Heilung vom Göttin-Gen

Junges-Theater-Premiere: Von Selbstheilung und der Mescalero-Affäre um Buback-Tod

+
Bringen Heilung: (von links) Rolf Baumgart von Bodytalk, Udo Eidinger, künstlerischer Leiter des JT, und Daniel Schüßler vom Analogtheater.

Göttingen. Göttingen ist krank. Da sind sich die Regisseure Daniel Schüßler vom Analogtheater und Rolf Baumgart von Bodytalk sicher. Ihr neues Bühnenstück „Göttin-Gen“, das Donnerstag am Jungen Theater uraufgeführt wird, soll Abhilfe schaffen.

Es dreht sich auch um deutsche Geschichte, wie die Mescalero-Affäre nach dem Mord an Siegfried Buback 1977.

Der Name ist Programm: „Göttin-Gen – Eine Stadt heilt sich selbst“. So heißt das Werk, dass das Tanztheater Bodytalk und das Analogtheater aus Köln in Zusammenarbeit mit dem Jungen Theater ins Leben gerufen haben.

„Um zu verstehen, um was es sich hier überhaupt handelt, muss man sich zunächst die Frage stellen: Warum ist Göttingen eigentlich krank?“, betont Regisseur Schüßler mit bemüht ernster Mine. Ganz einfach: Seit 1977 liege es im Schatten. Im „Heißen Herbst“ habe das letzte Mal die Sonne über Göttingen gestanden, sind sich die zwei Künstler einig.

Gemeint ist die Mescalero-Affäre: Der Göttinger Mescalero (Stadtindianer) war der pseudonyme Autor des Textes „Buback“, der 1977 die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback durch die Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) kommentierte. Eine Göttinger Studentenzeitung veröffentlichte den Nachruf, indem sich der anonyme Autor der verordneten Staatstrauer verweigerte und „klammheimliche Freude“ äußerte. Das Wort aus dem Sinnzusammenhang gerissen machte Geschichte und löste eine Staatsaffäre aus.

Heilung der Traumata

Genau das soll ein Thema des Stückes sein: „Der Abend beginnt mit dem Schluss“, fasst Baumgart das Stück zusammen. „Und zwar dem Umschluss.“ Einer Freizeitmaßnahme innerhalb einer Justizvollzugsanstalt. „Wobei die Bühne zur Zelle wird“, fügt Daniel Schüßler hinzu. „Quasi zur Theaterzelle Stammheim.“

Im Mittelpunkt der Vorstellung soll jedoch neben der Auseinandersetzung mit dem Terror die Heilung stehen, sagt Schüßler. Die Heilung und die Bewältigung der Traumata. Schließlich seien alle Anwesenden vom Göttin-Gen betroffen und daher krank: Egal ob Schauspieler oder Publikum.

Zwar könne die Vorführung, wie bei der Homöopathie üblich, anfänglich zur Erstverschlimmerung führen, aber letztlich sei das Ziel die Selbstheilungskräfte der Stadt zu aktivieren. Und nach den fünf Aufführungen sollte der gewünschte Erfolg einsetzen, hofft das Ensemble.

Die Uraufführung am Donnerstag, 27. März, beginnt um 20 Uhr im Jungen Theater in der Hospitalstraße 6.

Weitere Vorstellungen sind am 29. März und 10. bis 12. April. Kartentelefon: 0551/495015.

Von Melanie Triesch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.