Weststadt in Göttingen

Hausbewohner sind sauer: Demo nach Kakerlaken-Alarm

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Demonstration: Lars Stanze (rechts) während der Aktion gegen die Kakerlaken. Sein Mitstreiter wollte namentlich nicht genannt werden.

Göttingen. Kakerlaken und anderes Ungeziefer möchte wohl niemand gerne in seiner Wohnung haben. Genau das ist aber in einigen Mietshäusern in der Göttinger Weststadt der Fall.

Betroffen ist unter anderem das Mehrfamilienhaus Hagenweg 20. Und genau dagegen gehen jetzt einige Bewohner auf die Barrikaden. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt Lars Stanze. Seit einem Jahr wohnt der 55-jährige Ein-Euro-Jobber in dem Haus im Hagenweg. „Als Hartz IV-Empfänger hast du in Göttingen keine große Wahl, wenn du eine Wohnung suchst“, sagt er.

Als er den Mietvertrag unterschrieb, habe ihm aber niemand gesagt, auf was er sich da einlässt. „Schon am zweiten Tag sind mir die ersten Kakerlaken über den Weg gelaufen“, sagt er. Überall seien die ungebetenen Mitbewohner anzutreffen - sowohl im Haus als auch um das Haus herum. Damit die Kakerlaken nicht in Scharen in seine Wohnung kommen, klebt er seine Wohnungstür jeden Abend von innen und außen mit Klebeband ab.

„Lüften kannst du eigentlich auch nicht, weil immer die Gefahr besteht, dass die Viecher über die Balkone und Fenstersimse in die Wohnungen kommen“, sagt er.

Kinder leben im Haus

Das betroffene Objekt: Das Mehrfamilienhaus am Hagenweg war schon mehrfach Thema in städtischen Gremien. Nun macht es durch Ungeziefer Schlagzeilen.

„Es leben auch Kinder im Haus und mir wurde berichtet, dass in deren Windeln Kakerlaken gefunden wurden“, erzählt Stanze. Besonders für die Psyche sei das enorm belastend. „Die Menschen haben Angst und bekommen eine Psychose“, sagt der 55-Jährige. „Wir sind alle regelrecht am Ende.“ Alle Versuche, diesem Missstand ein Ende zu bereiten, sind bislang ins Leere gelaufen. Zwar habe die Hausverwaltung einmal einen professionellen Schädlingsbekämpfer gerufen, aber der habe nichts bewirken können. „Und die Stadt spielt das Thema einfach herunter und sagt, Kakerlaken seien nicht gesundheitsschädlich“, schimpft Lars Stanze.

Um seinem Unmut Luft zu machen und die Göttinger Bevölkerung über die unzumutbaren Verhältnisse im Haus Hagenweg 20 und einigen weiteren von derselben Hausverwaltung betreuten und ebenfalls von Kakerlaken befallenen Häusern in der Ruhstrathöhe zu unterrichten, zogen Stanzel und einige Mitstreiter am Samstag in der Fußgängerzone eine kleine Demonstration auf. „Es ist wirklich ein Albtraum“, klagte dabei ein in der Ruhstrathöhe lebendes Ehepaar, das dort ein Einfamilienhaus besitzt.

Ungeziefer breitet sich aus

„Die Kakerlaken breiten sich inzwischen über die freien Flächen aus und ist auch die Nachbarschaft der betroffenen Mietshäuser direkt betroffen.“ Sie selbst gingen mittlerweile regelmäßig auf Kakerlakenjagd, um ihr Haus schädlingsfrei zu halten. „Es wird höchste Zeit, dass dort etwas Grundlegendes passiert“, sagten sie. (per)

Hintergrund: Küchenschaben leben ganz versteckt

Der Begriff Küchenschabe, auch Kakerlaken genannt, wird für eine Reihe von Arten der Schaben verwendet.

Das ist ekelerregend: Hier lassen sich Kakerlaken einen Apfel schmecken.

Laut Online-Lexikon Wikipedia leben die Tiere in menschlichen Behausungen und werden als Vorratsschädlinge betrachtet. Alle Küchenschaben leben versteckt, sind vorwiegend in der Dunkelheit aktiv und meiden das Licht. Da Schaben vergleichsweise sozial in großen Gruppen leben, ist ein Schabenbefall meist richtig stark. Schaben bewegen sich durchweg laufend fort und sind für ihre außergewöhnliche Geschwindigkeit bekannt .

Schaben sind Allesfresser, die jegliches organische Material, zum Beispiel Textilien, Leder und Papier verzehren, bevorzugt feuchte und weiche Materialien sowie auch faulende Lebensmittel. Daneben können sie auch gefährliche Krankheiten und Parasiten übertragen. Kot, Häutungs- und Speichelreste können zudem Allergien, Ekzeme und Asthma auslösen.

Das betroffene Haus im Hagenweg ist ein problematisches Gebäude und teilweise in einem desolaten Zustand. Die Stadt, die in den vergangenen Jahren viel Geld zur Aufwertung des Stadtteils in die Hand genommen hat, diskutierte auch öffentlich bereits über einen Erwerb und Abriss. Problem: Das Wohngebäude ist in privater Hand.

Folgende Tipps gibt das bekannte Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen Rentokil gegen Schabenbefall:

• Man sollte den Befall schnell der Hausverwaltung beziehungsweise dem Vermieter melden.

• Man sollte die Wohnung gegen Kakerlaken abdichten - zum Beispiel Ritzen verschließen.

• Kakerlaken mögen es am liebsten warm und feucht. Deshalb Stoßlüften in betroffenen Zimmern, Heizung herunterdrehen.

• Lebensmittel nur in verschlossenen Behältern oder Tüten aufbewahren.

• Lebensmittelrückstände oder Lebensmittelreste sofort wegwischen.

• Alle Lebensmittelrückstände unter Herden und Kühlschränken entfernen.

• Benutztes Geschirr und Töpfe nach Gebrauch abwaschen.

• Tierfutternäpfe nach dem Fressen nicht herumstehen lassen.

• Wassernäpfe und Katzen- oder Hundeklos über Nacht wegräumen.

• Abfälle sollten jeden Tag aus der Wohnung entfernt und in verschlossene Mülltonnen oder Abfallcontainern verbracht werden.

• Abfall oder Kompost in verschlossenen Containern verstauen.

• Windeln oder Schmutzwäsche nicht offen herumliegen lassen.

• Kein Wasser im Waschbecken oder Eimern über Nacht stehenlassen. (bsc)

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