Helmut Schmidt und Göttingen: Rede an der Stadthalle und ein Freund

+
Auftritt in Göttingen: Helmut Schmidt sprach vor der Bundestagswahl Ende August 1976 an der Göttinger Stadthalle.

Göttingen. Betroffen über den Tod von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (96) zeigte sich der Göttinger SPD-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Lehmann am Dienstagnachmittag.

Helmut Schmidt sei ein großer Sozialdemokrat gewesen, sagte Lehmann. „Man kann sich nur wünschen, dass seine Haltung zur Politik und Sozialdemokratie sowie zu seinen Ideen erhalten bleibt.“

Helmut Schmidt sei stets ein aufrechter, kritischer Mensch gewesen, der auch – im Gegensatz zu einigen anderen Politikern – offen mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich umgegangen sei, sagte Christoph Lehmann, der auch das Verhalten von Schmidt bei der Sturmflutkatastrophe 1962 würdigte. Als Regierender Bürgermeister von Hamburg holte Schmidt damals die Bundeswehr in den Katastropheneinsatz.

Zur Stadt Göttingen hatte Helmut Schmidt keine innige Beziehung. Auftritte bei Veranstaltungen und während der Wahlkampftourneen waren eher selten. Weitaus häufiger in Göttingen gesehen und gehört wurde Willy Brandt.

1976 kam Schmidt Ende August zur Stadthalle nach Göttingen, um für Stimmen für die Sozialdemokraten zu werben. Die SPD konnte die Wahl zusammen mit der FDP gewinnen.

Daran erinnert sich auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). „Es war einer der wenigen Auftritte in Göttingen von Helmut Schmidt“, sagt Köhler, für den der Ex-Kanzler stets ein „großer Pragmatiker und in im letzten Drittel seines Lebens auch ein Weltversteher im positiven Sinne“ war. „Helmut Schmidt war kein leichter Politiker, sagt Köhler. „Er hat die Partei auch mit schweren Themen beschäftigt.“ Für die habe er sich stark gemacht. So für den Nato-Doppel-Beschluss. „Damit hatte sich Schmidt in linken Kreisen der SPD keine Freunde gemacht“, sagt Köhler.

Ein enges Band aber hatte Helmut Schmidt dennoch zu Göttingen: Der Altkanzler pflegte eine „enge und intensive Freundschaft“ – wie Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler sagt – zu dem Göttinger Sozialdemokraten Herbert Rössig, der seit 1959 Gemeindedirektor in Weende und von 1964 bis 1982 Sozialdezernent der Stadt Göttingen gewesen war. Herbert Rössig starb am 7. Juli 2015, ebenfalls im Alter von 96 Jahren. Nur wenige Tage vor seinem Tod hatte Rössig mit einem guten Freund telefoniert: Helmut Schmidt.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.