil Mieter ausziehen sollen, regt sich Widerstand

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Streit um ein Mehrfamilienhaus an der Unteren-Masch-Straße in Göttingen: Betroffene wehren sich gegen den Auszug. 

Ein Mehrfamilienhaus an der Unteren-Masch-Straße 13 in Göttingen hat einen neuen Eigentümer. Das Haus soll saniert werden, dafür müssten die Mieter ausziehen. Doch die wehren sich.

Die Betroffenen haben sich inzwischen zu einer Initiative zusammengeschlossen und sich mit einem offenen Brief an die Stadtverwaltung gewandt. 

Darin werden beispielsweise die angebotenen Ersatzwohnungen kritisiert: „Die Wohnungen, die uns die Trident Real Estate, Tochter der Frankfurter Coreo AG, als Alternative anbieten, bedeuten für uns eine erhebliche Verschlimmerung unserer Wohn- und Lebensqualität plus Mietsteigerung und kürzeren Kündigungsfristen“, heißt es darin.

Laut der Mieter kümmert der Hausbesitzer nicht um Vandalismus, kaputte Lichter, Decken und Klingeln. „Trotzdem sind das unsere Wohnungen. Wir lassen uns nicht einfach herumschieben in noch schlechtere Wohnungen für mehr Geld“, machen Mieter deutlich.

Druck auf Betroffene

Unterstützung bekommen die betroffenen Mieter vom „BürgerInnenforum Waageplatzviertel“. Die Vertretung von Bewohnern des Viertels kritisiert den Eigentümer Coreo AG. Für das Forum sieht die Sachlage so aus: „Eine rechtliche Basis für die sogenannte Entmietung gibt es nicht, denn ein Sanierungsplan alleine ist kein ausreichender Kündigungsgrund.“ 

Daher greife die Coreo AG zu anderen Mitteln und versuche über „wiederholte Aufforderungen, sich schnellstmöglich eine neue Wohnung zu suchen und verschleppte Reparaturen, Druck auf die Bewohner“ auszuüben, heißt es vom Forum.

Klima der Angst

Eine Betroffene sagt zur Situation: „Das ist wirklich das Letzte. Ich wohne hier schon seit vielen Jahren und jetzt werde ich hier raus geekelt.“ Aus ihrer Sicht werde gezielt ein Klima der Angst geschürt und ausgenutzt, dass sich manche der Bewohner nicht so gut mit ihren Rechten als Mieter auskennen. 

„Das Angebot, man würde mir den Umzug auch zahlen, wenn ich nur schnell ginge, fühlt sich wie ein Bestechungsversuch an“, sagt die Bewohnerin.

Unterstützung

Das „BürgerInnenforum“ unterstützt die Betroffenen: „Uns ist wichtig, dass in diesem Viertel weiterhin ein soziales und nachbarschaftlichen Zusammenleben möglich ist. Das profitorientierte und unsoziale Handeln der Coreo AG stellen hierfür eine erhebliche Gefahr dar“, sagt Fabian Reineke vom BürgerInnenforum.

Appell an die Stadt

Die Betroffenen appellieren an die Stadt Göttingen: „Schützen Sie unser Recht auf bezahlbaren Wohnraum. Wir wollen nicht verdrängt werden und in Bruchbuden am Stadtrand hausen. Die Stadt darf unsozialen Entmietungen unter dem Deckmantel der Sanierung nicht tatenlos zuschauen, während sie behauptet sozialen Wohnraum zu schaffen.“

Coreo sagt nichts

Das betroffene Immobilienunternehmen Coreo AG wollte auf eine Anfrage unserer Zeitung keine Stellung nehmen. Felix Krekel, Leiter Finanzen, teilte lediglich mit, dass es seit 2018 zu keinen Anpassungen der Planungen gekommen sei und es deshalb auch zum Gebäude in der UM 13 „keine Neuigkeiten“ gebe.

Zahlreiche Göttinger Wohnungen kamen zur Coreo AG

Die Wohnungen an der Unteren-Masch-Straße 13 hat die Frankfurter Coreo AG nach Angaben des Online-Portals „Stadtentwicklung Göttingen“, das vom Geografen Michael Mießner betrieben wird, als Teil eines Immobilien-Deals erworben. Insgesamt kaufte das Unternehmen 432 Appartement in Göttingen und Umgebung. 

„Darunter sind Adressen in der Uni-Stadt, die in der Göttinger Öffentlichkeit einen schlechten Ruf haben, aber zumindest innenstadtnah Wohnungen bieten und deren Mieten noch vom Sozialamt gezahlt werden können“, berichtet Mießner in seinem Portal. Er spricht von einem Kaufpreis von 9,3 Millionen Euro für das gesamte Wohnungspaket. 

Experte vermutet, dass die Mieten anziehen

Mießner vermutet, dass sich die Coreo AG auf die Objekte Groner Landstraße 9-9a, Maschmühlenweg 4-6, Untere-Masch-Straße 13, Hagenweg 20-20a, Sollingstraße 3 konzentrieren will. Mießner geht davon aus, dass die Mieten in den betroffenen Objekten deutlich anziehen werden. 

Die Coreo Aktiengesellschaft ist laut Michael Mießner im Jahr 2016 aus einem Beteiligungsunternehmen für Nanotechonologie hervorgegangen. Mießners Einschätzung zu dem Investor: „Die Coreo AG ist ein finanzmarktgetriebener Investor, dessen Präsenz in Göttingen zeigt, dass hier durch Sanierung, Verdrängung und massive Steigerung der Mieteinnahmen eine bestehende Renditelücke geschlossen werden könnte und allzu zeitnah auch geschlossen werden wird.“

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