HNA machte sich ein Bild von den Zuständen in der ehemaligen Voigtschule

Helfer kritisieren schlechten Zustand der Göttinger Flüchtlingsunterkunft

+
Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Voigtschule: Die ehrenamtlichen Helfer kritisieren die Zustände der sanitären Anlagen.

Göttingen. Die Helfer der „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule" kritisieren die hygienischen Zustände in der Göttinger Unterkunft. Wir haben uns vor Ort selbst ein Bild gemacht.

Sanitäre Anlagen

Etwa 90 Menschen leben derzeit in den ehemaligen Klassenräumen auf zwei Etagen verteilt. Sie stammen aus den Balkanstaaten, Marokko, Syrien, dem Irak und Afghanistan. Die Toiletten - jeweils sechs für Herren und Damen - befinden sich im Keller des Gebäudes. Bei einigen fehlt die Klobrille. „Wir haben die Stadt seit September mehrfach dazu aufgefordert, die Klobrillen zu ersetzen. Doch bisher ist nichts passiert“, sagt Sascha Schießl. Der 35-Jährige ist Mitglied der „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule“.

Sauberkeit in Unterkunft

Die Stadt Göttingen hat eine Reinigungsfirma beauftragt, die regelmäßig in der ehemaligen Schule an der Bürgerstraße putzt. Laut den Ehrenamtlern geschieht dies jedoch nur selten. Insbesondere die sanitären Anlagen werden trotz mehrfacher Beschwerde nur oberflächlich gereinigt. „Die Stadt müsste eine andere Firma beauftragen“, findet Schließl. Seit kurzer Zeit werden auch die Bewohner zur Reinigung der Sanitäranlagen herangezogen: „Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Allerdings geschieht dies unter Druck: Wenn die Flüchtlinge nicht putzen, wird ihnen mit einer Kürzung ihrer Geldmittel gedroht.“

Sozialer Brennpunkt?

Sascha Schießl

Seit Januar ist die Firma Bonveno, ein Zusammenschluss der Wohlfahrtsverbände, für die hauptamtliche Betreuungsarbeit der Flüchtlinge in der ehemaligen Voigtschule verantwortlich. Zuvor war eine Sozialarbeiterin der Stadt mit zwei Wochenstunden für die rund 90 Bewohner zuständig. Die Helfer der Flüchtlingshilfe haben Verständnis dafür, dass die Stadt mit der Betreuung der zahlreichen Flüchtlinge viel zu tun hat. Doch sie befürchten, dass in der Unterkunft ein sozialer Brennpunkt entsteht. „Hier sind Menschen untergebracht, die zum Teil wenig Chancen auf eine Zukunft in Deutschland haben. Wir befürchten, dass die Stadt daher kein umfängliches Interesse daran hat, das Gebäude zu sanieren“, sagt Schießl.

Auch Gerd Nier, Mitglied der Göttinger Linke, hat sich vor Ort ein Bild über die Situation in der ehemaligen Voigtschule gemacht: „Jeder, der einen Blick in die ehemalige Voigtschule wagt, kann sich von den schlechten hygienischen Zuständen und den mangelhaften sanitären Anlagen überzeugen.“ Daher solidarisiert sich die Göttinger Linke mit den Forderungen des Organisationsteams der „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule“ und fordert die Stadt Göttingen dazu auf, unverzüglich die bereits veranschlagten Haushaltsmittel in die Sanierung der Voigtschule zu investieren.

Runder Tisch gefordert

Die ehrenamtlichen Helfer fordern nun einen runden Tisch. „Politik, Stadtverwaltung, die Firma Bonveno, freiwillige Helfer und auch die Bewohner sollten sich zusammensetzen und sich gegenseitig austauschen“, wünscht sich Schießl.

Kontakt zur „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule":

www.facebook.com/groups/880457892007702

E-Mail: fhvoigtschule@gmx.de

Das sagt die Stadtverwaltung:

Die Göttinger Stadtverwaltung wertet die Kritik der „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule“ als Beitrag zu den gemeinsamen Anstrengungen, die Unterbringung von Asylbewerbern in der Uni-Stadt so gut wie möglich zu gestalten.

Demnächst soll es ein Gespräch zwischen allen Beteiligten geben. „Die Stadt will und wird keinen sozialen Brennpunkt schaffen“, stellt Stadt-Pressesprecher Detlef Johannson klar. Allerdings sei die Verwaltung derzeit mangels anderer Alternativen gezwungen, nicht nur Flüchtlinge, sondern momentan auch andere Wohnungslose in der ehemaligen Voigtschule unterzubringen.

Die Sanitäranlagen werden laut Stadtverwaltung derzeit etagenweise erweitert. Der Umbau sei noch nicht abgeschlossen. Deshalb müssten auch die Sanitärcontainer neben dem Haus genutzt werden. Die sanitären Anlagen sind aus Sicht der Stadt Göttingen nicht in einem katastrophalen Zustand.

Flüchtlinge werden laut Verwaltung für Reinigungsarbeiten nur auf freiwilliger Basis einbezogen. Dabei besteht die Möglichkeit, sich „etwas hinzuzuverdienen“.

Schwangere Frauen sollen nach Möglichkeit in einer separaten Unterkunft untergebracht werden. Daran werde derzeit gearbeitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.