Göttinger zeigten sich schüchtern

Aktion „Niedersächsische Wohnzimmerbühne“: Hausmusik in Fußgängerzone

Musikalisches Wohnzimmer in der Göttinger Innenstadt Liedermacher Philipp Artmann

Göttingen. Niedersachsen soll ein musikalisches Land werden, in einer Atmosphäre wie bei Oma zuhause. Das war das Ziel der Aktion „Niedersächsische Wohnzimmerbühne“ vom „Musikland Niedersachsen“ am Freitag in Göttingen.

Der Baustellenlärm vom Nabel dröhnte hinüber zum Wohnwagen in Paisley-Optik, der mit Sesseln und Teppichen aus Omas Wohnzimmer ausgestattet mitten in der Fußgängerzone vor C&A stand. Im Wohnzimmer saßen Passanten, um Göttingern beim Musizieren zuzuhören.

„Musikland Niedersachsen“ hatte die Aktion als Vorboten zum Niedersächsischen Tag der Hausmusik am 22. November initiiert und wollte Göttinger animieren, beim bunten Programm mitzumachen und Instrumente auszuprobieren.

Mit den Worten „Göttingen ist eine bunte Stadt, aber es geht immer noch ein bisschen bunter!“ begrüßte Reggae-Singer/Songwriter Philipp Artmann aus Göttingen sein Publikum in der Fußgängerzone und sang seinen ersten Song „Heute ist mein Tag“.

„Ich war total überrascht, als ich vom Veranstalter angesprochen wurde, ob ich nicht Lust hätte, ein paar Songs zu spielen und abends ein exklusives Konzert in einem Göttinger Wohnzimmer zu spielen.“ Der Student der Forstwissenschaften ist seit einem Jahr in Göttingen und spielt seit 2010 in einer Band. In Göttingen war dies sein erster öffentlicher Auftritt, der gut ankam. Deswegen ist Philipp Artmann auch nicht traurig, dass sich niemand fand, der sein Wohnzimmer für einen Abend öffnen wollte für eine Stunde Exklusivkonzert.

Ukulele-Workshop

Organisatorin Ulrike Eberle zeigte sich etwas enttäuscht: „Hier in Göttingen ist es leider nicht so gut gelaufen, weil viele Leute wohl Angst haben, Künstler zu sich nach Hause einzuladen. Dem wollen wir ja eigentlich vorbeugen. In anderen Städten Niedersachsen hat das aber gut geklappt.“

Auch beim Kazoo und Ukulele-Workshop, bei dem man Instrumente einfach ausprobieren konnte, zeigten sich die Göttinger schüchtern. Hilmar Beck, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, betonte im kurzen Interview auf der Wohnzimmerbühne die Vielfalt der Göttinger Musik- und Kulturszene und plauderte aus dem Nähkästchen: „Ich habe in meiner Jugend auch Gitarre gespielt, aber auch schnell meine Grenzen entdeckt und bin in die Organisation von Konzerten gewechselt. Trotzdem ist für mich Hausmusik die Vorform davon, auf die Bühne zu gehen.“

Da stimmte Nachwuchskünstler Philipp Altmann ihm zu: „Ich schätze Hausmusik total und finde es schade, dass sie immer seltener wird. Wer sich zuhause ausprobiert, hat Erfahrung gesammelt und muss sich auf keiner Bühne mehr schämen.“ (zli)

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