Viele Kinder in Kita-Notbetreuung

Corona: Weit mehr als nur Notbetreuung in Göttinger Kindertagestätten

Szene aus einem Kindergarten: Kinder basteln mit Bauelementen. Die Kindergärten in Göttingen sind trotz des Notbetriebs in der Pandemie stark besucht.
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Bastelstunde: Die Kindergärten in Göttingen sind trotz des Notbetriebs in der Pandemie-Zeit stark besucht.

Die Nachfrage nach Notbetreuung für Kinder in Göttinger Kitas ist im 2. Lockdown kräftig gestiegen. Die Träger fordern bessere Information und Unterstützung vom Land.

Göttingen - Die Uni-Stadt befindet sich im zweiten Lockdown. Die Göttinger Kitas laufen wieder im Notbetrieb. Doch im Vergleich zum ersten Lockdown, als hauptsächlich Eltern mit systemrelevanten Berufen oder Alleinerziehende ihre Kinder in die Notbetreuung geben durften, können nun wesentlich mehr Eltern die Kinder in Betreuung geben. Das Resultat: Viel mehr Kinder werden betreut. Von Notbetreuung kann eigentlich keine Rede sein.

Die Steigerung der zu betreuenden Kinder stellt auch Klaus Schmidt von der Stadt Göttingen fest. In den 13 städischen Einrichtungen gehe aktuell jedes zweite Kind in den Kindergarten. „Und von den 5426 stadtweiten Plätzen in Krippen, Kindergärten, Horten und der Ganztagsgrundschulbetreuung wurden in der vergangenen Woche circa 41 Prozent im Rahmen der Notbetreuung in Anspruch genommen“.

Ähnlich sieht es in den zwölf Kindertagesstätten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Landkreis aus. „Von 560 Kindern nutzen circa 225 die Notbetreuung“, sagt Petra Reußner, Kreisgeschäftsführerin des DRK-Kreisverbands Göttingen-Northeim. Von Eltern genannte Gründe seien notwendige Präsenz am Arbeitsplatz, umfangreiche Arbeitsleistung im Homeoffice, die mit der Kinderbetreuung nicht vereinbar sei, oder angespannte familiäre Situationen.

Da so die Kitas mehr als nur im Notbetrieb laufen und ein Großteil des Personals (78 Prozent in den städtischen Einrichtungen) arbeiten muss, gehen die Erzieher jeden Tag das Risiko ein, an Covid-19 zu erkranken. „Generell ist das Thema Arbeitsschutz und Sicherheit ein wichtiges Thema beim pädagogischen Fachpersonal. Laut Landesregierung sind keine regelmäßigen Covid-19-Testungen vorgesehen. Dies beunruhigt und verärgert einige Fachkräfte“, sagt Petra Reußner.

Auch sei die Anspannung und psychische Belastung gestiegen. Die pädagogische Arbeit trete mehr in den Hintergrund, da viele Angebote für die Kinder aufgrund der Hygienerichtlinien nicht möglich seien. „Es geht gefühlt mehr um reine Betreuung und das ist nicht der Anspruch des Fachpersonals. Auch die Mehrbelastung für die Leitungen aufgrund des Mehraufwands durch Corona ist ebenfalls zu spüren“, resümiert Petra Reußner, nicht ohne Besorgnis.

Dass es bereits vereinzelte Infektionsfälle in Notbetreuungen gab, bestätigt Klaus Schmidt. Er wünscht sich vom Land Niedersachsen verbindliche, einheitliche und vor allem begrenzte Vorgaben zur Vergabe der Notbetreuungsplätze.

Und die Träger der Kindertagsstätten fühlen sich von der Landesregierung und den Ministerien nicht früh genug und ausreichend über Änderungen informiert: „Wir brauchen frühere Informationen von der Landesregierung zur Umsetzung der Maßnahmen, nicht erst am Freitag Mittag für den kommenden Montag. Wichtig sind außerdem weiterführende Arbeitsschutzmaßnahmen wie die Übernahme der Kosten für Schnelltestungen auch für das pädagogische Personal“, fügt DRK-Geschäftsführerin Petra Reußner hinzu. Carolin Eberth

Geschäftsführerin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Göttingen-Northeim: Petra Reußner.

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